Ramsch-Status
Moody's stuft irische Banken herab

Die irischen Banken sind Ramsch - zumindest aus Sicht von Moody's. Die Ratingagentur hat die wichtigsten Institute des Landes gleich um zwei Stufen heruntergestuft.
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DublinMoody's stürzt den irischen Bankensektor tiefer in die Krise: Die Ratingagentur hat die Bonität der Geldhäuser gesenkt, die vom Staat gestützt werden müssen. Und das auch noch um gleich zwei Noten auf "Ba1" . So tief standen die irischen Institute noch nie da. Betroffen sind die Allied Irish Bank, die Bank of Ireland, EBS Building Society und Irish Life & Permanent Group Holdings.

Erst am Freitag hatte das Land einen Rückschlag im Kampf gegen die Krise erfahren, als Moody's die Kreditwürdigkeit Irlands um zwei Noten von bis dahin „Baa1“ auf „Baa3“ und damit auf eine Stufe vor Ramschniveau reduziert hatte. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit beließ Moody's bei negativ. Es drohen also weitere Herabstufungen für das durch eine Bankenkrise stark belastete Land. Die Ratingagentur hatte den Schritt damit begründet, dass die Finanzkraft Irlands weiter sinken könne, falls das Wirtschaftswachstum schwächer ausfalle als erwartet. Ein weiterer Grund für die Herabstufung sei der europäische Rettungsmechanismus (ESM), der ab 2013 gelten soll. Beim ESM wird eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten nicht mehr ausgeschlossen. Auch S&P hatte die Bonität des Landes Anfang April auf die Note „BBB+“ herabgestuft. Diese liegt aber noch drei Noten über dem sogenannten „Ramschniveau“. Auch beim Konkurrenten Fitch droht eine Herabstufung, hier steht der Ausblick auf negativ.

Dabei hatte zuletzt zumindest die Bank of Ireland die Trendwende ausgerufen. Das Institut vermeldete für das vergangene Jahr ein Minus von netto 609 Millionen Euro, während sich Branchenexperten im Schnitt auf 1,9 Milliarden Euro gefasst gemacht hatten.

Der Verlust wurde jedoch vor allem durch eine Umschuldung sowie neue Wertberichtigungen begrenzt. Das zugrundeliegende Bank-Geschäftbeeindruckte die Experten nicht- zumal die gesamte irische Branche weiter auf eine finanzielle Notbeatmung durch die Europäische Zentralbank angewiesen ist.

Bankchef Richie Boucher sprach zwar von einer Trendwende. "Wir haben uns von einem Überlebenskampf hin zur Stabilisierung bewegt." Dennoch droht das Traditionshaus bald mehrheitlich in Staatsbesitz zu gelangen, weil die Bank of Ireland nach einem Stresstest der irischen Notenbank weitere fünf Milliarden Euro benötigt, um krisensicher zu werden.

Der Großteil des durch eine hemmungslose Kreditvergabe ruiniertenirischen Bankensektors ist bereits verstaatlicht. Die Rechnung für die Rettung der Branche beläuft sich auf rund 70 Milliarden Euro. Der größte Rivale der Bank of Ireland, die Allied Irish Banks, hatte vor kurzem einen Jahresverlust von mehr als zehn Milliarden Euro bekanntgegeben.

Die Mitarbeiter des Instituts zittern seitdem umso mehr vor einer Entlassungswelle. 2.000 der insgesamt 15.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Der Großteil des Jobabbaus solle auffreiwilliger Basis erreicht werden, kündigte AIB-Chef David Hodgkinson vergangene Woche an.

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