Rating-Agenturen belohnen Reformkurs der Türkei
Türkische Anleihen setzen Aufschwung fort

Türkische Anleihen sind gefragt. In den vergangenen Monaten sind die Kurse türkischer Inlands- und Auslandsbonds bereits kräftig gestiegen. Positive Kommentare der Rating-Agenturen Standard & Poors (S&P) und Fitch sorgten in jüngster Zeit für zusätzliche Impulse.

HB FRANKFURT/M. Zunächst hob S&P die Einstufung der langfristigen Auslandsverbindlichkeiten der Türkei auf „BB-“ von „B+“ an; gestern setzte Fitch bei unverändertem Rating von „B+“ dann den Ausblick von „stabil“ auf „positiv“ nach oben.

Die Euphorie für türkische Bonds wird ein wenig dadurch gebremst, dass die dritte bekannte Ratingagentur Moody’s an ihrer um eine Ratingkategorie niedrigeren Bonitätsnote festhält. Das werfe einen Schatten auf das Upgrade, sagt Sevin Ekinci vom WestLB Research. „Unseres Erachtens ist Moody’s im Hinblick auf die Türkei übervorsichtig“, erklärt der Analyst.

Ungeachtet der Skepsis von Moody’s und der am Markt bestehenden Zweifel an der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Türkei ist die Rendite der in Dollar emittierten 117/8 prozentigen Benchmarkanleihe der Türkei mit Fälligkeit im Jahr 2030 seit Mai von 10,5 Prozent auf 8,45 Prozent gefallen. Und dies in einem Umfeld, in dem die Renditen von EU-Staatsanleihen und US-Treasuries stark gestiegen sind. Zum Vergleich: US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit werfen eine Rendite von 5,05 Prozent ab.

Der Kursaufschwung türkischer Dollaranleihen zeigt ganz deutlich, dass die Marktteilnehmer das Risiko von Kapitalanlagen in der Türkei heute wesentlich geringer einstufen, als dies noch vor einigen Monaten der Fall war. „Die politischen und wirtschaftlichen Reformen der Türkei tragen weiterhin Früchte“, sagt Baris Büyükdemir, der für Ceros Financial Services den Türkei 75 Plus-Fonds managt. Bei S&P wurde die Rating-Anpassung mit der erträglicheren Schuldenlast der öffentlichen Hand, der höheren politischen Stabilität und der zuletzt wieder positiveren wirtschaftlichen Entwicklung begründet.

Die DZ Bank sieht einen Wermutstropfen im ökonomischen Erholungsprozess – nämlich die rasche Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits auf Grund stark gestiegener Importe. Eine Abschwächung des Importbooms könnte über die Zins- und Währungsseite bewirkt werden. So geht Mahmut Kaya, Chef der Researchabteilung von Garanti Securities in Istanbul, davon aus, dass die türkische Notenbank mehr Spielraum für neue Zinssenkungen hat. Dies könnte eine Abschwächung der türkischen Lira auslösen. Die Lira gilt für Handelsminister Kursad Tuzmen noch immer als überbewertet. Kursverluste der Währung würden die Konkurrenzfähigkeit der Exportwirtschaft verbessern und dazu führen, dass die Türkei in der Leistungsbilanz den Druck durch den boomenden Import nicht so stark zu spüren bekomme.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt die Türkei, das hohe Leistungsbilanzdefizit zu unterschätzen. Dies berge Risiken für den Konjunkturaufschwung. Bisher ging die türkische Regierung davon aus, dass das Leistungsbilanzdefizit Ende 2004 ca. 7,6 Mrd. Dollar erreicht. Die neueste Defizitprognose Ankaras liegt bei 10,8 Mrd. Dollar.

Die Regierung sollte die Warnungen des IWF ernst nehmen. Schließlich verhandelt sie mit dem Währungsfonds über ein neues Kreditabkommen. Ein solches Abkommen und die Chance auf weitere Upgrades durch S&P würden das Vertrauen in türkische Anleihen steigern, sagt Ekinci. Auch Die DZ Bank erwartet, dass sich die Spreads (Renditeunterschiede) zwischen türkischen und US-Staatsanleihen weiter verringert.

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