Rating in Gefahr
S&P warnt Schweizer Kantonalbanken

Der Ratingagentur Standard & Poor's bereitet der Boom auf dem Schweizer Immobilienmarkt Kopfzerbrechen. Für neun Banken nahmen die Experten den Ausblick von stabil auf negativ zurück.
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ZürichDie Experten der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) warnten am Dienstag acht mit AA+ und höher eingestufte Kantonalbanken und die mit A bewertete Migros Bank vor einer Rückstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Banken verdienen ihr Geld zu einem großen Teil mit Hypotheken und ein Einbruch auf dem Markt für Häuser und Eigentumswohnungen könnte ihnen Probleme bei ihren Krediten einbringen, warnte die US-Ratingagentur. Sie nahm den Ausblick auf negativ von stabil zurück. In der Schweiz gibt es in allen größeren Kantonen "Staatsbanken", die ganz oder teilweise im Besitz der öffentlichen Hand stehen und mit einer Staatsgarantien ausgestattet sind.

Der Anstieg der Immobilienpreise über die vergangenen drei Jahre bringe für die hauptsächlich auf die Schweiz konzentrieren Banken zunehmend Risiken mit sich, erklärte S&P. Wenn sich die Entwicklung fortsetze, werde sich das Umfeld für die Banken verschlechtern und S&P werde das Rating für die Institute um eine Stufe zurücknehmen.

Eine unmittelbare Gefahr einer Immobilienkrise besteht nach Einschätzung von S&P in der Schweiz indessen nicht. Insgesamt seien die Institute einer konservativen Risiko- und Kreditkultur verpflichtet. Aber je mehr die Preise stiegen, umso mehr wachse das Risiko einer Korrektur. Die Schweiz könne dann nicht mehr als Land mit einem niedrigen Ungleichgewichtsrisiko eingestuft werden - und das habe dann auch Konsequenzen für Banken.

Betroffen von der Ausblick-Rückstufung sind die Banken der Kantone Aargau, Basel-Land, Schwyz und Zürich, die von S&P AAA bewertet werden. Der Rest der Liste besteht aus den Kantonalbanken Basel-Stadt, Graubünden, Luzern und Waadt in der Westschweiz, die mit AA eingestuft sind.

Für die Großbanken Credit Suisse und UBS sowie Bank Vontobel, die neue Sarasin-Mutter Safra Holding und die Kantonalbank Genf ließ S&P den Ausblick unverändert. Für sie spiele die Entwicklung auf dem Schweizer Immobilienmarkt eine geringere Rolle.

Die Sorgen von S&P werden auch von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Regierung geteilt. Die SNB machte sich für Vorschriften stark, mit denen die Regierung die Vergabe von Hypotheken durch strengere Eigenkapitalvorschiften vorübergehend begrenzen kann. Die entsprechende Verordnung wurde vor kurzem verabschiedet aber bisher nicht in Kraft gesetzt. (Reporter: Albert Schmieder; redigiert von Till Weber)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Entwicklung in der Schweiz ist eine logische Konsequenz der Schuldenkrise in der Eurozone.

    Die vermögenden Bürger versuchen ihr Geld zu retten, bevor man in der EU auf die Idee kommt, diesen Personenkreis mal wieder stärker zugunsten des Gemeinwohls mit Steuern und Abgaben zu belasten.

    Also gehen sie raus aus der Eurozone und investieren ihr Vermögen in der Schweiz in Beton und treiben damit die Preise.

    Irgendwann werden die Schweizer selbst diese Preise nicht mehr bezahlen können und die Preise werden abstürzen.

    Aber da die Schweiz nicht in EU und Euro ist, müssen sie halt selbst einen Weg aus diesem Dilemma finden.

    Einen Tip hätte ich: Kapitalverkehrskontrolle einführen und einfach den Banken die Annahme von größeren Geldbeträgen von Bürgern aus der Eurozone untersagen. Am besten die Daten dieser Personen gleich noch an die jeweiligen Steuerbehörden der Heimatländer weiterleiten, damit diese dann bei eventuellen Steuerschmarotzern richtig zulangen können. :-)

  • Besser ein kleverer Zwergenstaat als eine Gruppe von hirnlosen europaeischen Traeumern.

  • Sehr geehrter Mugen,
    könnten Sie sich entschliessen mit Ihren persönlichen Daten zu dieser Aussage zu stehen, so würde ich nicht zögern Sie strafrechtlich in der Schweiz, wie auch in Deutschland zu Belangen.

    Die Aufmerksamkeit der Medien hinsichtlich Iher Person wäre garantiert. Nur Mut!

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