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Moody's droht Türkei mit Ramsch-Status

Die Türkei machte zuletzt negativ auf sich aufmerksam: Ein Korruptionsskandal sowie die schwächere wirtschaftliche Perspektive rufen jetzt die Ratingagentur Moody's auf den Plan. Das Rating ist in Gefahr.
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IstanbulDie Rating-Agentur Moody's warnt die Türkei vor einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote. Der Ausblick für das Rating sei von „stabil“ auf „negativ“ gesetzt worden, teilte Moody's am Freitag mit. Der Schritt wurde mit den jüngsten politischen Turbulenzen im Zuge des Korruptionsskandals sowie schwächeren Perspektiven für das wirtschaftliche Wachstum begründet. Die türkische Lira verlor daraufhin zum Dollar an Wert.

Die Staatsanleihen der Türkei werden bei Moody's mit der Note „Baa3“ eingestuft, die gerade noch für eine durchschnittliche Kreditwürdigkeit steht. Bei einer Herabstufung würde das Land in den sogenannten Ramsch-Bereich fallen, in den viele Investoren wegen zu großer Risiken nicht mehr investieren dürfen.

Die Türkei befindet sich in einer Regierungskrise. Zuletzt wurde bekannt, das eine Stiftung aus dem familiären Umfeld des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan fast 100 Millionen US-Dollar (knapp 72,5 Millionen Euro) Spenden aus dem Ausland erhalten. Zudem seien zwischen 2008 und 2012 umgerechnet knapp zehn Millionen Euro Inlandsspenden an die Jugend- und Bildungsstiftung Türgev geflossen, erklärte Vizeregierungschef Bülent Arinc am Donnerstag auf eine Anfrage der Opposition. Die oppositionelle Republikanischen Volkspartei (CHP) spricht von der Stiftung, in der Erdogans Sohn Bilal und seine Tochter Esra im Vorstand sitzen, als einem Zentrum der Korruption.

Erdogan liefert sich seit Dezember einen Machtkampf mit der islamischen Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, die ebenfalls Studentenwohnheime und Schule betreibt, auch im Ausland. Erdogans Regierung hat die Gülen-Bewegung beschuldigt, Gespräche von Regierungspolitikern abgehört und in Verbindung mit Korruptionsvorwürfen ins Internet gestellt zu haben.

Ungeachtet der Vorwürfe ist Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP weiter die mit Abstand stärkste politische Kraft in der Türkei. Bei der Kommunalwahl Ende März erhielt sie landesweit mehr als 45 Prozent der Stimmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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