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Moody's straft Griechenland milde ab

Nach Fitch und Standard & Poor's und Fitch hat auch die dritte große Ratingagentur Moody's ihre Einschätzung zu Griechenland gesenkt. Die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen sinkt aber nur um eine Stufe. Das hat die Marktteilnehmer positiv überrascht.
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ATHEN. Das hochverschuldete Griechenland bleibt im Fokus der internationalen Ratingagenturen. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits Fitch sowie Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft hatten, senkte gestern auch das Finanzunternehmen Moody's Investor Service das Bonitätsrating für griechische Staatsanleihen von „A1“ auf „A2“. Die Finanzmärkte reagierten dennoch positiv: Man hatte eine noch schlechtere Note erwartet. Außerdem enthält die Bewertung von Moody's eine Reihe positiver Einschätzungen, auch wenn die Agentur den Ausblick auf „negativ“ beließ und damit weitere Herabstufungen nicht ausschließt.

Die Benotung „A2“ sei eine „erfreuliche Weihnachtsüberraschung“, sagte ein Athener Broker dem Handelsblatt. Die Märkte hätten ein Downgrade um zwei Stufen auf „A3“ eingepreist. Das erkläre jetzt die steigenden Kurse griechischer Anleihen. Die Zinsdifferenz des zehnjährigen griechischen Bonds zur vergleichbaren Bundesanleihe, die am Montag noch zeitweilig 282 Basispunkte betrug, ging gestern auf 251 Basispunkte zurück. Auch der Athener Aktienindex, der wegen der prekären Finanzlage des Landes seit Mitte November rund 25 Prozent eingebüßt hatte, lag um mehr als drei Prozent im Plus.

Nach der jüngsten Herabstufung bewertet Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands immer noch zwei Stufen höher als die Agenturen Fitch und S&P, die das Land kürzlich auf „BBB+“ herabgestuft und damit in die zweite Liga der Schuldner verbannt hatten. Dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou war die Erleichterung über das glimpfliche Moody's-Urteil anzumerken: Die Agentur habe gewürdigt, dass die von der Regierung angekündigten Konsolidierungsschritte zu einer nachhaltigen Lösung der Probleme der griechischen Wirtschaft führen könnten, erklärte Papakonstantinou gestern in Athen.

Tatsächlich enthält Moody's Bewertung eine Reihe positiver Einschätzungen. Die Agentur erkenne an, dass die Regierung in ihren jüngsten Ankündigungen die Schwächen des Landes klar erkannt und den Weg für eine nachhaltige Lösung vorgezeichnet habe, schrieb Sarah Carlson, Moody's Chefanalystin für Griechenland. Die Agentur sieht in den Finanzproblemen Griechenlands „keinen entscheidenden Test für die Euro-Zone“.

Auch das in den vergangenen Wochen zirkulierende Szenario, dass die griechischen Geschäftsbanken wegen der schlechten Ratings der griechischen Bonds ab 2011 nicht mehr auf billige Kredite der Europäischen Zentralbank zurückgreifen könnten, sei „extrem unwahrscheinlich“, meint Moody's Vizepräsident Arnaud Marès; das Land stehe deshalb kurzfristig nicht vor Refinanzierungsproblemen.

Die Agentur unterstreicht allerdings, dass Griechenlands akute Finanzprobleme das Ergebnis einer seit Jahren andauernden „Erosion der Wettbewerbsfähigkeit und des Wirtschaftspotenzials“ sowie schwacher fiskalischer Institutionen seien. Deshalb könne das Schuldenproblem nicht allein durch höheres Wirtschaftswachstum gelöst werden. Es hänge nun von den Konsolidierungsschritten der Regierung ab, ob der nächste Bewertungsschritt eine weitere Herabstufung sei oder der Ausblick von „negativ“ auf „stabil“ gesetzt werden könne, heißt es in dem Papier.

Während das Athener Parlament heute Abend über den Haushaltsentwurf 2010 abstimmen wird, der einen Abbau des Defizits von 12,7 auf 8,7 Prozent des BIP vorsieht, brütet Finanzminister Papakonstantinou bereits über dem nächsten Zahlenwerk: Am 20. Januar muss er der EU-Kommission ein Stabilitätsprogramm vorlegen, das konkrete Schritte zur Finanzkonsolidierung bis zum Jahr 2012 enthalten soll.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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