Rating: Moody's stuft sechs europäische Staaten herab

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Moody's stuft sechs europäische Staaten herab

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonität mehrerer europäischer Staaten gesenkt, darunter Spanien, Italien und Portugal. Auch Großbritannien gerät jetzt in den Fokus der Agentur. Deutschland ist diesmal nicht betroffen.
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London / WashingtonDie gute Nachricht: Deutschland ist als wirtschaftliches Schwergewicht der Eurozone bei einer neuen Runde von Rating-Abstufungen schadlos geblieben. Dagegen hat die Ratingagentur Moody's hat am späten Montagabend die Kreditwürdigkeit mehrerer EU-Staaten herabgestuft.

Betroffen sind Italien, Portugal, Spanien, Malta, die Slowakei und Slowenien. Ferner wurde für drei EU-Staaten mit Aaa-Rating die Prognose auf negativ gesenkt. Dies gilt für Frankreich, Großbritannien und Österreich. Die Überraschung über diesen Schritt hält sich in Grenzen. Der größere Konkurrent Standard & Poor`s hatte bereits vor Wochen eine ähnliche Herabstufung vorgenommen.

Die Kreditwürdigkeit von Euro-Staaten wie Italien und Frankreich wird von der Ratingagentur Moody's skeptischer beurteilt. Die Experten stuften in der Nacht zu Dienstag die Note für Italien um einen Rang herab auf A3 von A2 und die Bewertung Spaniens um zwei Ränge auf A3 von A1. Auch Portugal, Malta, die Slowakei und Slowenien rutschten in der Bewertung um jeweils eine Stufe ab.

Für Frankreich, die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, gab die Agentur ein Warnsignal: Die Aussicht für die künftige Bewertung sei negativ, erklärte die Agentur. Dies bedeutet, dass Moody's eine mindestens 40-prozentige Wahrscheinlichkeit sieht, dass die Kreditwürdigkeit in den kommenden 18 Monaten herabgestuft werden könnte.

Dieses Urteil fällten die Experten auch über Österreich, das im System von Moody's wie Frankreich noch immer die Bestnote AAA hat. Einen Warnschuss versetzte die Agentur zudem Großbritannien, das nicht Mitglied der Euro-Zone ist. Auch das britische AAA-Rating erhielt einen negativen Ausblick. Die Agentur begründete ihren Schritt mit den wachsenden Risiken für eine weitere Belastung der Staaten, die eine schlechtere Entwicklung der Kreditwürdigkeit wahrscheinlicher machten.

Trotz der Herabstufungen äußerte sich Moody's relativ optimistisch. Es werde nicht erwartet, dass Regierungen mit den Rettungspaketen Geld verlören. Auch werde nicht erwartet, dass die Aaa-Bewertungen Deutschlands, der Niederlande und Finnlands unter Druck gerieten. „Wir glauben weiterhin, dass die Eurozone als Ganzes über eine beträchtliche wirtschaftliche und finanzielle Stärke verfügt“, erklärte Moody's.

Unverändert blieb das Rating für Deutschland (Aaa), ebenso die Bewertungen von Dänemark, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden (alle ebenfalls Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) und Irland (Ba1). Eine Überprüfung der Einstufung Zyperns mit Baa3 dauert an, Griechenland verharrt bei Ca. Der europäische Rettungsfonds EFSF behielt seine Bewertung von Aaa.

Mitte Januar hatte die US-Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich und Österreich die Bestnote aberkannt und die Länder um eine Note herabgestuft. Moody's gab kurze Zeit später an, seine Bewertungen planmäßig zu prüfen. Frankreich ist zusammen mit Deutschland Hauptgarantiegeber des Eurorettungsfonds EFSF.

Erste Reaktionen aus den Staaten sind moderat. Das Finanzministerium in Wien sieht trotz des Warnschusses durch die Rating-Agentur Moody's keine Gefahr für eine Abstufung der Kreditwürdigkeit Österreichs. Die Entscheidung sei „bedauerlich“, erklärte das Finanzministerium in Wien. Die Agentur habe dabei allerdings das jüngst beschlossene Sparpaket nicht berücksichtigt. Das Finanzministerium sieht daher keine Gefahr für
eine bald mögliche Herabstufung.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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  • Warum lassen die Europaeer zu, dass der Fokus nur Europa betrifft.Von den amerikanischen Problemen wird dadurch abgelenkt.
    Das scheint Methode zu haben.

  • Wenn ein Staat wirklich unabhängig sein will, darf er sich eben nicht bis über die Halskrause verschulden. Was hier zum Teil angeführt wird, ist haarsträubend: Schuld ist derjenige, der Kredite gibt??? Ich habe keinen Volksvertreter gewählt, der mir, meinen Kindern und Enkeln jede Luft zum Atmen nimmt, weil er das Geld von morgen bereits heute ausgibt. Und wer auf rating-agenturen, die versuchen, ein bißchen Transparenz in das völlig intransparente Finanzgebaren des Staats zu bringen, als den Boten schlechter Nachrichten ein-schlägt, meint wohl, es wäre besser, den Kopf in den Sand zu stecken, solange bis es niemanden gibt, der auch nur einen Pfifferling in diesen Staat investiert.

  • Danke @Peter von Bremen. Die vorgetragenen Argumente von @Brechreiz deuten auf eine bestellte Vortragsreihe hin, weniger auf den eigenen Geist. Falls es um ihn herum anfängt zu brennen, weiß er bestimmt, wer das Feuer gelegt hat. Sollte es die sogar die Feuerwehr, einzelne oder vereinzelte Feuerwehrleute gewesen sein, so käme er wahrscheinlich nie auf die Idee, dieselben um Hilfe zu bitten.

    Jeder ist sich seines Glückes Schmied. Im übrigen sagt @Brechreiz gelinde das, was ich für ihn empfinde.

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