Ratingagentur
Moody's senkt Daumen über Werkstattkette ATU

Die Werkstattkette ATU hat massive finanzielle Probleme. Die Ratingagentur Moody's sieht für das Unternehmen in nächster Zukunft auch keine besseren Zeiten kommen – und senkt die Bewertung um eine Stufe.
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FrankfurtDie Ratingagentur Moody's senkt den Daumen über die hoch verschuldete Werkstattkette ATU. Die dringend nötige Refinanzierung des oberpfälzischen Unternehmens werde angesichts der schwachen Geschäftsentwicklung der vergangenen Monate schwierig, urteilten die Bonitätswächter am Dienstag.

Der Umsatz sank nach Angaben der Agentur in den zwölf Monaten bis Ende 2012 um 1,6 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro, was Experten vor allem auf das im Vergleich zu 2011 schwache Geschäft mit Winterreifen zurückführen. Moody's senkte die Bewertung für die Gruppe auf "Caa2" von "Caa1" - das signalisiert Investoren ein höheres Ausfallrisiko. Zudem ist der Rating-Ausblick negativ, eine weitere Herabstufung ist also wahrscheinlich.

ATU gehört dem Finanzinvestor KKR, der vor fünf Jahren schon einmal mehr als 100 Millionen Euro in das Unternehmen mit seinen rund 13.000 Mitarbeitern gepumpt hat. Auch 2008 brachen die Umsätze weg, unter anderem wegen des milden Winters. Aktuell hat die US-Beteiligungsgesellschaft die Investmentbank JP Morgan beauftragt, Optionen für ATU auszuloten. In Branchenkreisen gilt es als wahrscheinlich, dass KKR noch einmal einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an Eigenkapital nachschießen muss, um die Schuldensituation zu verbessern.

Der Finanzinvestor selbst hofft nach Informationen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen zufolge darauf, noch in diesem Jahr einen Käufer zu finden und so um eine Kapitalspritze herumzukommen. "Eine Erfolgsgeschichte dürfte ATU für KKR nicht mehr werden", sagte ein Insider. Viele Beteiligungsfirmen betonen, dass für sie ein Kauf nicht in Frage komme. Alle Beteiligten äußern sich nicht dazu. Private-Equity-Häuser kaufen Firmen auf Pump, die Schulden bürden sie den übernommenen Unternehmen auf. Brechen in Krisenzeiten die Umsätze weg, drückt die Schuldenlast schwer.

Insgesamt hat ATU knapp 600 Millionen Euro an Anleihen auf dem Markt, die ab Mai 2014 fällig werden. Obwohl das Management mehrere Möglichkeiten prüfe, vor dem Termin eine langfristig stabile Finanzstruktur auf die Beine zu stellen, gebe es bislang noch keinen konkreten Plan, bemängelt Moody's.

Der Verschuldungsgrad habe sich weiter verschlechtert und per Ende 2012 beim 8,4-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) gelegen - zwei Jahre zuvor war es noch das 7,2-Fache. Daran werde sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern, da das Unternehmen die Schuldenlast aus eigener Kraft voraussichtlich nicht abbauen könne. ATU hat mehr als 600 Werkstätten, den allergrößten Teil davon in Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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