Ratingagentur warnt Argentinien steht kurz vor der Pleite

Argentinien muss über zehn Jahre alte Anleiheschulden an US-Hedge-Fonds zurückzahlen. Als Druckmittel wurde sogar schon ein Marineschulschiff beschlagnahmt. Die Ratingagentur Fitch rechnet mit dem Äußersten.
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Bis zum 15. Dezember soll die argentinische Regierung 1,3 Milliarden Dollar auf ein Treuhandkonto einzahlen. Quelle: dapd

Bis zum 15. Dezember soll die argentinische Regierung 1,3 Milliarden Dollar auf ein Treuhandkonto einzahlen.

(Foto: dapd)

New YorkZehn Jahre nach dem Staatsbankrott droht Argentinien nun erneut die Pleite. Weil die Regierung einem US-Gerichtsurteil zufolge deutlich mehr Geld an Investoren zurückzahlen muss als geplant, sieht die Rating-Agentur Fitch sie nun vor dem Zahlungsausfall. Es gebe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Land seine Schulden nicht bedienen könne, erklärten die Bonitätsprüfer am Dienstagabend und stuften ihre Kredit-Note drastisch um fünf Stufen herab. Eine weitere Senkung wird geprüft. Mit der Bewertung "CC" ist Argentinien nur noch zwei Stufen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt.

Hintergrund ist ein erbittert geführter Rechtsstreit der Regierung in Buenos Aires mit Investoren unter Führung der Hedgefonds NML Capital und Aurelius Capital Management, die den im Jahr 2002 beschlossenen Schuldenschnitt nicht akzeptieren. Sie wollen das verliehene Geld komplett zurück und bekamen jüngst Recht von einem Richter in den USA. Dieser setzte der Regierung eine Frist bis zum 15. Dezember, um 1,3 Milliarden Dollar auf ein Treuhandkonto einzuzahlen. Als Druckmittel wurde sogar ein vor Ghana liegendes Marineschulschiff beschlagnahmt.

Die Mitte-Links-Regierung in dem lateinamerikanischen Land will die Forderungen der rebellischen Investoren auf keinen Fall erfüllen. Präsidentin Christina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds zuletzt als "Aasgeier". Sie steht auch innenpolitisch unter großem Druck, nachdem es vergangene Woche den ersten Generalstreik in ihrer fünfjährigen Amtszeit gegeben hatte. Oppositionelle Gewerkschaften machen gegen ihre Wirtschaftspolitik Front. Aus Sicht der Fitch-Experten könnte der Schulden-Streit weiteres Öl ins Feuer gießen. "Die Unsicherheit über die Folgen des US-Gerichtsurteils wird wahrscheinlich das Vertrauen weiter schädigen und die politischen und sozialen Spannungen in dem Land verstärken und damit die Wachstumsaussichten eintrüben", erklärte die Rating-Agentur.

Die Hedgefonds liegen nicht nur mit der argentinischen Regierung über Kreuz, sondern auch mit Investoren, die dem Schuldenschnitt damals zugestimmt hatten. Sie fürchten, dass im Falle eines Zahlungsausfalls nun auch ihre reduzierten Forderungen nicht erfüllt werden. Ihr Anwalt David Boies hat - wie die Regierung - daher Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Sollten die Kläger dann erneut Recht bekommen, könnte dies den mit vielen Gläubigern vereinbarten Forderungsverzicht von 70 Prozent infrage stellen - und Schuldenschnitte aktueller Krisenländer wie Griechenland erschweren. Boies warnte auch vor negativen Folgen für die USA. "Einem souveränen Land zu sagen, was es zuhause zu tun hat, wirft zahlreiche Fragen auf, die meiner Ansicht nach langfristig nicht dazu beitragen, den Status der USA als Finanzzentrum zu befördern", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

 
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34 Kommentare zu "Ratingagentur warnt: Argentinien steht kurz vor der Pleite"

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  • @ MaceMcLain,

    so einfach ist es nicht, wenn man eine Argentinische Anleihe mit einer Verzinsung von 9% unterzeichnet, müsste man sich Fragen: warum 9%?
    Eine ähnliche Bundesanleihe bringt kaum mehr als 0%, wieso denn dies?
    Weil, und das wiesst jeder, das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit Argentinens höher ist als von Deutschland.
    Man kann nicht "Eat the Cake and keep it too"

  • Ich vermute dass Argentiniens Anleihen unter Druck geraten sollen damit Hedgefonds einsteigen können. Daher die Klage.
    Man bedenke dass diese Argentinische Anleihen eine Verzinsung von 2,26 auf den Nennwert haben, da diese Anleihe, nicht zuletzt wegen der Klage der Hedgefonds mit nur 28,24% des Nennwertes gehandelt werden, bedeutet dies eine Verzinsung von circa 10% wenn man sie heute über die Börse kauft. (Vorausgesetzt dass Argentinien nicht Pleite geht)
    Könnte es nicht sein dass gerade das von den Hedgefonds gewollt ist, einfach billig noch mehr von den Anleihen erwerben und dann von der tollen realen Verzinsung profitieren. Dazu kommt dass laut Vereinbarung Argentinien sich verpflichtet hat diese Anleihen im Jahr 2035 zu 100% zurück zu zahlen!
    Armes Argentinien!

  • Wenn Sie schon bei der Bewertung der Türkei das Osmanische Reich miteinbeziehen, sollten Sie Jahr der Unabhängigkeit, die auch gleichzeitig die Gründungsjahr der Osmanische Reich ist, 1299 nehmen. Im Bericht erwähnten Jahr 1453 wurde nur Istanbul(Konstantinopel) durch die Osmanische Reich erobert.

  • Ami go home! Argentinien ist wohl die schlimmste aller amerikanisch verhunzten Infrastrukturen irgendwo in der Welt. Mac Donalds Dschungel Raubbau und Methanproduktion per Rind et all.

  • Falsch an dem Urteil ist, daß eine staatliche Justiz keine staatsübergreifenden Urteile fällen darf. Sie darf den Gläubiger verurteilen, ihn unter Strafe stellen, wenn er die USA betritt. Aber das ist bei der Verurteilung eines Landes schlecht möglich.
    Das Urteil ist also ein begründungsloser Imperialismus.

  • @Energieelite
    Aber die Banken selbst machen doch das. Von Steuerzahlern retten lassen und keinen Cent zurückzahlen? Sind Sie auf einem Auge blind?

  • Viel interessanter ist wieder einmal ein erstaunlich publik werdender Automatismus: Nämlich das Hand-in-Hand-Arbeiten der Hedgefonds mit den Ratingagenturen, um den (erpresserischen) Druck auf Argentinien zu erhöhen: Kaum kam das Argentinienproblem in die Medien, senkt Fitch das Rating für Argentinien. Natürlich völlig unabhängig, transparent und zufällig. Ehrenwort!

  • Alles klar Herr Kommissar,

    die spielen halt ganz gern Andrea Doria beim HB,
    da kommt schon mal Bullshit zusammen, um die Flamme
    am lodern zu halten.
    Darauf kann ich nur antworten.
    liebes HB, wir tanzen bis uns der Tod abholt,
    egal was ihr noch verzapft.
    Wir tanzen auch Tango, nicht immer. Wenn mans verlangt
    Schuhplatteln wir auch.

    HB-man kann euch kaum n och ernstnehmen, ihr steckt wohl
    voll in der Karnevalssaison. Habt ihr nichts besseres zu tun, als den Untwergangsbullshit zu pflegen.

    Wir werden alle noch ein Weilchen leben müssen und lassen uns nicht Angst machen.
    Schon gar nicht von einer Wirtschaftszeitung,
    die über das Leben so gut wie nichts weiß.

  • @Liebe Hagbard_Celine,
    das Gericht in New York hat zurecht den sogenannten "Geier-Fonds" Recht gegeben, und Argentinien bis zum 15. 12. 2012 Zeit gegeben die Gläubiger gleich zu behandeln. Was ist an diesem Urteil denn Deiner Meinung nach falsch? Wo kommen wir denn sonst hin, wenn jeder Politiker, wo auch immer er herkommt, sich wie eine Wildsau seinem Gläubiger gegenüber benimmt und bestimmt dann, ob ein Schuldner Geld bekommt oder ein Anderer nicht. Der Anleihetausch von Argentinien 2002 und 2010 war "freiwillig" laut Tauschbedingungen, und wer nicht tauscht, bekommt laut Kirchner nichts. Das ist nichts anderes als Erpressung, und das läßt nicht jeder mit sich machen. Kirchner kann das Recht in den USA nicht beugen, vielleicht mit den Linken in Europa könnte so etwas passieren, aber nicht in den USA. Der Richter Griesa in New York sagte in seinem Urteil: Das alle Gläubiger gleich zu behandeln sind. Und nicht wie die Regierungspräsidentin Kirchner in Argentinien sagte "Geierfonds bekommen nichts". Dieses Urteil ist besonders wichtig für Europa, denn das unterbringen von Staats Anleihen der Regierungen in Europa bei den Lebensversicherungen und Privatenrentenversicherungen wäre jetzt sonst nicht mehr so einfach, denn wer gibt dann einer Regierung sonst überhaupt noch Kredit? Ohne diesen Richterspruch aus den USA würde das Betrügen der Politiker weiter gehen und eine Refinanzierung der Schulden in Europa in Zukunft unmöglich sein, nur durch den Richterspruch in den USA, das Argentinien bis zum 15. 12 2012 zahlen muß, und wie ich es sehe ist da der Beweis und der Zusammenhang, das die SPD auch vor dem 15.12. 2012 der Griechenland Hilfszahlung zustimmen wird, und nicht wie die SPD Troika es erst nächste Woche wollte.

  • perveses System...

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