Ratingagentur
Warum Moody's Deutschland skeptisch sieht

Moody's hat den Ausblick der Kreditwürdigkeit von Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden auf negativ gesetzt. In einer Pressemitteilung erklärt die Ratingagentur ihre Entscheidung.
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New YorkDeutschland, Luxemburg, Finnland und die Niederlande hielten bis dato nach Bewertung der Ratingagentur Moody's die Bestnote für Kreditwürdigkeit, der Ausblick war auf "stabil" gesetzt. Damit kann sich jetzt nur noch Finnland schmücken. Die Ratingagentur macht dafür die Entwicklung in der Eurozone verantwortlich.

Moody's hat am Montag die Topbonität Deutschlands zwar einmal mehr bestätigt, zeichnet aber ein düsteres Bild von der Zukunft. Wegen der Risiken aus der Euroschuldenkrise versah die Ratingagentur den Ausblick mit negativen Vorzeichen.

In der Formelsprache der Bonitätswächter ist dies eine Warnung, dass eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf mittlere Sicht droht, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Moody's versah am Montagabend auch den Ausblick für die Ratings von Luxemburg und den Niederlanden mit negativen Vorzeichen. Alle drei Länder behalten aber das Toprating „AAA“.

Moody's begründete die Maßnahmen mit der wachsende Unsicherheit, die die Schuldenkrise in der Eurozone verursachten. Es seien jetzt erst recht Risiken zu erwarten, weil sich die Wahrscheinlichkeit erhöht habe, dass Griechenland aus dem Euro aussteigt.

Ein Euro-Ausstieg Griechenlands bedeutet nach Meinung von Moody's eine materielle Bedrohung für den Euro. Zwar gehen die Experten der Ratingagentur davon aus, dass die Politik Maßnahmen zu ergreifen wisse, um das abzufedern. Doch seien Kettenreaktionen im Finanzsektor und Liquiditätsdruck auf Banken und Staaten zu erwarten, die von der Politik nur zu einem hohen Preis aufgefangen werden könnten.

Und sollte ihnen das nicht gelingen, so die Voraussage bei Moody's, würde das zu einer Auflösung der Eurozone führen. Und dieses Risiko spiegele sich nun im Ausblick für Deutschland, Luxemburg und die Niederlande wider.

Nur Finnland, das ebenso wie die drei mit negativem Ausblick belegten Länder bisher mit einer Spitzen-Bonität aufwartet, bekommt von Moody’s weiterhin den Ausblick „stabil“. Das liege daran, dass das kleine Bankensystem des Landes sowie dessen Handel sich vor allem auf den Heimatmarkt richte und deshalb weniger von den Problemen der anderen Euroländer in Mitleidenschaft gezogen werde.

Moody's zieht auch die Möglichkeit in Betracht, dass es nicht zu einem Euro-Ausstieg Griechenland kommt. Doch selbst dann findet die Ratingagentur Grund zur Besorgnis: Angesichts der anhaltenden Krise führt Moody's kritisch ins Feld, dass die Politiker bis dato nur reagierten und abwägten. Dass das zu einem stabilen Ergebnis führe, bezweifeln die Experten der Ratingagentur.

Andere europäische Länder, besonders Spanien und Italien, würden zunehmend Hilfe von der Staatengemeinschaft brauchen. Und auf ihre am höchsten bewerteten Mitgliedsstaaten fiele dabei nach Einschätzung von Moody's aller Wahrscheinlichkeit nach die größte Last, wenn der Euro in seiner gegenwärtigen Form bewahrt werde.

Auf lange Sicht betrachtet geht Moody's davon aus, dass die Reformen innerhalb der Eurozone die Kreditwürdigkeit der meisten Länder stärken werden. Der zusätzliche Druck auf die stärksten Euro-Länder - wie eben beispielsweise Deutschland - werde allerdings in der Übergangsphase dazu führen, dass auch deren Kreditwürdigkeit belastet werde - und diese Übergangszeit könne durchaus mehrere Jahre dauern.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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  • Willkommen nwo, willkommen weltwährung. Wir steuern gerade darauf zu.

  • KLar! Wer für alles bürgt, der muss sicher auch mal zahlen. Und wenn Zahltag ist, kann auch er pleite gehen. Alte Volksweisheit, muss man nicht Spezialist bei einer Rating-Agentur sein. Also hat Deutschland nicht mehr die beste Bonität. Frage nur, wann es selbst Ramsch-Status hat.

  • WIE IN DEN ALTEN TAGEN

    Chin Meyer sagte mir in einem Interview mal: Rating-Agenturen machen doch ihrem Namen alle Ehre. Sie raten. Und dass Moody's launisch ist, verrät auch der Name bereits. Man will Warren Buffet, dem Moody's gehört, zwar nicht unterstellen, dass er günstig an europäische Aktien kommen will. Trotzdem werden viele das Gefühl nicht los, die Agenturen fungieren oft als Werkzeug für Finanzakteure. Max Otte sagte mir im Interview (kommende Augustausgabe Sachwert Magazin), dass die klassischen ökonomischen Rechenmodelle nicht funktionieren. Das liegt nicht zuletzt daran, das es in den Modellen keine Banken gibt. Ein anderes Problem ist, dass sich heute drohende Inflation nicht mehr korrekt bestimmen lässt. Ein Artikel im Sachwert Magazin (Nr.5) von Rüdiger Rauls machte deutlich, dass die Erhöhung der Geldmenge heute nicht mehr in direkten Zusammenhang mit der Geldentwertung gebracht werden kann. Engstirnig wird heute Preissteigerung am Öl-abhängigen Markt festgemacht. Der Preis jedoch steht nicht direkt mit Geldmenge in Verbindung. Eher könnte man noch behaupten, der Ölpreis muss immer dann steigen, wenn der Dollar fällt - den der Greenback ist die Ölwährung. Aber auch das konnte sich nicht immer bestätigen.
    Somit dürfte man davon ausgehen, dass die Ratingagenturen vornehmlich entweder Modelle anwenden, die nur einen sturen Bereich einer Volkswirtschaft beleuchten und dabei das Drumherum ausblenden. Oder die Agentur-Vorstände gehen vor wie bei der Bewertung von Lehman Brothers und geben ihren Analysten das Ergebnis bereits vorher in die Hand. Das dieses Verfahren tatsächlich gängige Praxis war, ist heute keine Theorie mehr, sondern wurde bereits 2010 von Michael Lewis veröffentlicht. .....................Julien Backhaus

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