Ratingagenturen in der Kritik
„Nicht nachvollziehbare Herabstufungen“

Nach der Finanzkrise 2008 haben Rating-Agenturen laut einer Studie der Universität St. Gallen die Kriterien für die Schuldnerqualität von europäischen Staaten verschärft und damit eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt.
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Zürich„Viele europäische Länder wurden seit 2008 mit anderen Maßstäben beurteilt als früher und auch anders als andere Länder heute noch behandelt werden“, sagte Professor Manfred Gärtner von der Universität St. Gallen am Freitag über seine diese Woche veröffentlichte Untersuchung. „Es ist schwer zu glauben, dass das ein Zufall ist“. Die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch wiesen die Kritik zurück.

Mit der Untersuchung wollten der Wirtschaftswissenschaftler und sein Mitautor Björn Griesbach der verbreiteten aber nach ihren Angaben bisher kaum überprüften These nachgehen, dass Rating-Agenturen mit ihren Krediturteilen einen Zustand schaffen, in dem sich Prophezeiungen selbst erfüllen. In der Untersuchung wurden Wirtschaftsdaten von 25 OECD-Ländern den Krediturteilen der amerikanischen Rating-Agentur Fitch gegenübergestellt.

Das Ausmaß der Herabstufungen von Ländern wie Spanien, Portugal oder Irland könne nicht mit einer entsprechenden Verschlechterungen der Wirtschaftslage und der Staatfinanzen begründet werden, folgerten die Wissenschaftler. Irland hätte nach den alten Standards um 1,5 Klassen zurückgestuft werden müssen, sagte Gärtner. „Stattdessen wurden sie um sieben Stufen zurückgenommen. Ein so großer Schritt hätte jedes Land in große Schwierigkeiten gebracht.“

Gärtner und Griesbach gehen mit den Ratingagenturen scharf ins Gericht. Die Studie zeige, dass man die Ratingagenturen als zentrale Auslöser und Antreiber in der europäischen Schuldenkrise betrachten müsse. „Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder sind eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise“, lautet eine der Schlussfolgerung.

Die Untersuchung beschränkte sich auf die Daten der Ratingagentur Fitch. Von den beiden anderen großen amerikanischen Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) seien die entsprechenden Angaben nicht verfügbar gewesen, sagte Gärtner. Er glaube, könne es aber nicht beweisen, dass die Ergebnisse der Studie nicht anders ausgefallen wären, wenn auch Moody's- und S&P-Bewertungen eingeflossen wären.

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Ratingagenturen beklagen fundamentale Fehler in der Studie

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  • @bjarki Sie übertreiben da ein wenig. Bei der Uni St. Gallen handelt es sich um eine schweizerische Universität. Die Schweiz gehört zwar auch zu Europa, allerdings nicht zur Währungsunion. Der Verdacht, es handelt sich um japsender Rechtfertiger des Irrsinns in Europa zieht also nicht. Die Schweiz gilt bekanntermaßen als neutrales Land.

    Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass es sich bei alle dem auch um eine Art Krieg des angelsächsischen Raumes gegen den Euroraum handelt, schließlich steht man im unmittelbaren Wettbewerb. Zwar sind amerikanische Inverstoren, Händler, Banker (you name it) am Ende des Tages auch vaterlandslose Gesellen, die letztlich nur am eigenen Profit interessiert sind und auch keine Rücksicht auf den angelsächsischen Raum nehmen würden, würde sich dieser in der Krise befinden. Aber wo man draufschlagen (Europa) und dabei noch Profit machen kann, spielt man gerne mit, wenn es sich um den wirtschaftlichen Wettbewerber handelt. Fazit: Auch an der Krise kann man prächtig verdienen und da ist es diesen werten Herren egal, wie tief der Sog ist, den sie mit ihren Ratings mit verursachen. Am Ende gewinnt immer die Bank.

  • Tja, was wäre denn, wenn man eine Rating-Agentur aus Amerika in Europa verklagen würde? Europa ist in der Hinsicht zahnlos und Weichei zugleich. Das wissen die Amerikaner nur zu gut und machen einfach weiter wie gehabt, d.h brennt es innenpolitisch, feinde einfach irgend wen im Ausland an, bis hin zum Krieg. Danach muss dann wieder eine Inflation her, um der Schulden Herr zu werden.

    Unter dem Aspekt ist der US-Dollar deutlich überbewertet und der reale Wechselkurs ist eher 2:1, d.h 2 Dollar für 1 Euro. Aber da haben dann die Hiesigen den großen Bammel wegen dem Export. Also fährt man hübsch die Strategie des schwachen Euros, indem man den Dollar hintenrum stützt.

  • "Die Retterei ist nicht nachvollziehbar"

    Fahren Sie doch einfach mal ins Freibad :)
    Diese "Retterei" hat mit nichts anderem zu tun, als mit der Zinstreiberei durch die Finanzwirtschaft. Die Banken sind nicht an allem Schuld, aber daran schon.
    Die Rettungsschirme sind keine Selbstbedienungsläden, sondern retten die Staaten vor den horrenden Zinsen, bis sie sich wieder selbst Geld besorgen können.
    Zinsen sind das Zauberwort - auch bei den "Rettungen".

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