Ratingagenturen in der Kritik

„Nicht nachvollziehbare Herabstufungen“

Nach der Finanzkrise 2008 haben Rating-Agenturen laut einer Studie der Universität St. Gallen die Kriterien für die Schuldnerqualität von europäischen Staaten verschärft und damit eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt.
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Ein Gebäude von Fitch Ratings in New York. Quelle: dpa

Ein Gebäude von Fitch Ratings in New York.

(Foto: dpa)

Zürich„Viele europäische Länder wurden seit 2008 mit anderen Maßstäben beurteilt als früher und auch anders als andere Länder heute noch behandelt werden“, sagte Professor Manfred Gärtner von der Universität St. Gallen am Freitag über seine diese Woche veröffentlichte Untersuchung. „Es ist schwer zu glauben, dass das ein Zufall ist“. Die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch wiesen die Kritik zurück.

Mit der Untersuchung wollten der Wirtschaftswissenschaftler und sein Mitautor Björn Griesbach der verbreiteten aber nach ihren Angaben bisher kaum überprüften These nachgehen, dass Rating-Agenturen mit ihren Krediturteilen einen Zustand schaffen, in dem sich Prophezeiungen selbst erfüllen. In der Untersuchung wurden Wirtschaftsdaten von 25 OECD-Ländern den Krediturteilen der amerikanischen Rating-Agentur Fitch gegenübergestellt.

Das Ausmaß der Herabstufungen von Ländern wie Spanien, Portugal oder Irland könne nicht mit einer entsprechenden Verschlechterungen der Wirtschaftslage und der Staatfinanzen begründet werden, folgerten die Wissenschaftler. Irland hätte nach den alten Standards um 1,5 Klassen zurückgestuft werden müssen, sagte Gärtner. „Stattdessen wurden sie um sieben Stufen zurückgenommen. Ein so großer Schritt hätte jedes Land in große Schwierigkeiten gebracht.“

Gärtner und Griesbach gehen mit den Ratingagenturen scharf ins Gericht. Die Studie zeige, dass man die Ratingagenturen als zentrale Auslöser und Antreiber in der europäischen Schuldenkrise betrachten müsse. „Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder sind eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise“, lautet eine der Schlussfolgerung.

Die Untersuchung beschränkte sich auf die Daten der Ratingagentur Fitch. Von den beiden anderen großen amerikanischen Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) seien die entsprechenden Angaben nicht verfügbar gewesen, sagte Gärtner. Er glaube, könne es aber nicht beweisen, dass die Ergebnisse der Studie nicht anders ausgefallen wären, wenn auch Moody's- und S&P-Bewertungen eingeflossen wären.

Ratingagenturen beklagen fundamentale Fehler in der Studie
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21 Kommentare zu "Ratingagenturen in der Kritik: „Nicht nachvollziehbare Herabstufungen“"

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  • @bjarki Sie übertreiben da ein wenig. Bei der Uni St. Gallen handelt es sich um eine schweizerische Universität. Die Schweiz gehört zwar auch zu Europa, allerdings nicht zur Währungsunion. Der Verdacht, es handelt sich um japsender Rechtfertiger des Irrsinns in Europa zieht also nicht. Die Schweiz gilt bekanntermaßen als neutrales Land.

    Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass es sich bei alle dem auch um eine Art Krieg des angelsächsischen Raumes gegen den Euroraum handelt, schließlich steht man im unmittelbaren Wettbewerb. Zwar sind amerikanische Inverstoren, Händler, Banker (you name it) am Ende des Tages auch vaterlandslose Gesellen, die letztlich nur am eigenen Profit interessiert sind und auch keine Rücksicht auf den angelsächsischen Raum nehmen würden, würde sich dieser in der Krise befinden. Aber wo man draufschlagen (Europa) und dabei noch Profit machen kann, spielt man gerne mit, wenn es sich um den wirtschaftlichen Wettbewerber handelt. Fazit: Auch an der Krise kann man prächtig verdienen und da ist es diesen werten Herren egal, wie tief der Sog ist, den sie mit ihren Ratings mit verursachen. Am Ende gewinnt immer die Bank.

  • Tja, was wäre denn, wenn man eine Rating-Agentur aus Amerika in Europa verklagen würde? Europa ist in der Hinsicht zahnlos und Weichei zugleich. Das wissen die Amerikaner nur zu gut und machen einfach weiter wie gehabt, d.h brennt es innenpolitisch, feinde einfach irgend wen im Ausland an, bis hin zum Krieg. Danach muss dann wieder eine Inflation her, um der Schulden Herr zu werden.

    Unter dem Aspekt ist der US-Dollar deutlich überbewertet und der reale Wechselkurs ist eher 2:1, d.h 2 Dollar für 1 Euro. Aber da haben dann die Hiesigen den großen Bammel wegen dem Export. Also fährt man hübsch die Strategie des schwachen Euros, indem man den Dollar hintenrum stützt.

  • "Die Retterei ist nicht nachvollziehbar"

    Fahren Sie doch einfach mal ins Freibad :)
    Diese "Retterei" hat mit nichts anderem zu tun, als mit der Zinstreiberei durch die Finanzwirtschaft. Die Banken sind nicht an allem Schuld, aber daran schon.
    Die Rettungsschirme sind keine Selbstbedienungsläden, sondern retten die Staaten vor den horrenden Zinsen, bis sie sich wieder selbst Geld besorgen können.
    Zinsen sind das Zauberwort - auch bei den "Rettungen".

  • 100 % Zustimmung Rudi!
    Hier noch ein interessanter Auszug aus dem Forex-Report vom 27.07 von F. Hellmeyer. Hier bringt er es auf den Punkt:

    Vielen Dank Herr Draghi!
    Der Euro eröffnet heute (07.41 Uhr) bei 1.2290, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1.2118 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 78.25. In der Folge notiert EUR-JPY bei 96.15, während EUR-CHF bei 1.2010 oszilliert.
    Vielen Dank Herr Draghi. Ihre Worte und Ihre klare Ansage war zwingend erforderlich, um die Länder und Menschen zu schützen, die unter hohen Belastungen die stärksten Reformprogramme in der Historie der Industrienationen umsetzen und durch die unangemessene Spekulation aus London und NY heraus von Kapitalzuflüssen sowohl für die Staatsfinanzierung als auch für Investitionen in der Realwirtschaft abgeschnitten werden.
    Vielen Dank Herr Draghi, dass Sie damit implizit anerkennen, dass es sich um einen „Finanzkrieg“
    handelt.
    Was Sie gestern taten, war nichts anderes, als dem „Schlachtfeld“ vorzuführen, dass die Zeit der Schweizer Taschenmesser, weißen Tauben und Ordnungspolitik des Friedens, allesamt ehrenwert, durch die Instanz der EZB mit „Finanzpanzern“ ergänzt werden kann.

  • Wundert es jemanden?
    Die großen Ratinagenturen sitzen in den USA und genau dort befürchtet man, dass der US-Dollar als Leitwährung abgelöst wird. Würde das geschehen und man könnte Defizite nicht mehr relativ frei über höhere und selbst definierte Verschuldungsgrenzen und die Druckerpresse eingrenzen, würden sich die Vereinigten Staaten in erheblichen Schwierigkeiten befinden (gilt im Übrigen auch für das UK). Folglich wird der ohnehin schwelende Wirtschaftskrieg über gesteuerte Beurteilungen der Kreditwürdigkeit "unabhängiger" Agenturen geführt. Das beste Beispiel für die Bedeutung des Euro ist z.B. der Ölpreis. Rohöl in Euro ist deutlich weniger volatil als in Dollar und Wechselkurseffekte USD/EUR führen in der Regel schneller zu einer Änderung des Ölpreises in Dollar als sonstige Marktfaktoren.

  • Ich hatte schon in meiner Prognose 2008 dieses Scenario vorher gesagt. www.rigan.de/boerse.htm - "an der Börse wird betrogen im großen Stil!" Nur wer diese Manipulation "mit fährt" verdient noch Geld!

    Richard Rigan - München

  • Es ist doch klar, dass die Ratingagenturen in USA als Netzbeschmutzer angesehen würden, wenn sie das Rating der
    USA absenken würden. Im Fall Lehman Brothers gaben die Herren ja auch total versagt

  • Herr/Frau bjarki,
    die Tagespresse gibt lediglich Momentaufnahmen der Wirkungen wieder. Zeitungen lesen ist nicht gleichbedeutend mit Ursachen zu kennen. Unbestreitbare Tatsache ist allerdings die im Artikel beschriebene Wechselwirkung zwischen dem Urteil der Ratingagenturen und der Verzinsung von Staatsanleihen. Auch ist die Frage legitim, wesahlb die in den USA beheimateten Agenturen ihr Heimatland zu ignorieren scheinen. Denn auch unbestritten ist die Tatsache, dass es der Volkswirtschaft USA, wenn nicht schlechter - so doch ganz sicher auch nicht besser geht. Trotzdem wird nicht mal eine "negative Aussicht" erwähnt. Moodys und Co. scheinen sich in der Tat ausschließlich auf die EU eingeschossen zu haben. Ein Schelm, wer da arges vermutet. Wo hier aber Neid seinen Platz haben soll, entzieht sich aller rationalen Betrachtung. In einer globalisierten Welt täte jeder gut daran, sich der internationalen volkswirtschaftlichen Abhängigkeiten bewusst zu sein, statt Brände zu legen, die - abgesehen vom Ego des Brandstifters - niemandem nützen.

  • Das traurige ist,

    - daß es in Europa noch hirnamputierte Banker gibt die die US-Betrügeragenturen für ihre "Bewertungen" bezahlen.

    - daß der Innenminister diese kriminellen Vereinigungen noch nicht verboten hat.

    - daß kein Staatsanwalt diese Betrüger angeklagt hat.

  • O-Ton 'bjarki'
    ----------------------
    Mein lieber Herr Ratlos, Sie sollten nicht nur Kommentare schreiben, sondern auch wenigstens ab und zu Zeitungen lesen. nicht die Ratingagenturen, sondern Europa selbst zeichnet das bankrotte Bild. Das die USA schlechter dastehen ist der Wunschgedanke vom Neid gepeinigten Deutschen, der ständig beleidigt ( aber dennoch bankrott) ist.
    ----------------------

    Echt?

    Staatsverschuldung 103% BSP.

    CBO schätzt das Haushaltsdefizit in den ersten 9 Monaten des Fiskaljahrs 2012 auf 905 Milliarden Dollar. Bei einem BSP von $15,595.9 billion sind das schon 'mal 5,8% in den ersten 9 Monaten.
    Wird also 7,x% werden im ganzen Fiskaljahr.

    Und das ist natürlich nur deshalb nicht noch höher, weil die FED mit ihrem "Quantitative Easing" haufenweise T-Bonds aufkauft.

    Wenn damit 'mal Schluß ist, und wenn es die Chinesen und Japaner leid sind die amerikanische Verschwendungswirtschaft mit Käufen von US-Anleihen zu finanzieren, dann können die Zimsem auch leicht 'mal um 5% steigen. Und das Haushaltsdefizit liegt dann bei 12% BSP.

    Mein Neid hält sich in Grenzen.

    Vielleicht sind Sie derjenige, der `mal was lesen sollte.

    USA = Argentinien mit Atomraketen.

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