Ratingagenturen
Moody's zeigt Portugal rote Karte

Ein neuer Schlag für Portugal: Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabgestuft. Die Flucht unter den Rettungsschirm wird immer wahrscheinlicher, die Renditen schießen weiter hoch.
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Lissabon/BrüsselDie internationalen Kapitalmärkte und die eigenen Banken zweifeln immer stärker an der Finanzkraft des hoch verschuldeten Portugal. Nach Standard & Poor’s und Fitch verpasste auch die dritte große Ratingagentur Moody’s dem Land wegen seiner Schuldenprobleme eine schlechtere Bonitätsnote. Es senkte seine Bewertung von „A3“ auf „Baa1“. Und der Abwärtstrend könnte anhalten. Denn das portugiesische Rating weiter unter Beobachtung, was eine neuerliche Herabstufung kurzfristig möglich macht. Im Vergleich zu den anderen marktführenden Agenturen Standard & Poor’s (S&P) und Fitch liegt die Bewertung von Moody’s noch um zwei Noten höher.

Die künftige Regierung werde wohl dringend auf Hilfen der Europäischen Union zurückgreifen, erklärte Moody’s . Die größten Banken des Landes drängten die Regierung in Lissabon einem Medienbericht zufolge dazu, noch vor der Wahl am 5. Juni internationale Finanzhilfen zu beantragen. Die Banken hätten damit gedroht, keine weiteren Staatsanleihen zu übernehmen. Ein solcher Käuferstreik würde die ohnehin problematische Refinanzierung des Staates fast unmöglich machen.

Die Chefs der Banco Espirito Santo, der Millennium bcp und der Banco BPI hätten mit dem Chef der portugiesischen Notenbank über ein staatliches Gesuch für kurzfristige Kredite gesprochen, berichtete die Zeitung „Jornal de Negocios“. Zudem kündigten die Geldhäuser an, dass sie nicht mehr in der Lage seien, künftig noch portugiesische Staatsanleihen zu kaufen. Sprecher der beteiligten Institute und der Notenbank äußerten sich nicht dazu. Allerdings hatte der Chef von Millennium bcp, Carlos Santos Ferreira, es am Montagabend im Fernsehen als „unvermeidlich“ bezeichnet, dass sich das Land um einen kurzfristigen Kredit von mindestens zehn Milliarden Euro bemühe.

Kurzfristhilfen außerhalb des Rettungsschirms unmöglich

Ein Sprecher der EU-Kommission betonte, dass es Gelder aus dem Rettungsfonds der Euro-Zone nur gebe, wenn Länder in einem formalisierten Verfahren danach fragten. In Finanzkreisen hieß es zudem, außerhalb dieses Programms seien kurzfristige Sonderkredite nicht möglich.

An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass Portugal letztlich – wie schon Irland † unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft, der nach den Hilfen für Griechenland aufgespannt wurde. Erschwert wird die Lage durch den Rücktritt der sozialistischen Minderheitsregierung von Jose Socrates, nachdem sie im Parlament keine Mehrheit für ein Sparpaket gefunden hatte. Socrates will aber auf keinen Fall um Hilfen bitten. „Ich bin dem Gedanken verpflichtet, Portugal vor Hilfen von außen zu verteidigen“, bekräftigte der Chef der Übergangsregierung am Montagabend im TV-Sender RTP.

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Refinanzierungskosten nähern sich untragbarem Niveau

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