Ratings: Portugal fällt immer tiefer

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Portugal fällt immer tiefer

Das Vertrauen der Märkte in Portugal schwindet zunehmend. Nach Fitch stuft auch die Ratingagentur Standard & Poor's das Land zurück. Ein weiterer Absturz auf Ramsch-Niveau scheint nur noch eine Frage der Zeit.
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LondonDer Abstufungsreigen für Portugal setzt sich fort. Nachdem Fitch am Donnerstagnachmittag sein Rating für das Land nach dem Abtritt von Regierungschef Jose Socrates auf "A+" gesenkt hatte, folgte Standard & Poor's (S&P) mit einem noch härteren Schritt. Die Ratingagentur nahm ihre Einstufung wegen der Regierungskrise und des gescheiterten Sparprogramms um eine Stufe von „A-“ auf „BBB“ zurück. Damit liegt das Rating für Portugal auf der letzten Stufe des sogenannten Investment Grade, das S&P für solide Schuldner vergibt. Da S&P den Ausblick weiter als negativ einstuft, droht Portugal bald ein Absturz auf Ramsch-Niveau.

Die politische Unsicherheit in Portugal sei weiter gestiegen, dadurch dürfte das Vertrauen der Märkte weiter schwinden und die finanziellen Risiken Portugals weiter steigen, hieß es bei S&P. Ein schlechteres Rating macht die Refinanzierung für das hoch verschuldete Land noch schwieriger.

„Solch ein Schritt war zwar von vielen erwartet worden, aber wenn es dann passiert, müssen doch noch etliche Investoren aussteigen, weil sie die Papiere mit so einem Rating gar nicht mehr im Portfolio haben dürfen“, sagte ein Händler.

Die zehnjährigen Papiere brachen in der Spitze um 2,25 Punkte auf 78,26 Punkte ein. Die Rendite stieg nach Reuters-Daten auf ein Rekordhoch von 8,257 Prozent. Auch die Kosten für Kreditausfallversicherungen sowie die Risikoaufschläge zur vergleichbaren Bundesanleihe stiegen merklich. Im Verlauf grenzten sich die Verluste schon wieder etwas ein, zuletzt rentierten die Papiere wieder knapp unter acht Prozent. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,270 Prozent.

Ministerpräsident Socrates hatte am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt, nachdem die Opposition im portugiesischen Parlament sein Sparpaket blockiert hatte. Mit dem Maßnahmenpaket, das unter anderem höhere Steuern vorsieht, wollte Portugal den Haushalt sanieren und das Vertrauen der Märkte in das hoch verschuldete Land stärken.

Fitch hatte sein schlechteres Urteil für Portugal damit begründet, dass die fehlende Zustimmung des Parlaments zu weiteren Einsparungen die Sanierung der Staatsfinanzen in Frage. Die Agentur geht nun nicht mehr mehr davon aus, dass Portugal sich die Finanzierung am Kapitalmarkt in diesem Jahr leisten kann. Ohne die Unterstützung von EU und IWF drohe eine weitere Verschlechterung der Bonität um mehrere Stufen.

Kommentare zu " Ratings: Portugal fällt immer tiefer"

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  • So läuft Globalisierung: Portugal hatte eine nennenswerte Textilindustrie, aber dann war es wegen der Konkurrenz aus Fernost "nicht mehr wettbewerbsfähig". Chinesische Arbeiterinnen haben Arbeitszeiten bis zum Umfallen. Bei Krankheit gibt es Lohnabzug oder Kündigung. Das System funktioniert u.a. deshalb, weil China freie Gewerkschaften und demokratische Meinungsfreiheit unterdrückt. Der Abschwung in Portugal und der ungleich verteilte Aufschwung in China sind (zumindest teilweise) zwei Seiten einer Medaille. Deutschland profitiert mehrfach: Es liefert Maschinen nach China, chinesische Chefs fahren große deutsche Autos, und deutsche Kunden erhalten billige Textilien. Aber Portugal unterstützen …

  • Herr Socrates führen Sie Portugal aus der EU. Ihr Volk wird es Ihnen danken. Einer muss ja mal den Anfang machen. Der große Vorteil für Portugal wäre, dass das Schuldenmachen für andere ab dato wegfallen würde. Für Deutschland ohne weiteres übertragbar. Aber nicht mit der jetzigen Regierung und schon gar nicht mit einer Frau Merkel. Leider.

  • Die Ratingagenturen sind hochgradig korrupt und pro US / UK
    Trotzdem schauen die bescheuerten Menschen auf deren Ratings.
    Schmeisst die Spitzenpolitiker raus, welche nur Arschzäpchen der Hochfinanz sind, deren Ziel es ist, die ganze Welt in Armut und Abhängigkeit zu treiben....

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