Realzinsanleihen
Inflationsbonds unter Druck

Anleihen, deren Zins- und Rückzahlungen an die Inflation gekoppelt sind, haben sich schlechter entwickelt als erwartet. Ein Grund: Die Nachfrage stockt.

FRANKFURT. Anleihen, deren Zins- und Rückzahlungen an die Inflation gekoppelt sind, haben sich schlechter entwickelt als erwartet. Die Papiere wurden seit der Emission des ersten so genannten Linkers aus Deutschland im März auch hier zu Lande populär. Dennoch sanken die Kurse, auch weil Investoren andere Wertpapiere bevorzugten. Das überrascht, weil Inflation an den Kapitalmärkten derzeit ein großes Thema ist. Notenbanker wie Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), weisen seit Monaten auf Inflationsgefahren hin. Dazu weckt der ständig auf Rekordhochs steigende Ölpreis Ängste vor einer stark steigenden Teuerung.

Inflation ist Gift für festverzinsliche Wertpapiere, weil sie an der mageren Rendite zehrt. Inflationsgeschützte Anleihen stehen dagegen für den Erhalt der realen Kaufkraft. Ihre Zinsscheine sind niedriger als bei herkömmlichen Bonds. Dafür werden die Kupons und der Rückzahlungswert an ein Inflationsmaß angepasst. „Wenn es nach der reinen Lehre ginge, müssten sich Linker eigentlich stabil halten“, sagt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Doch die Preisentwicklung ist nicht der einzige Grund, der die Kapitalmarktzinsen steigen lässt. Auch die Aussichten auf eine robuste Wirtschaftsentwicklung und die anhaltenden Leitzinserhöhungen der Notenbanken belasten Staatsbonds. „Die realen Renditen der Linker sind nicht so stark gestiegen wie die von herkömmlichen Staatsanleihen, konnten sich dem allgemeinen Trend aber nicht entziehen“, meint Niklasch.

Günstig sind die Realzinsanleihen aber trotz des jüngsten Kursverfalls nicht. Der Grund: Sie lohnen sich nur, wenn die Verbraucherpreise stärker steigen als der Markt erwartet. Die Inflationserwartungen lassen sich an der so genannten Break-Even-Rendite ablesen. Sie bezeichnet die Renditedifferenz zwischen herkömmlichen Anleihen und den Inflationsanleihen. Gemessen an in neun Jahren fälligen französischen Staatsanleihen sind die Inflationserwartungen in diesem Jahr von 2,10 auf 2,25 Prozentpunkte gestiegen. Der gestern von der EZB veröffentlichte „Survey of Professional Forecasters“ sagt für 2010 eine Inflation von 1,9 Prozent voraus. Aktuell liegt die Teuerungsrate im Euro-Raum bei 2,2 Prozent. „Die Spekulation auf weiter steigende Verbraucherpreise dürfte allmählich an ihre Grenzen stoßen“, sagt Sarah Lütgert, Analystin bei der WestLB: „Der Inflationsschutz über die Linker ist recht teuer geworden.“

Problematisch ist auch, dass die meisten Linker lange Laufzeiten haben, viele Experten angesichts des steigenden Zinstrends aber nur den Kauf von Anleihen mit kurzen Laufzeiten empfehlen. Bei Langläufern sind die Kursverluste bei steigenden Zinsen höher als bei Kurzläufern, weil der Zinsanstieg auf einen längeren Zeitraum hochgerechnet werden muss.

Die langen Laufzeiten der Inflationsanleihen haben Fonds, die vorwiegend in Linker investieren, unter Druck gebracht. Sie verloren in diesem Jahr nach Daten des Analysehauses Feri Rating and Research zwischen 1,7 und 8,5 Prozent und damit mehr als herkömmliche Rentenfonds mit Schwerpunkt Euro-Staatsanleihen. Diese konnten auf kurze Laufzeiten ausweichen und lagen maximal 3,9 Prozent im Minus.

„Linker können kurzfristig aber stark schwanken“, sagt Michael Wenselaers, der bei der belgischen KBC Asset Management einen Linker-Fonds managt. Er geht davon aus, dass sich die Realzinsanleihen erholen, wenn sich Anzeichen einer Konjunkturabkühlung zeigen. Noch sei allerdings kein guter Zeitpunkt, inflationsindexierte Bonds zu kaufen.

Ein Milliardenmarkt

Entwicklung: Vorreiter bei der Ausgabe von Anleihen, die an die Inflationsrate gekoppelt sind, war Großbritannien im Jahr 1981. Später folgten unter anderem die USA,Kanada und Schweden.Im Euro-Raum machte Frankreich 1998 den Anfang. Auf Euro lautende Inflation Linked Bonds (Linker) gibt es zudem aus Italien, Griechenland und seit diesem Jahr auch aus Deutschland. Im Euro-Raum sind Linker über rund 165 Mrd. Euro auf dem Markt.

Funktion: Die Zinsscheine von inflationsindexierten Anleihen sind niedriger als bei herkömmlichen Bonds. Dafür werden die Kupons regelmäßig an ein bestimmtes Inflationsmaß angepasst, und am Laufzeitende gibt es ebenfalls einen Inflationsausgleich.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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