Rede vor Investoren: Griechenland wirbt um Vertrauen

Rede vor Investoren
Griechenland wirbt um Vertrauen

Finanzminister Papakonstantinou muss derzeit vor allem das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Viele Investoren bezweifeln, dass Griechenland seine Schulden an den Anleihemärkten pünktlich zurückzahlen kann. Mit einem Versprechen will der Minister die Finanzmärkte nun beruhigen.
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LONDON/FRANKFURT/PARIS. "Vertrauen ist alles." Diese Lektion hat Giorgos Papakonstantinou gelernt. "Man baut Vertrauen auf, indem man das einhält was man verspricht. Dabei haben wir bei Null angefangen, sind jetzt aber auf gutem Weg", sagte Griechenlands Finanzminister gestern in Frankfurt .An den Märkten lässt sich das indes noch nicht ablesen, und genau das ist Papakonstantinous Problem.

Viele Investoren zweifeln daran, dass Griechenland auf lange Sicht seine Schulden an den Anleihemärkten pünktlich und vollständig zurückzahlt. Daran ändert auch das noch bis zum Jahr 2013 laufenden Hilfspaket über 110 Mrd. Euro der anderen Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nichts. Für zehnjährige griechische Anleihen verlangen Investoren unverändert extrem hohe Renditeaufschläge von neun Prozentpunkten im Vergleich zu deutschen Anleihen. Dabei ist ein Zahlungsausfall laut Papakonstantinou ausgeschlossen. Eine Kürzung der Anleiheschulden hätte "katastrophale Auswirkungen" auf den ganzen Euro-Raum, weil die Investoren dann auch anderen wirtschaftlich schwächeren Ländern kein Geld mehr leihen würden. "Wer an einen Zahlungsausfall glaubt, hat das System des Euro-Raums nicht verstanden", sagte der Minister.

Trotzdem beunruhigen die anhaltend hohen Risikoaufschläge griechischer Anleihen auch den IWF. Er hat deshalb Papakonstantinou und weitere Vertreter des Finanzministeriums auf eine Werbetour zu institutionellen Anlegern. Die begann am Dienstag in London und führte am Mittwoch nach Paris und Frankfurt. Nötig war die Roadshow allemal: Schließlich muss Griechenland trotz des Hilfspakets spätestens 2012 wieder frisches Geld an den Anleihemärkten aufnehmen. Um das Vertrauen zu demonstrieren begleiteten Vertreter des IWF, der EZB und der EU den Finanzminister auf der Werbetour. Insgesamt stellte sich die in Griechenland "Troika" genannte Truppe den Fragen von rund 300 Investoren.

Um das Mammutprogramm zu vervollständigen, hatte Papakonstantinou in Paris auch noch Frankreichs Finanzminsterin Christine Lagarde getroffen, was in französischen Regierungskreisen als Höflichkeitsbesuch deklariert wurde. Angekündigt war zudem ein Treffen mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet, doch der weilte am Nachmittag in Brüssel.

Vor den Investoren und bei der anschließenden Pressekonferenz in Frankfurt gab sich Papakonstantinou routiniert, entspannt und locker. Er ist sicher, dass früher oder später auch die Anleger Griechenland wieder Vertrauen schenken werden. Seine Wahrnehmung: "Die Investoren sind gar nicht mehr so negativ eingestellt, aber sie warten jetzt erst einmal ab, wie sich Griechenland weiter entwickelt. Und sein Land habe dank des Hilfspakets schließlich zwei Jahre Zeit gewonnen, um die Märkte zu überzeugen. Dabei habe das Land das Haushaltsdefizit durch Ausgabenkürzungen schon stärker reduziert als gefordert, auch wenn die wenn die Steigerung der Einnahmen noch ein Problem sei.

Ein Fondsexperte fand "beeindruckend", wie geschlossen die "Troika" sich hinter Griechenland stellte. So betonte etwa IWF-Vertreter Poul Thomsen, dass Griechenland kein Schwellenland sei mit Wechselkursproblemen. Und zwischen den Zeilen meinten Fondsmanager heraus zu hören, dass die internationale Gemeinschaft das strauchelnde Land auch nach 2013 nicht im Stich lassen werde. Von so etwas will Papakonstantinou indes gar nichts wissen. "Wir konzentrieren uns darauf, unser Konsolidierungsprogramm weiter umzusetzen", betonte er.

Nach Einschätzungen eines Investors, der in Frankfurt dabei war, wirkten Papakonstantinous Aussagen zeitweise etwas weich. Etwa als er gefragt nach dem Wachstumsmodell Griechenlands die moderne Dienstleistungsgesellschaft, grüne Technik und den Tourismus ins Feld führte. Doch immerhin habe man Papakonstantinou und die Troika im O-Ton erleben können: "Niemand stockte zum falschen Zeitpunkt, was das Bild stimmig machte", meinte der Fondsanalyst.

Für die Roadshow genannte Werbetour in London, Paris und Frankfurt hatten Vertreter vom IWF, der EZB und der EU extra die aktuell laufenden Gespräche mit der Regierung in Athen über die Umsetzung des Konsolidierungsprogramms unterbrochen. Denn sie wissen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb prüfen die Inspektoren vierteljährlich die Haushaltskonsolidierung. Die Prüfungen sind Voraussetzung für die Überweisung der Kredittranchen aus dem Hilfspaket. Der IWF will laut griechischen Medien jetzt sogar zwei ständige Beobachter der Haushaltsführung nach Athen entsenden. Sie sollen darüber wachen, ob die Einnahmen gesteigert werden und die Steuerhinterziehung bekämpft

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

Kommentare zu " Rede vor Investoren: Griechenland wirbt um Vertrauen"

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  • auf wie tönernen Füßen selbst Capital-Letters stehen können wird beim kommenden Platzen der nächsten Finanzblase vielleicht etwas deutlicher werden.
    Man kann das nicht wünschen bei gesundem Menschenverstand.
    Ganz offenkundig jedoch scheint genau das gewünscht zu sein: delivering by deal - sry

  • PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
    blupp!
    Möchte zu den Vorkommentaren, die sicherlich alles richtig sind noch zusätzlich auf ein mathematisches Problem aufmerksam machen:
    DiE DiViSiON DURCH NULL iST PRiNZiPiELL VERbOTEN!
    Herzlichen Dank.

  • Mit Lug und Trug die EU-Mitgleidschaft erschlichen, jahrelang vorsätzlich falsche Zahlen gemeldet aber jetzt sind wir ehrlich! Wer's glaubt...

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