Refinanzierungskosten steigen
Kreditklemme belastet Junk-Bonds

Unternehmen mit hoher Verschuldung und entsprechend geringer Kreditwürdigkeit leiden stärker unter den Auswirkungen der Kreditklemme als bislang angenommen. Die Risikoprämien haben sich seit Ende Juni nahezu verdoppelt; die Geldbeschaffung hat sich drastisch verteuert.

FRANKFURT. Zudem finden Anleihen bonitätsschwacher Unternehmen (Junk-Bonds) wegen der Risikoscheu im Markt derzeit kaum Käufer. Daher erhöhte die Ratingagentur Moody’s gestern ihre Ausfallprognosen mit Blick auf die kommenden zwölf Monate deutlich.

Die höheren Risikoaufschläge, die Firmen für die sogenannten Junk-Bonds zahlen müssten und die deutlich eingeschränkte Liquidität erhöhten die Ausfallgefahr, erklärte Kenneth Emery, Analyst bei Moody’s. Die Ratingagentur erwartet, dass die Rate der Schuldner, die ihre Anleihen und Kredite nicht bedienen können, von aktuell 1,4 Prozent in den kommenden zwölf Monaten auf 4,1 Prozent steigt. In 24 Monaten werde die Rate sogar auf 5,1 Prozent klettern. Anfang August hatte die Agentur auf Zwölfmonatssicht nur einen Anstieg der Ausfallquote auf 3,5 Prozent prognostiziert.

„Noch ist die Subprime-Krise um die schwachen privaten Hypothekenschuldner in den USA vor allem eine Bankenkrise. Unternehmen mit schwachen Ratings sind aber deutlich stärker betroffen als Firmen mit guter Bonität“, sagt auch Rolf Schäffer, Leiter der Kreditstrategie bei der Landesbank Baden-Württemberg. „In den vergangenen Jahren war es auch für Firmen mit schlechten Ratings einfach, sich Kapital bei den Banken oder bei Investoren am Anleihemarkt zu besorgen“, meint Schäffer. Das habe sich durch die steigende Risikoscheu geändert.

So sind die Risikoaufschläge für auf Euro lautende Junk-Bonds nach Daten von Merrill Lynch auf 4,3 Prozentpunkte über die Renditen von Staatsanleihen gestiegen. Seit Ende Juni haben sich die sogenannten Spreads fast verdoppelt.

Das liegt – anders als bei Bonds von Firmen mit soliden Ratings – nur zu einem kleinen Teil daran, dass zuletzt die Staatsanleihen als sicherer Anlagehafen besonders gefragt waren und deshalb deren Kurse stiegen und im Gegenzug die Renditen zurückgingen. Unternehmen mit guten Ratings müssen für ihre Anleihen etwas weniger Zinsen zahlen als noch Ende Juni, obwohl auch dort die Risikoaufschläge von 0,5 auf 0,85 Prozentpunkte gestiegen sind. „Das absoluten Refinanzierungsniveau – also die Renditen – sind für solide Unternehmen nach wie vor attraktiv“, meint ein Investmentbanker.

Trotzdem halten sich Firmen in Europa mit der Platzierung von neuen Bonds zurück. Seit der Platzierung der Deutschen Bahn im Juli habe es keine große neue Unternehmensanleihe aus Europa mehr gegeben, heißt es bei Banken. Insgesamt kamen im August nach Daten des Informationsdienstes Thomson Financial in Europa zwar 163 neue Anleihen auf den Markt, das waren aber vor allem kleinere Aufstockungen und zudem so wenige Emissionen wie zuletzt vor 15 Jahren. Neue Junk-Bonds waren nicht darunter.

Im September brachte abseits der Bankbranche in Europa nur der Mischkonzern General Electric (GE) eine nachrangige Hybrid-Anleihe auf den Markt. GE hat von den Ratingagenturen die besten Bonitätsnoten; deshalb stufen viele Fachleute die Papiere nicht als typische Unternehmensanleihe ein. Als Test für den Markt gilt dagegen die anstehende Euro-Emission des britischen Pharmakonzerns Astra- Zeneca. Vergangene Woche hatte Astra-Zeneca bereits erfolgreich Anleihen über 6,9 Mrd. Dollar platziert. Sollte die Emission gut anlaufen, würden sich auch andere Emittenten aus der Deckung wagen, meint ein Banker.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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