Regierung gesteht Manipulation: Argentinien sorgt für Unruhe am Anleihemarkt

Regierung gesteht Manipulation
Argentinien sorgt für Unruhe am Anleihemarkt

Die argentinische Regierung unter Präsident Nestor Kirchner hat an Glaubhaftigkeit verloren: Die Inflationsberechnung des offiziellen Statistikinstituts wurde absichtlich verändert. Die traditionell schlechte Beurteilung des Landes wurde damit bestätigt.

(ang) BUENOS AIRES. Argentinische Anleihen verzeichneten in der vergangenen Woche deutliche Kursverluste, nachdem Eingriffe der Regierung in die Arbeit des offiziellen Statistikinstituts „Indec“ die Vertrauenswürdigkeit der Inflationsangaben und andere offizielle Statistiken untergraben hatten. Die Regierung des Präsidenten Nestor Kirchner hatte sich in die Erstellung des Konsumentenpreisindex eingemischt und verlangt, dass bestimmte Preiserhöhungen etwa bei den privaten Krankenversicherungen oder in der Tourismusbranche nicht in die Inflationsberechnung für Januar mit einbezogen würden.

Außerdem sollte Indec Einblicke in die statistischen Umfragen und Erhebungen geben, die der Inflationsberechnung zugrunde liegen. Die zuständige Funktionärin im Indec, Graciela Bevacqua, die sich gegen die Einmischung gewehrt hatte, wurde durch eine politisch genehme Person ersetzt.

Das argentinische Länderrisiko, das den Zinsunterschied zu den als risikolos geltenden US-Schatzanleihen misst und in den letzten Monaten immer neue historische Tiefen erreichte, stieg seit der Entlassung von Bevacqua um mehr als 15 Prozent. Die in Peso emittierten Par und Discount Anleihen sind an die Inflation gekoppelt, diese Titel reagierten daher mit besonders hohen Kursverlusten. Doch auch die in Dollar emittierten Anleihen verzeichneten leichte Verluste, ebenso wie die an das Wirtschaftswachstum gekoppelten BIP-Kupons. „Die Investoren der Wall Street sind besorgt, weil die Intervention im Indec das Vertrauen in argentinische Statistiken geschwächt hat”, sagt Carola Sandy von Credit Suisse.

Der Vorfall zeigt exemplarisch, warum Kreditbewertungsagenturen wie Standard & Poor’s (S&P) Argentinien trotz der guten Wirtschaftsentwicklung und soliden Haushaltspolitik der letzten Jahre noch immer deutlich schlechter einstufen als andere, vergleichbare Länder der Region. S&P bewertet die langfristige Kreditwürdigkeit des Pampalandes mit „B+“, Brasilien und Kolumbien dagegen mit „BB“. Argentinien genieße mehr Demokratie, politische Stabilität und Bildung als Länder mit ähnlicher Kreditbewertung, heißt es im jüngsten Bericht von S&P. „Doch seine öffentlichen Institutionen, einschließlich der Rechts- und Regulierungssysteme, sind so schwach wie in sehr niedrig bewerteten Ländern.“

Seit der schweren Wirtschaftskrise mit dem nachfolgenden Zahlungsausfall 2002 sei die Regierung stärker interventionistisch geworden, etwa in den Bereichen Wechselkurspolitik, Energie oder Preiskontrollen, so die Analysten von S&P. Gleichzeitig sei der argentinischen Staat jedoch schwach geblieben was seine Fähigkeit zur effektiven, unbefangenen und transparenten Bereitstellung von Dienstleistungen und Politikumsetzung angehe.

Dennoch, trotz solcher Bedenken und der jüngsten Kurseinbrüche nach dem Indec-Skandal halten die meisten Analysten die inflationsindexierten Papiere weiterhin für attraktiv. Die Manipulationsversuche der Regierung könnte die Inflation vielleicht von derzeit 10 Prozent auf 9 Prozent herabsetzen, meint Siobhan Morden von ABN Amro. Doch biete Argentinien noch immer „die Anleihen mit dem größten Potential in der Region, was Anleger weiterhin anziehen wird.“

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