Regierung will alle Gläubiger gleich behandeln
Argentinien bietet Gläubigern konkrete Alternativen

Die geprellten Besitzer von Argentinien-Anleihen können ihre Papiere eintauschen. Anlegervertreter kritisieren die Offerte als indiskutabel.

cü FRANKFURT/M. Der Streit um die Umschuldung Argentiniens spitzt sich zu. Guillermo Nielsen, Staatssekretär im argentinischen Finanzminsteriums, tourt derzeit durch Europa, Asien und die USA, um Vertretern der Gläubiger das in Dubai in Grundzügen vorgestellte Angebot schmackhaft zu machen. Dabei konkretisierte er Finanzkreisen zufolge die Offerte, die nächste Woche offiziell vorgestellt wird.

Investoren sollen demnach drei Anleihen zur Auswahl haben, gegen die sie ihre alten Argentinien-Bonds eintauschen können. Das südamerikanische Land hatte Ende 2001 offiziell die Zins- und Tilgungszahlungen auf Anleihen über insgesamt rund 100 Mrd. $ eingestellt. Jetzt will Argentinien Investoren Bonds anbieten, die entweder:

  • den Nominalwert von 100 % behalten, aber erst in 20 bis 42 Jahren fällig werden und mit 0,5 bis 1 % nominal verzinst werden (Par Bond),
  • den Nominalwert auf 25 % reduzieren, eine Laufzeit zwischen 18 und 32 Jahren haben und Stufenzinsscheine tragen. Dabei liegt der Kupon bei 1 %, er wird schrittweise auf 5 % angehoben (Discount Bond),
  • den Nominalwert auf 70 % reduzieren, ebenfalls in 20 bis 42 Jahren fällig werden und Zinsscheine zwischen 1 und 2 % tragen (Quasi Par Bond).

Dabei wird der Anteil der Bonds, die den Nominalwert von 100 % behalten, voraussichtlich nur ein Fünftel aller Umtausch-Anleihen ausmachen. „Dies ist absolut unangemessen, die Anleger müssten die freie Entscheidung haben“, sagt Adam Lerrick, Verhandlungsführer der Interessengemeinschaft Abra. Die von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Banken gegründete Organisation vertritt Privatanleger mit Argentinien-Anleihen über rund 1,2 Mrd. $. „Bei allen drei Offerten läuft es darauf hinaus, dass die Investoren letztlich mehr als 90 % des ihnen zustehenden Kapitals aus ursprünglichem Nominalwert und Zinsen verlieren“, erläutert Lerrick. Grund seien die extreme Verlängerung der Laufzeiten, die nicht-marktgerechten Kupons und die Tatsache, dass Argentinien die bisher aufgelaufenen Zinsen nicht zahlen will. Die offizielle Version, dass die privaten Gläubiger 25 % ihres Kapitals zurückbekommen, sei also irreführend.

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