Regierungskrise
Anleiherenditen in Portugal weiter hoch

In Portugal befinden sich die Anleiherenditen wegen der anhaltenden Regierungskrise weiter auf einem hohen Niveau. Die Notenbank korrigiert ihre Konjunkturprognosen nach unten
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London/MadridPortugal steht an den Finanzmärkten wegen der Regierungskrise in Lissabon weiter unter Druck. Die Renditen lang laufender Anleihen des schuldengeplagten Landes fielen am Dienstag zwar leicht, sind aber noch immer auf sehr hohem Niveau. Investoren zweifeln, dass die Krise bald gelöst werden kann.

Die portugiesische Notenbank ihre Konjunkturprognose für kommendes Jahr deutlich gesenkt. Die Zentralbanker verwiesen in ihrem am Dienstag vorgelegten Bericht auf die geplanten zusätzlichen Ausgabenkürzungen der Regierung, die zu einem stärkeren Rückgang des privaten Konsums führen könnten. Daher rechnen sie für 2014 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 (bisher: 1,1) Prozent.

Für das laufende Jahr sagt die Notenbank nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 2,0 (bislang: minus 2,3) Prozent voraus. Die Prognosen seien jedoch mit Unsicherheit behaftet wegen der aktuellen Regierungskrise.

Es wird zwar erwartet, dass Ministerpräsident Pedro Passos Coelho ein Misstrauensvotum am Donnerstag übersteht. Bezweifelt wird jedoch, ob er zusammen mit den Sozialisten von Antonio Jose Seguro bis zum 21. Juli - wie vom Staatspräsidenten gewünscht - einen Kompromiss mit möglichst allen Parteien schmieden kann. Beide sind vor allem uneins über den Spar- und Reformkurs, der Voraussetzung für die milliardenschweren Hilfen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds ist.

Die Rendite für fünfjährige Bonds fiel um 0,1 Punkte auf 7,17 Prozent, während es bei zehnjährigen Anleihen 0,04 Punkte auf 7,35 Prozent nach unten ging. Beide Wertpapiere liegen damit aber noch immer nahe den jüngsten Höchstständen von fast acht Prozent - ein in der EU sehr hohes Niveau und langfristig kaum tragbar.

Auch in Spanien lief es am Dienstag nicht rund. Das Finanzministerium in Madrid brachte zwar Wertpapiere mit einer Laufzeit von sechs und zwölf Monaten im Volumen von insgesamt über vier Milliarden Euro an den Markt. Die Anleger mussten allerdings mit etwas höheren Zinsen gelockt werden - jeweils gut 0,1 Prozentpunkte mehr. Spanien steckt seit langem in der Rezession.

Außerdem wurden zuletzt Italien und Frankreich von Rating-Agenturen in ihrer Kreditwürdigkeit schlechter bewertet - ein weiteres Zeichen für eine wieder verschärfte Schuldenkrise.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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