Regierungskrise
Italiens Nagelprobe am Anleihemarkt

Spekulationen über ein Scheitern der Regierungskoalition belasten die Finanzmärkte. Am Freitag wird sich zeigen, wie ernst Investoren die Lage einschätzen. Denn dann will das Land die Kapitalmärkte anzapfen.
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Rom/MailandWachsende Unsicherheit über die Regierungskoalition in Italien sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten. Dem Land steht am Freitag eine Nagelprobe bevor, wenn es für die langfristige Kreditaufnahme die Kapitalmärkte um bis zu sechs Milliarden Euro anzapfen will. Investoren könnten höhere Zinsen verlangen. Bereits am Donnerstag belasteten wieder aufflammende Spekulationen über einen Bruch der Regierungskoalition die Börsen. Der Mailänder Leitindex verlor rund 1,6 Prozent auf 17.800 Punkte und damit deutlich mehr als die übrigen europäischen Aktienmärkte. Auslöser war Börsianern zufolge die wiederholte Drohung der Mitte-Rechts-Partei PDL des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, die Koalition mit Regierungschef Enrico Letta platzen zu lassen.

Die Minister der PDL wollen zurücktreten, sollte der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Berlusconi aus dem Senat ausgeschlossen werden. Ein Senatsausschuss soll am 4. Oktober darüber entscheiden, ob der 76-Jährige seinen Sitz im Oberhaus behalten darf. Staatspräsident Giorgio Napolitano appellierte an das Berlusconi-Lager, nicht - wie ebenfalls angedroht - das Parlament zu verlassen. Die Drohung sei störend und würde das Funktionieren des Parlaments untergraben, sagte Napolitano in einer ungewohnt deutlichen Erklärung. Es gebe noch genug Zeit, Wege zu finden, um Unterstützung für Berlusconi auszudrücken - „ohne die Arbeitsweise von zwei Parlamentskammern zu gefährden“, mahnte der Präsident.

Der Finanzmarkt schaut mir Argusaugen auf die politischen Entwicklungen. Der Streit gefährde „nicht nur die Stabilität der aktuellen Regierung, sondern viel allgemeiner auch den langfristigen Reformprozess“, sagte Analyst Timo del Carpio von RBC Capital Markets. Italien will am Freitag fünf- und zehnjährige Anleihen von bis zu sechs Milliarden Euro platzieren. Am Donnerstag spülte eine Emission von Sechs-Monats-Papieren 8,5 Milliarden in die Staatskasse, und die durchschnittliche Rendite für Anleger sank leicht. Dies könnte am Freitag anders aussehen, betonte ING Zinsstratege Alessandro Giansanti: „vor allem bei den Zehn-Jahres-Bonds“. Am Sekundärmarkt stiegen bereits die Renditen der richtungweisenden zehnjährigen Anleihen auf 4,32 Prozent von 4,23 Prozent am Mittwoch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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