Regierungspläne

USA schocken den Anleihemarkt

Die US-Regierung beugt sich dem Druck der Republikaner: Künftig werden die Subventionen für Bundesstaaten wie New York und Kalifornien nicht verlängert. Der Schritt könnte die Zahlungsfähigkeit amerikanischer Kommunen und Bundesstaaten gefährden. Der Kapitalmarkt reagierte prompt, die Kurse der Kommunalanleihen gaben drastisch nach.
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Nach Verhandlungen zwischen dem Weißen Haus und der Opposition ist klar: Das Subventionsprogramm für US-Bundesstaaten wird überraschend eingestellt. Quelle: dpa

Nach Verhandlungen zwischen dem Weißen Haus und der Opposition ist klar: Das Subventionsprogramm für US-Bundesstaaten wird überraschend eingestellt.

(Foto: dpa)

NEW YORK. Ein Alarmsignal nicht nur für die Finanzmärkte: Die Zahlungsfähigkeit amerikanischer Kommunen und Bundesstaaten steht zunehmend infrage. Die Kurse ihrer Anleihen gaben zuletzt drastisch nach, die Renditen ziehen entsprechend an. Damit steigen die Ausgaben für den Schuldendienst - was die Finanznot weiter verschlimmert.

Der Grund für den Kurseinbruch: Die US-Regierung will auf Druck der Republikaner die Schuldenberge der Mitgliedstaaten nicht mehr mit Bundesmitteln stützen. Ein in der Rezession aufgelegtes Subventionsprogramm für Kommunalanleihen wird überraschenderweise nicht über 2010 hinaus verlängert. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem Weißen Haus und der Oppostion. Im hochverschuldeten Kalifornien, neben New York größter Profiteur der Hilfen, ist die Empörung groß: "Wir entschuldigen uns nicht dafür, dass wir ein Programm genutzt haben, das uns hilft, die Rezession zu überwinden. Es sollte verlängert und ausgedehnt werden", sagte Tom Dresslar, Sprecher des kalifornischen Finanzministeriums.

Einige Experten interpretieren den Hilferuf so: "Wenn das Programm nicht verlängert wird, rappelt es am Markt für Kommunalanleihen. Das Epizentrum liegt dann in Kalifornien und New York", sagte kürzlich Ex-Hedge-Fonds-Manager Bruce Krasting. Andere rechnen in jedem Fall mit dem Ausfall Kaliforniens, durch das Ende der Subventionen werde es nur eher dazu kommen. Viele Experten, etwa Staranalystin Meredith Whitney, die das Desaster der Banken richtig vorausgesagt hatten, halten die Probleme der US-Bundesstaaten für den Auslöser einer neuen Krise.

In den USA gibt es nicht wie in Deutschland einen Länderfinanzausgleich, der automatisch dafür sorgt, dass in Not geratene Bundesstaaten von der Regierung oder anderen Mitgliedstaaten aufgefangen werden. Solidarität ist in den USA immer eine Einzelfallentscheidung. Ein Beispiel dafür ist das von der US-Regierung Anfang 2009 aufgelegte und bis Ende 2010 befristete "Build America Bonds"-Programm (BAB).

Damit konnten sich die hochverschuldeten Bundesstaaten und Kommunen weiterhin billig Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Denn: Washington übernahm von jeder Anleihe 35 Prozent der Zinszahlungen. Rund 177 Milliarden Dollar an Anleihen wurden so bislang platziert. Angeführt wird die Rangliste der Emittenten von Kalifornien, das allein 22 Prozent des Emissionsvolumens auf sich vereint. "Das Programm ist eine offizielle Subvention für Kalifornien", so Krasting.

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  • PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
    EVEN EiRE iS ON THE ROCKS!
    Daraus entsteht die Kernfrage:
    Kann aus dem Vorbild der USA keinen bundesstaat pleite gehen zu lassen für Europa gültiges abgelesen werden?
    Nein!

  • Es ist noch niemand an "inflation" gestorben; lediglich am mangelden Schutz vor ihr !

  • Klar Amerika geht es schlecht , so wird es auch Europa schlecht gehen . UND DER US DOLLAR EiN SiCHERER HAFEN SEiN . Freue mich schon auf 1 Dollar = 1 Euro , P.S sollte es den Euro noch geben .

  • hallo @6] k.h.a.
    Danke für den Hinweis.

    Also, Augen auf - auch in diese mögliche Richtung.
    Davor haben sie mit Sicherheit Angst,das wäre der Gau für dieses Klientel.
    Also, egal was kommt- "Pest oder Cholera"- beides wird eine bittere Medizin und das Ende von Wohlstand für viele.

  • @ beste Melanie:

    Nicht einmal die inflation werden die Chaos-twins ben und Timm herbeidrucken können. bislang haben sie nur ein wenig inflationsangst herbeigezaubert durch Gelddrucken und Assetpreistreiberei (mit Hilfe von GS & Co.).
    inflation braucht Preisüberwälzungsspielräume. Die entstehen jedoch nur durch regen Konsum. Dieser ergibt sich aus beschäftigungsanstieg. An dem fehlt es, denn die Arbeitslosigkeit liegt bei (N6)über 17% oder (N1) 9,8%. Für USA katastrophale Zahlen historischen Ausmaßes. Tendenz: weiter steigend. Woher, bitte sehr, soll da inflation kommen? Nur Drucken von Geld, Ankauf von Treasuries und Finanzierung von Sozialhilfen nebst Assetbubbling (GS pp) erzeugt kein Prozent inflation. So droht Deflation, wovor die Herrschaften so Angst haben. ihr Rezept hat etliche logische Denkfehler und kann nicht funktionieren. Ergebnis: Assetpreisblasen platzen. bleibt allein die Frage: wann?

  • Ewig das gleiche Lied, keiner kommt mit seinem Geld aus.Sollen sie doch alle absaufen, langsam geht einem diese Sauwirtschaft auf den Geist.
    Alle- die bürger- die Staaten- und auch das Land Amerika muß endlich kapieren lernen, mit dem Einkommen auszukommen.
    Da dieser Wille dazu nirgendswo in Sicht ist, wird wohl das Schicksal demnächst nachhelfen und alle vor vollendetete Tatsachen stellen.Es gibt n ichts mehr zum Stehlen.
    Sie können-
    1.entweder weiter drucken--mit der Folge-inflation- Entwertung..und folgender Wertlosigkeit---.
    2. Oder nur das ausgeben, was man hat.
    beides hat am Ende eine harte Konsequenz- nichts und niemand wird ihnen diese Rosskur ersparen. Da können sie toben und stampfen wie sie wollen, es wird kommen.
    Der Westen hat die Reserven der Zukunft vorweg verlebt- verkriegert - verwirtschaftet - verfressen.
    Die Großmannssucht kannte keine Grenzen. Jetzt setzen die unbezahlten Rechnungen dem ein Ende.
    Wer nicht denken kann muß fühlen. Es wird sich verdammt hart anfühlen, was uns erwartet- auch bei uns.Das ist ein Problem des ganzen Westens, nicht nur der USA. sie sitzen alle im gleichen bott- und das ist voller Löcher.
    Alle selber schuld. Man lebte und lebte- bis zum Anschlag. Nachgedacht hat keiner, weder die Politiker, noch die bürger. Jetzt wird gejammert.
    hinterher ist es zuspät.
    Was immer sie jetzt noch tun, alles vergebens.
    Sie können beten: Herr, lass diesen Kelch an uns vorübergehen........

  • Also, das goenne ich den Amis! Zuerst mit Schadenfreude zusehen, wie ihre Hegde-Fonds und banken unsere schwachen EUR-Laender (Griechenland, irland) angreifen und in die Zahlungsunfaehigkeit treiben und damit den EUR schwaechen und jetzt selbst in noch groessere Schwierigkeiten geraten... Die USA sind viel groessere PiGS als unsere europ. Nachbarn... Und deren Obama? Tut nichts, ist einfach eine erbaermliche Figur, Marionette des Geldes, mit dem er gewaehlt wurde...

  • Nur die halbe Wahrheit: Der zwischen Obama und der Opposition ausgehandelte Kompromiß, wonach die Steuervergünstigungen der bush-Regierung statt automatisch per 2010 auszulaufen noch um weitere zwei Jahre verlängert werden, wird von den eigenen Demokraten nicht akzeptiert und daher nicht einmal zur beschlußfassung dem Kongress vorgelegt. Damit kippen auch alle noch damit verbundenen Obama-Programme, die entsprechend verlängert werden sollten - auch die Zuschüsse an Länder und Kommunen. Der eigentliche Knaller liegt jedoch darin, daß nun bis Ende 2010 die Steuervergünstigungen für Gewinnmitnahmen in allen (auch außeramerikanischen) Märkten dringend genutzt werden sollten - ab 2011 fallen wieder die hohen Abgaben auf Aktien- und Anleihegwinne an. Und wer zahlt die schon gerne? So ist mit reichlichen Abschlägen weltweit an den börsen zu rechnen.

  • @ Ondoron
    Genauso müssen wir es machen: Work hard, party hard !! Dann sollen die PiiGS und Eurobond Fanatiker mal sehen wo die Kohle in Zukunft herkommt, wenn der Deutsche Zahl-Michel anfängt auf die Verschwendungs-Pauke zu hauen. ;-))))

  • Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: in den USA gibt's noch nicht mal einen Finanzausgleich zwischen den bundesstaaten einer Nation, und in Europa will Juncker Eurobonds.
    Diejenigen, die sich für Eurobonds und eine Transferunion aussprechen, haben die Tragweite offensichtlich nicht verstanden! Oder wollen, dass alle europäischen Staaten bankrott gehen. Dann wäre es allerdings logisch, dass Deutschland genauso über seine Verhältnisse lebt, die Rente mit 58 einführt, beamte ernennt bis zum Erbrechen und die EZb Geld drucken lässt. Wenn sowieso alles vor die Hunde geht, dann wenigstens noch ein bisschen feiern, wie es die PiiGS vor der Krise gewohnt waren...

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