Rekord-Renditen

Spanien wird unbezahlbar

Spanien muss für seine Schulden so viel zahlen wie niemals zuvor. Lange werden das die Südeuropäer nicht durchhalten, sagen Experten. Investoren fürchten, dass sich die Euro-Krise trotz Hilfspaketen weiter verschärft.
65 Kommentare
Wie lange kann Spanien seine Schulden noch bezahlen? Quelle: dpa

Wie lange kann Spanien seine Schulden noch bezahlen?

(Foto: dpa)

Madrid/Frankfurt/TokioDie Sorge Sorge um Spanien wächst: Die Renditen für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen zuletzt auf mehr als 7,4 Prozent. Am Freitag war die Rendite für diese Papiere bereits auf 7,225 Prozent geklettert. Die Marke von sieben Prozent gilt als kritische Größe. Je länger die Rendite so hoch ist, umso unwahrscheinlicher wird es, dass Spanien seine Schulden zurückzahlen kann. Investoren wetten derzeit also auf die Pleite der Südeuropäer.

Dabei hatten die Die Euro-Finanzminister am Freitag endgültig grünes Licht für Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken gegeben. Mit dem auf 18 Monate ausgelegten Programm sollen bedürftige Geldinstitute rekapitalisiert werden, die aufgrund einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase in Schwierigkeiten geraten sind. Investoren befürchten aber, dass der spanische Staat trotz der Unterstützung für seine Banken selbst zum Kandidat für Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds wird.

Die Zeitung El Pais berichtete am Morgen, dass sechs spanische Regionen wohl die Zentralregierung um Hilfen bitten und den jüngst geschaffenen Notkreditfonds anzapfen werden. Der Risikoaufschlag von zehnjährigen spanischen Anleihen gegenüber Bundesanleihen beträgt mittlerweile 622 Basispunkte. Die Euro-Krise spitzt sich zu.
Denn auch italienische Papiere standen am Morgen unter Druck. Die Rendite von zehnjährigen italienischen Bonds stieg um 19 Basispunkte auf 6,34 Prozent. Bei zehnjährigen griechischen Papieren kletterte die Rendite in der Spitze um 135 Basispunkte auf 26,93 Prozent.

Die Troika der internationalen Gläubiger - Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds - wird am Dienstag in Athen eintreffen, um die Fortschritte des Landes bei der Erfüllung der Kriterien für die Hilfsgelder zu beurteilen. Der IWF werde einem Bericht des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel' zufolge die Hilfszahlungen an Griechenland einstellen, da es bereits klar sei, dass das Land die Zusicherung, die Verschuldung bis 2020 auf 120 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu senken, nicht erfüllen kann. Die Renditen von zehnjährigen griechischen Anleihen zogen um 37 Basispunkte auf 25,52 Prozent an.

Am Devisenmarkt verlor der Euro deutlich. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,209 Dollar. Die Aktienmärkte gaben deutlich nach. In Frankfurt verlor der Dax im frühen Handel rund 1,2 Prozent auf 6550 Punkte. Unter Druck gerieten vor allem die Aktien der Finanzkonzerne, Deutsche Bank und Commerzbank. Auch an den anderen europäischen Börsen, ging es bergab mit den Kursen, besonders deutlich in Madrid und Italien.

"Aus Europa kommt nichts Gutes"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

65 Kommentare zu "Rekord-Renditen: Spanien wird unbezahlbar"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein bißchen Wahnsinn - stimmt hier überhaupt nicht mehr!
    Das ist nämlich ein unübersehbarer Schuldenmoraton - Ende
    offen!

    Rückblickend wären alle betroffenen Länder ohne den EURO
    mit den ganzen Auflagen, besser dran - nämlich wie vor
    der EURO-Zeit, da waren diese Länder wesentlich besser dran - wie auch immer!!!

    Man kann es bald nicht mehr hören, was ein EURO-Austritt der betroffenen Länder kosten würde. Ich sehe nur, wie hier immer weiter MILLARDEN verpulvert werden, meist auch
    noch für die Banken. Da kommt einem doch der Gedanke, diese am besten zu verstaatlichen mit vorgegebenen Risiko-
    produkten. Es kann doch nicht sein, daß diese immer wieder
    "gerettet" werden und sich im Vorfeld nicht darum scheren,
    es gar nicht so weit kommen zu lassen. Jedes andere Unter-
    nehmen müßte nämlich Insolvenz anmelden!!!

  • Ich wuensche mir, dass alle Politiker, die fuer den EMS und die Rettung der spanischen Banken gestimmt haben, nach der naechsten Wahl abgewaehlt und auf eine griechische Insel verbannt werden. Mit vielen Gruessen von Gunter Held zZt. im Urlaub am Schwarzen Meer www.gunter.held.it

  • Seit ich auf meiner Webseite geschrieben habe,daß die Euro-Zone jedes Jahr ein ESM verjubelt und Spanien geholfen werden kann, wird sie torpediert.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Die Fahren das Land sehenden Auges gegen die Wand.Ich kann es nicht Fassen.Hier wird ein Verbrechen im Namen der Banken und Lobby vollzogen.

  • Der orchestrierte Zusammenbruch EUROPAs.

    Die schwerkriminellen politischen Eliten haben auftragsgemäß gehandelt.

    Alles war seit langem absehbar. Unzählige - nicht gekaufte - Fachleute haben das alles vorausgesagt, schon 2002. Und nun wird auch noch täglich Benzin ins Feuer gegossen.

    Das "Rettungspaket" ist gerade ein paar Tage alt und verdampft wie ein Tropfen Wasser auf der heißen Herdplatte.

    Warum: Scheinbar wissen "die Märkte" mehr als unsere politische Elite. Scheinbar ist allen klar, dass die Titanic bereits auf dem Meeresgrund aufgeschlagen ist und die gegenseitigen Rettungsversuche der Ertrinkenden wenig erfolgsversprechend sind.

    Die internationale Elite wird wohl damit Erfolg haben die lästigen Demokratien in Europa samt Nationalstaatsprinzip zu massakrieren.

    Cheers!

  • RT @djfxtrader: Spain Market Regulator Bans Short-Selling For Three Months

    vor 30 Min. via Twitter.

  • “THERE IS NO MEANS OF AVOIDING THE FINAL COLLAPSE OF A BOOM BROUGHT ABOUT BY CREDIT EXPANSION. THE ALTERNATIVE IS ONLY WHETHER THE CRISIS SHOULD COME SOONER AS A RESULT OF A VOLUNTARY ABANDONMENT OF FURTHER CREDIT EXPANSION, OR LATER AS A FINAL OR TOTAL CATASTROPHE OF THE CURRENCY SYSTEM INVOLVED”

    Ludwig von Mises

  • @bitjaeger:
    am einfachsten, um so ein Dokument zu erstellen, ist, sich eine Person zu suchen, die ein bisschen Zeit hat und der Zielgruppe entspricht. Der erklären Sie in einfachen Worten, vielleicht mit einer kleinen Zeichnung die Sachlage. Wenn die Person das versteht, dann haben Sie das Konzept.
    Und was die Psychologie betrifft, so muss die Erklärung vor allen Dingen klar und ehrlich sein. Dieses Konzept legen Sie einer zweiten Person vor, die wiederum der Zielgruppe entspricht und wenn die Person es versteht, dann sind Sie auf dem guten Weg.
    Ich würde gerne helfen, kenne aber niemand, der in absehbarer Entfernung wäre, Zeit hätte oder eben der Zielgruppe entspricht.


  • Jetzt muß man sich doch fragen, waren die alle nicht bei Verstand, als sie den ESM abnickten, zwar unter Zweifeln, aber dennoch?
    Gestern noch ein JA mit Zweifel zum ESM, jetzt aber ganz große Zweifel im Rundumschlag ...

    Ist der heilige Geist der Erkenntnis auf sie niedergekommen und hat sie erleuchtet, oder haben sie erst jetzt überhaut verstanden, als sie die Fußnoten auch noch gelesen haben, oder was hat sie plötzlich überkommen:


    Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erwartet, dass einige Länder den Euro verlassen werden.
    "In einigen Fällen mehren sich bei mir die Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können. Ich kann nicht erkennen, dass einige Länder die Lücke ihrer Wettbewerbsfähigkeit schließen können", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag". Der Euro bleibe aber bestehen."


    Tja, was soll man da noch sagen....obwohl die Erkenntnis den Tatsachen entspricht, aber zuvor einfach partout nicht wahrgenommen werden wollte.
    Und unsere Medien, nein die wollten das auch nicht wissen... oder durften nicht...bis der ESM durchgepeitscht war, denn erst danach trudelten aus allen Ecken plötzlich vermehrt Warnungen ein.

  • @Deutscher Michel:
    die Lage Spaniens nur als Folge einer verzerrten Perspektive hinzustellen und somit die Situation als eine sich selbsterfüllende Prophezeihung abzutun, greift zu kurz. Im Gegenzug würde dies nämlich bedeuten, wenn wir alle positiv denken, dann klappt es schon. Hierbei wird jedoch die Misswirtschaft, die in Spanien betrieben wurde, grob unterschätzt. Oder gab es da keine unverantwortlichen Kreditvergaben oder einen Bauboom, der zu einer völligen Übersättigung des Marktes führten? Es gibt also auch keine, ich weiss nicht wieviele, unnützen Politiker, die alle die Hand aufhalten? Soll ich weiter ausführen oder lieber schweigen und die Augen verschliessen, weil dann alles gut wird, laut ihrem Denken.

    Zitat: Spanien hat sehr viel Positives bereits bewegt und die Kernprobleme angegangen

    Aha, es hat also die Kernprobleme angegangen. Es gibt also keine torenhohe Arbeitslosigkeit mehr? Es gibt also genügend Produktion im Land, so dass es kein Problem ist, die Ausgaben zu decken. Ist dann die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Abbau der Sozialleistungen ein Angehen der Kernprobleme?

    Vor nicht allzu langer Zeit lobte man die geringe Verschuldung des Landes bei 68 %. Nun sind wir bei 98 % in weniger als einem Jahr, also eine ca. 50 % Steigerung mit offenem Ende. Alles nur herbeigeredet, natürlich.
    Tut mir leid, aber da ist mehr faul als nur eine negative Einstellung zur Sache.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%