Rekordrenditen
Investoren flüchten aus Spanien-Bonds

Investoren haben genug von ihren Spanien-Anleihen und verkaufen. Die Renditen für die zehnjährigen Bonds der Iberer klettern auf ein neues Rekordhoch. In Italien sieht es nicht viel besser aus.
  • 47

MadridDie Billigung der Hilfsmilliarden für Spaniens marode Banken hat die Märkte zum Wochenausklang nicht beruhigt. Im Gegenteil: Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen kletterten am Freitag auf ein Rekordhoch, die Rendite lag im richtungsweisenden Zehnjahresbereich deutlich über der Schmerzgrenze von sieben Prozent. Konjunktursorgen und ein Hilfsantrag der autonomen Region Valencia erschütterten das Vertrauen in die viertgrößte Euro-Volkswirtschaft. Experten glauben, dass die Bankenhilfen nicht ausreichen und Spanien komplett unter den Rettungsschirm muss.

Während die Euro-Finanzminister grünes Licht für bis zu 100 Milliarden Euro Rettungsgeld gaben, nahm die Flucht der Investoren aus spanischen Staatstiteln weiter zu. Bereits am Vortag, während das Hilfspaket für Spanien das deutsche Parlament passierte, „ließ man spanisches Papier am Sekundärmarkt fallen wie eine heiße Kartoffel“, kommentierte Commerzbank-Expertin Caroline Hecht. Die Euro-Retter agierten offenbar in einem „Paralleluniversum“.

Die Kurse der spanischen Staatsanleihen fielen am Freitag bereits den siebten Tag in Folge. Im Gegenzug zogen die Renditen weiter kräftig an. Im fünf- und 30-jährigen Laufzeitbereich wurden die höchsten Niveaus seit der Euro-Einführung erreicht. Die Risikoprämie, die Anleger bei spanischen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit im Vergleich zu den als sicher geltenden Pendants aus Deutschland verlangen, stieg über 600 Basispunkte und erreichte damit ebenfalls einen Rekord. Auch italienische Staatstitel gerieten kräftig unter Druck. Die zehnjährige Rendite kletterte wieder deutlich über die Marke von sechs Prozent.

Händler machten die Skepsis gegenüber dem spanischen Hilfsplan für die gestiegene Unsicherheit verantwortlich. Zudem gab Madrid am Vormittag bekannt, dass man nun auch offiziell mit einer lang anhaltenden Rezession rechnet. Darüber hinaus kündigte die ostspanische Region Valencia an, Mittel aus einem in der Vorwoche eingerichteten, 18 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Zentralregierung in Anspruch zu nehmen.

Die zum Teil hochverschuldeten autonomen spanischen Regionen wie Katalonien und Valencia gelten als eines der Hauptprobleme in der Krise. Investoren zweifeln, ob es der Zentralregierung gelingt, sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu zwingen.

Etliche Experten glauben inzwischen, dass nicht nur die maroden spanischen Banken dringend Hilfe brauchen. „Wir erwarten trotz des Bailouts nicht, dass spanische Banken wieder mehr Geld an Haushalte und Unternehmen verleihen werden“, so Citigroup-Ökonom Ebrahim Rahbari. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Spanien bis Anfang 2013 den kompletten Staatshaushalt unter den Rettungsschirm stellt.

Auch das Misstrauen gegenüber dem Euro nahm durch die eskalierende Lage am spanischen Anleihemarkt weiter zu. Die Gemeinschaftswährung fiel am Nachmittag bis auf ein Zweijahrestief von 1,2144 US-Dollar und sank gegenüber dem japanischen Yen sogar auf den tiefsten Stand seit November 2000.

„Dem Markt wird mehr und mehr bewusst, dass die bisherigen Maßnahmen der Politik keinen Ausweg aus der Eurokrise weisen“, sagte Sebastian Sachs, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler. „Mit Ankündigungen alleine kann man die Märkte nicht mehr überzeugen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rekordrenditen: Investoren flüchten aus Spanien-Bonds"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vier Provinzen von Spanien sind insolvent. Als ob man das nicht vor der Sommerpause gewußt hätte. Frechheit so

  • @Diabolo
    >” so hat es diese Merkel Partei euch vermittelt … Merkel heitzt die Stimmung immer weiter an <” eben genau andersherum. Die Blockparteien einschl Merkel als Eurotopia-fanatisten geben freiherzig des Steuer-Michels letzte Hemd – nur einige Foristen hier wollen nicht immer mehr für die Club-Med Schuldenparties mehr bezahlen.
    >” Spanien hat weniger Schulden als Deutschland “< Staatsschulden z. Zeit noch etwas geringer aber nicht mehr lange (ca 12 Monate, sdo Mitte 2013 zieht Spanien vorbei) ….
    Das Problem ist die mangelnde international Wettbewerbsfähigkeit, mit dem Resultat von massiven Leistungsbilanzdefiziten der PIIGS. Deutsche Banken (HRE, CoBa, West/Nord/Bayer LB usw…) haben diese Schuldenparty bis 2008 (Lehmann crash) finanziert mit 1074 Mrd Euro danach ging es dam im Selbstbedienungsladen Target-2 weiter mit 800 Mrd, dazu EZB (Schrott)Staatsanleihenkaufe 250 Mrd plus Dicke Berttha 1 &2 an PIIGS Banken 1050 Mrd (zu 1% Zins 3 Jahre lang) um das wieder in PIIGS Staastanleihgen zu re-investieren.
    Das beruhigt die Märkte nicht weil es an der Ursache Leistungsbilanzdefizit vorbei geht.

  • Im Gegensatz zu Politikern können Investoren ökonomisch denken. Sie können Schuldbeträge addieren und erkennen auch, wann Schuldner dabei sind sich zu übernehmen.

    Außerdem wissen die Marktteilnehmer, daß Rettungsgelder keine Rettungen sind, sondern neue Kredite, die im Zweifel aber vorrangig bedient werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%