Rekordrenditen
Nur raus aus Griechen-Anleihen

Die Anleiherenditen steigen immer weiter. Griechenland hat kaum noch eine Chance, Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Entweder muss eine Umschuldung her oder ein neues Rettungspaket, sagen Experten.
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FrankfurtDie Kurse griechischer Staatsanleihen fallen immer weiter, die Renditen steigen auf Rekordhöhen - am Mittwoch erneut um zwei Prozentpunkte auf 25,95 Prozent.

Angesichts solcher Konditionen hat Griechenland kaum noch eine Chance, Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Die horrenden Anleiherenditen seien ein klarer Hinweis darauf, dass keine Nachfrage von Seiten von Investoren vorhanden ist, meint Kit Juckes, Leiter Devisenanalyse bei Société Générale, im Interview mit Bloomberg.

Damit das Land überhaupt noch zahlungsfähig bleiben kann, sieht der Experte keinen anderen Ausweg, als weitere Hilfe der anderen Euroländer. "Die Lösung wäre mehr Unterstützung aus Europa - also ein weiteres Rettungspaket - damit sie nicht Geld am Markt aufnehmen müssen. Oder es kommt zu Veränderungen, durch die die Ängste vor einer Restrukturierung weggehen. Der Markt macht deutlich, dass er kein Vertrauen hat."
Die bisherigen Rettungsversuche und die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, kritisierte auch der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed El-Erian, in einem Beitrag für das Handelsblatt. Er plädiert allerdings für „eine möglichst freiwillige und ordentliche Umschuldung“. Ein schnelles Handeln Europas sei notwendig, dann werde Griechenland die Europäische Währungsunion nicht in Gefahr bringen.

Das hoch verschuldete Land musste bereits vor einem Jahr von den Europäern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Hilfspaket von 110 Mrd. Euro vor dem Staatsbankrott gerettet werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Renditen griechischer Bonds sind lediglich bei Restlaufzeiten von 1 bis 4 Jahren sehr hoch. Das hängt mit der stümperhaften Gestaltung des Rettungsschirms zusammen. Am langen Ende liegen die Rendite griechischer Staatsanleihen unter 10%. Viele Unternehmen und Staaten wären glücklich, wenn sie derartige Refinanzierungskonditionen hätten. Warum soll ein professioneller Anleiheninvestor bei unterstellter akuter Insolvenzgefahr langlaufende griechische Staatsanleihen kaufen, wenn bspw. Anleihen der Provinz Buenos Aires, Argentiniens, Venezuelas oder Ecuadors Renditen von teils deutlich über 10% abwerfen? Alle vorgenannten Gebietskörperschaften stehen - trotz der bekannten Probleme - derzeit auf einer relativ soliden finanzwirtschaftlichen Grundlage und es bestehen dort keine aktuellen Defaultrisiken. Fazit: Die Renditen griechischer Staatsanleihen sind am langen Ende viel zu niedrig um eine "Krise" unterstellen zu können. Andererseits bedeutet dies, dass sich Griechenland durch die Neuemission langlaufender Bonds auch aktuell refinanzieren könnte. Nur hat man sich in den vergangenen Jahren an Renditen von unter 4% gewöhnt, was jedoch völlig realitätsfremd ist. Die Renditen Griechenlands am langen Ende zeigen also, dass Griechenland keinem akuten Insolvenzrisiko gegenübersteht. Die Wirtschaftsjournalisten die derartiges behaupten, sind schlichtweg inkompetent. Defaultszenarien gab es in den letzten Jahren während der Russland-/Ukrainekrise um die Jahrtausendwende, in der Asienkrise, in der Argentinienkrise 2001 oder der Brasilienkrise 2002 (letztere endete nicht in einem Default). In einem drohenden Defaultszenario hat man am langen Ende Renditen von um die 30% oder höher. Griechenland ist daher von einem Szenario, das man als "Krise" oder "Staatspleite" bezeichnen könnte, weit entfernt. Wer behauptet, Verschuldungsquoten von um die 150% seien generell untragbar, redet Unsinn.

  • JaSu Germanoellinas,
    also das mit dem Banken (Krediten ) und dem Öl..da liegen Sie ganz fallsch, falls Griechenland im Ägais Öl finden würde, dann würden diese Banken alles tun um daran zu verdienen und Greichenland hätte seine Schulden in ein paar Jahren getilgt. Kommen wir zu Türkei...die Türkei entfindet keine Schadenfreude an Griechenlands Finanzsituation..im Gegenteil.. Sie ist sogar äußerst besorgt. Und das mit dem Anspruch der Türkei auf das ganze Öl im Ägais, da haben Sie einwenig übertrieben, im Internationalen Gewässern ( also außerhalb der 6 meielen Zone ) hat jedes Land das Recht nach Erdöl/Gas zu suchen.

  • Was jetzt passiert haben viele befürchtet, nur unsere eigenen Politker, allen voran der Herr Finanzminister, leben in ihrer eigenen Euro-Traumwelt und schütten Milliarden unserer Steuergelder in ein Faß ohne Boden.
    Wie ich die einschätze, werden die eher noch tausend Rettungspakete schnüren, selbstverständlich alternativlos, anstatt freiwillig diesen Euro-Transfer-Irrsinn zu beenden.
    Wer stoppt endlich die deutschen Politiker?

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