Rekordrenditen

Spanien nähert sich dem Abgrund

Die Renditen für spanische Anleihen steigen und steigen. Bei einer Auktion kurzlaufender Anleihen müssen die Südeuropäer tief in die Tasche greifen. Die Zeit für eine Lösung der Eurokrise läuft ab, sagen Experten.
Update: 19.06.2012 - 15:02 Uhr 21 Kommentare
Spanische Euromünzen. Die Südeuropäer müssen immer mehr für ihre Schulden zahlen. Quelle: dpa

Spanische Euromünzen. Die Südeuropäer müssen immer mehr für ihre Schulden zahlen.

(Foto: dpa)

Spanien hat am Dienstag bei der Emission von Schuldtiteln deutlich höhere Renditen zahlen müssen. Die Auktion war die erste des in die Schuldenkrise gezogenen Landes seit der Parlamentswahl in Griechenland. Der durchschnittliche Zins bei der Ausgabe von 12-Monats-Papieren stieg auf 5,074 Prozent. Bei der letzten Auktion musste das Mittelmeerland lediglich 2,985 Prozent bieten. Bei den ausgegebenen 18-monatigen Bonds legte die Rendite sogar auf 5,107 Prozent zu von zuletzt 3,302 Prozent. Insgesamt sammelte das schuldengeplagte Spanien 3,04 Milliarden Euro ein. Die hohen Renditen ließen die Nachfrage in die Höhe schnellen. Die Auktion der 12-Monats-Papiere war 2,2-fach überzeichnet, die 18-Monats-Papiere waren 4,4-fach überzeichnet.
An den Finanzmärkten gab es zunächst kaum Reaktionen auf die Emission. "Dieser Zinssatz ist angesichts des jüngsten Renditeanstiegs am Rentenmarkt keine Überraschung", sagte ein Händler.

Die Rendite der zehnjährigen Titel hielten sich angesichts des wankenden spanischen Bankensektors weiter deutlich über der kritischen Marke von sieben Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro. In der Spitze rentierten die Bonds um 7,3 Prozent. „Der heftige Anstieg der Refinanzierungskosten verdeutlicht, dass die Zeit für die globale Führungsriege ausläuft, um eine Lösung für die europäische Schuldenkrise zu finden", sagte Michyoshi Kato von der Mizuho Corporate Bank in Tokio. „Es ist ganz klar: Finden sie nicht bald eine praktikable Lösung, wird die europäische Krise zum globalen Problem und der Euro wird allmählich in Richtung Parität zum Dollar fallen.“

Mit Spannung wird erwartet, wie die Spanier bei der nächsten Auktion abschneiden. Kommenden Donnerstag wollen sie Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren am Markt platzieren.

Spanien leidet noch immer unter den Folgen der Krise am heimischen Immobilienmarkt. In den vergangenen drei Jahren sind die Preise dort kräftig abgerutscht, nachdem sich zuvor eine Vermögensblase gebildet hatte. Für viele Banken ist das ein Problem. Tausende spanischer Häuslebauer können ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Und die spanischen Finanzkonzerne müssen Milliarden abschreiben.

Nach Angaben der spanischen Notenbank beträgt das Volumen fauler Kredite in den Bilanzen der Geldhäuser mittlerweile152 Milliarden Euro. Das ist der höchste Stand seit 1994. Spanische Medien berichten, dass die mit der Prüfung der heimischen Banken beauftragten Unternehmen Oliver Wyman und Roland Berger einen zusätzlichen  Mittelbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro feststellen könnten. Das wäre deutlich mehr als die angekündigten 100 Milliarden Euro schweren Bankenhilfen für Spanien aus den europäischen Rettungstöpfen. Die Probleme der Banken wiederum belasten den Staatshaushalt.

"Der heftige Anstieg der spanischen Refinanzierungskosten verdeutlicht, dass die Zeit für die globale Führungsriege ausläuft, um eine Lösung für die europäische Schuldenkrise zu finden", sagte Währungsstratege Michyoshi Kato von der Mizuho Corporate Bank in Tokio. "Es ist ganz klar: Finden sie nicht bald eine praktikable Lösung, wird die europäische Krise zum globalen Problem und der Euro wird allmählich in Richtung Parität zum Dollar fallen."

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21 Kommentare zu "Rekordrenditen: Spanien nähert sich dem Abgrund"

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  • >Geld ist immer noch nicht essbar, - oder?

  • @ECU-Fighter
    Die Funktion hat Potenzial. Noch etwas, wissenschaftlich, ausarbeiten und publizieren.
    Die Chancen auf den Wirtschaftsnobelpreis sind Ihnen sicher.
    Gratulation!

  • Hallo Mathematiker,
    Sie ahnen es bereits: die Expotenzial-funktion drückt das Leistungsvermögen unserer Politiker aus und ist gleich der expotentiellen Kurve unserer Staatsverschuldung, nur halt mit negativem Vorzeichen - d.h. sie fängt bei plus/minus Null an und läuft Richtung minus Unendlich, irgendwo ins geistige Nirwana.

  • @ECU-Fighter
    Glückwunsch die"Expotenzial-funktionen" haben sie soeben erfunden.
    Müssen Sie nur noch genauer definieren. Beschreibt diese das verlorengegangene bzw. nicht vorhandene Potenzial der Politiker und Experten?
    Sie meinen sicher die Exponentialfunktion, bei der sich die Schuldenlast, durch den Zinseszins Effekt, in immer kürzeren Zeitabständen verdoppelt.
    Damit haben Sie natürlich recht.
    Wobei Ihre "neue Funktion", eine genauere Untersuchung wert wäre.

  • 7 % Zinsen im Jahr ! dann sollten unsere Hobby-Politiker mal ihr altes Mathebuch in die Hand nehmen und unter "Zinseszins" nachlesen, oder unter Expotenzial-funktionen, daß wird auch der letzte Träumer begreifen, wie die Schuld-Zinsen sich in immer kürzeren Zeitabständen verdoppeln, vervierfachen, versechzehnfachen, verzweiunddreizigfachen usw. - aber kein Problem, bei nur 20% Jugendarbeitslosigkeit und mit Deutschland im Schwitzkasten ...

  • Wenn D aufhören würde zu arbeiten?
    Tja, dann gäbe es eben kein HartzIV mehr, Renten solange nur noch bis die Kasse leer ist, kein Betreuungsgeld *g*, und vor allem keine Subventionen mehr.
    Der deutsche Sozialstaat mit seiner fürsorglichen Schnüffel- und Überwachungspraxis würde aus den Fugen geraten.
    Aber ich habe da keine Sorgen, und hoffe, wenn es soweit kommt, das zuerst die Großkonzerne ihre Federn lassen müssen. Dann ist wieder viel Luft für kleine Betriebe um den Lebensmittelpunkt.
    Konjunktur ist das was es ist, ein auf und ab. Gehts mal rauf, gehts auch wieder runter.

  • Denke, dass Einzige, was wirklich helfen würde, wäre ein Streik, weil das das einzige Mittel ist, um erkennen zu lassen, dass man nicht gewillt ist, sich total verkaufen zu lassen und dafür noch arbeiten zu gehen. Was passiert denn, wenn D zum Arbeiten aufhört?

  • naja, die Troika kann das machen, hat aber bis jetzt nichts gebracht. Griechenland mag zwar die Ausnahme sein, die sind einfach zu blöd ihre Steuern einzutreiben, aber nur sparen bringt eben kein neues Geld.
    Das sieht in Spanien deutlich anders aus. Hier müßten die Banken tatsächlich mal anfangen, die faulen Dinger rauszurechnen, abzuwickeln und gucken was dann noch übrig ist. Dann hat eben der Staat die halbfertigen "Investitionen" an der Backe, aber dieses haben sie sich dann selbst zuzuschreiben.
    Den Rest mit BaselIII weiter arbeiten lassen, aber diesmal vernünftig. Dann können auch die Spanier wieder bessere Konditionen bekommen, und ihr Geld ist wieder mehr Wert. Nur tun müssen sie es, es nimmt ihnen keiner ab. Bin mal gespannt was sich der neue Notenbankchef einfallen läßt.

  • @ Alfred
    Sind denn die USA auch ein "Sozialstaat"? Die Staatsverschuldung besser die Staatsüberschuldung ist ausschließlich ein Phänomen der Sozialstaaten siehe USA, Japan und praktisch den Rest der Welt.

  • @ Alfred
    Sind die USA denn auch ein "Sozialstaat"? Die Staatsverschuldung oder besser Staatsüberschuldung ist kein Phänomen der "Sozialstaaten" siehe USA, Japan und praktisch den Rest der Welt.

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