Rekordrenditen
Spanien nähert sich dem Abgrund

Die Renditen für spanische Anleihen steigen und steigen. Bei einer Auktion kurzlaufender Anleihen müssen die Südeuropäer tief in die Tasche greifen. Die Zeit für eine Lösung der Eurokrise läuft ab, sagen Experten.
  • 21

Spanien hat am Dienstag bei der Emission von Schuldtiteln deutlich höhere Renditen zahlen müssen. Die Auktion war die erste des in die Schuldenkrise gezogenen Landes seit der Parlamentswahl in Griechenland. Der durchschnittliche Zins bei der Ausgabe von 12-Monats-Papieren stieg auf 5,074 Prozent. Bei der letzten Auktion musste das Mittelmeerland lediglich 2,985 Prozent bieten. Bei den ausgegebenen 18-monatigen Bonds legte die Rendite sogar auf 5,107 Prozent zu von zuletzt 3,302 Prozent. Insgesamt sammelte das schuldengeplagte Spanien 3,04 Milliarden Euro ein. Die hohen Renditen ließen die Nachfrage in die Höhe schnellen. Die Auktion der 12-Monats-Papiere war 2,2-fach überzeichnet, die 18-Monats-Papiere waren 4,4-fach überzeichnet.
An den Finanzmärkten gab es zunächst kaum Reaktionen auf die Emission. "Dieser Zinssatz ist angesichts des jüngsten Renditeanstiegs am Rentenmarkt keine Überraschung", sagte ein Händler.

Die Rendite der zehnjährigen Titel hielten sich angesichts des wankenden spanischen Bankensektors weiter deutlich über der kritischen Marke von sieben Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro. In der Spitze rentierten die Bonds um 7,3 Prozent. „Der heftige Anstieg der Refinanzierungskosten verdeutlicht, dass die Zeit für die globale Führungsriege ausläuft, um eine Lösung für die europäische Schuldenkrise zu finden", sagte Michyoshi Kato von der Mizuho Corporate Bank in Tokio. „Es ist ganz klar: Finden sie nicht bald eine praktikable Lösung, wird die europäische Krise zum globalen Problem und der Euro wird allmählich in Richtung Parität zum Dollar fallen.“

Mit Spannung wird erwartet, wie die Spanier bei der nächsten Auktion abschneiden. Kommenden Donnerstag wollen sie Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren am Markt platzieren.

Spanien leidet noch immer unter den Folgen der Krise am heimischen Immobilienmarkt. In den vergangenen drei Jahren sind die Preise dort kräftig abgerutscht, nachdem sich zuvor eine Vermögensblase gebildet hatte. Für viele Banken ist das ein Problem. Tausende spanischer Häuslebauer können ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Und die spanischen Finanzkonzerne müssen Milliarden abschreiben.

Nach Angaben der spanischen Notenbank beträgt das Volumen fauler Kredite in den Bilanzen der Geldhäuser mittlerweile152 Milliarden Euro. Das ist der höchste Stand seit 1994. Spanische Medien berichten, dass die mit der Prüfung der heimischen Banken beauftragten Unternehmen Oliver Wyman und Roland Berger einen zusätzlichen  Mittelbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro feststellen könnten. Das wäre deutlich mehr als die angekündigten 100 Milliarden Euro schweren Bankenhilfen für Spanien aus den europäischen Rettungstöpfen. Die Probleme der Banken wiederum belasten den Staatshaushalt.

"Der heftige Anstieg der spanischen Refinanzierungskosten verdeutlicht, dass die Zeit für die globale Führungsriege ausläuft, um eine Lösung für die europäische Schuldenkrise zu finden", sagte Währungsstratege Michyoshi Kato von der Mizuho Corporate Bank in Tokio. "Es ist ganz klar: Finden sie nicht bald eine praktikable Lösung, wird die europäische Krise zum globalen Problem und der Euro wird allmählich in Richtung Parität zum Dollar fallen."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rekordrenditen: Spanien nähert sich dem Abgrund"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • >Geld ist immer noch nicht essbar, - oder?

  • @ECU-Fighter
    Die Funktion hat Potenzial. Noch etwas, wissenschaftlich, ausarbeiten und publizieren.
    Die Chancen auf den Wirtschaftsnobelpreis sind Ihnen sicher.
    Gratulation!

  • Hallo Mathematiker,
    Sie ahnen es bereits: die Expotenzial-funktion drückt das Leistungsvermögen unserer Politiker aus und ist gleich der expotentiellen Kurve unserer Staatsverschuldung, nur halt mit negativem Vorzeichen - d.h. sie fängt bei plus/minus Null an und läuft Richtung minus Unendlich, irgendwo ins geistige Nirwana.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%