Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank auf 3,13 Prozent
Jumbo-Pfandbriefe mit Befreiung von der EU-Quellensteuer sind gefragt

Die Anleihekurse in der Euro-Zone machten gestern ihre Verluste vom Mittwoch wett. Dabei hatten viele Analysten für den Tag eher mit Abgabedruck gerechnet. Dafür sprach zum einen der unruhige Handelsverlauf am Vortag und die Erwartung einer Leitzinserhösung der US-Notenbank Federal Reserve Board (Fed) um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent.

HB FRANKFURT/M. Der Terminkontrakt Bund-Future – Indikator für die Stimmung an den Anleihemärkten – hielt jedoch wichtige Unterstützungen und stieg daraufhin weiter. Zum Handelsschluss an der Terminbörse Eurex lag er 0,46 Prozentpunkte im Plus bei 123,50 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank auf 3,13 Prozent.

Während der amerikanischen Handelszeiten wurde die Erwartetung der Leitzinserhöhung bestätigt. Daraufhin bewegten sich die Renditen abwärts. Die Effektivverzinsung der zehnjährigen US-Treasury fiel um mehrere Basispunkte auf 3,92 Prozent. Die als widersprüchlich empfundenen Konjunkturdaten beeinflussten den Markt Händlern zufolge nicht.

Am Primärmarkt begab der französische Bau- und Telekomkonzern Bouygues eine angekündigte 15-jährige Anleihe über 750 Mill. Euro. Der deutsche Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum gab mit einem fünfjährigen Bond über 110 Mill. Euro sein Debüt am Anleihemarkt. Der Bond fiel zehn Mill. Euro größer aus als erwartet. Daneben kam von deutscher Seite die NRW Bank mit einer fünfjährigen Anleihe über 500 Mill. Euro.

Nachdem am Vortag der südafrikanische Telekomanbieter Cell C einen Hochzinsbond begeben hatte, zog gestern mit dem spanischen Spielehersteller Cirsa Business Corp ein weiterer Emittent mit einem Rating unterhalb des sicheren Investment-Grade nach. Cirsa plant einen siebenjährigen Bond über 130 Mill. Euro.

Am Markt für Jumbo-Pfandbriefe waren gestern Papiere, die von der EU-Quellensteuer befreit sind, besonders gefragt. „Dieser Trend ist schon seit Wochen zu beobachten, erreichte gestern aber einen neuen Höhepunkt“, sagte ein Händler. Dabei gilt der Run auf diese Anleihen allgemein als recht unverständlich, denn die Diskussion um die Quellensteuer gibt es seit vier Jahren.

Die neue Richtlinie zur EU-Zinsbesteuerung tritt heute in Kraft. Danach gilt auf Ebene der europäischen Union – Ausnahme sind Belgien, Luxemburg und Österreich – ein Informationsaustausch. Jede Form von Zinszahlung an Steuerausländer wird an das heimische Finanzamt gemeldet. Anleihen, die vor dem 1. März 2001 begeben und nach dem 28. Februar 2002 nicht mehr aufgestockt wurden, sind davon nicht betroffen. Das sind besonders viele Jumbo-Pfandbriefe. Besonders gefragt sind laut Landesbank Baden-Württemberg die Jumbos der Landesbanken. Denn wegen des Wegfalls von Staatshaftungen können diese ab 19. Juli nicht mehr aufgestockt werden. Bei Pfandbriefen von Hypothekenbanken drohen dagegen weitere Aufstockungen, welche die Anleihen automatisch quellensteuerpflichtig machen würden. In den vergangenen Jahren haben schon einige Hypothekenbanken wie Eurohypo und Essen Hyp einige Jumbos aufgestockt.

Unter den Landesbanken stockte die NordLB vergangenen Monat eine Anleihe auf, die daraufhin deutlich verlor. Die DZ Bank und Dresdner Kleinwort Wasserstein empfahlen gestern bei den noch nicht aufgestockten Anleihen, Gewinne mitzunehmen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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