Rendite zehnjähriger Bundesanleihe vor historischem Tief
Bund-Future marschiert auf neues Rekordhoch zu

Die Optimisten an den Anleihemärkten haben gestern wieder Oberwasser bekommen. Der Terminkontrakt Bund-Future – Messlatte für die Stimmung an den Bondmärkten der Euro-Zone – sprang im Tageshoch auf genau 124 Prozent.

FRANKFURT/M. Damit liegt der Bund-Future ganz nah an seiner Rekordmarke von 124,06 Prozent, die er nach den Londoner Terroranschlägen im Juli erreicht hatte. Am Handelsschluss lag der Kontrakt noch 0,52 Prozentpunkte im Plus bei 123,95 Prozent. Gleichzeitig sank die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnde Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,10 Prozent und näherte sich ihrem Rekordtief von 3,08 Prozent.

Der starke Aufschwung der Rentenmärkte kam für die meisten Marktteilnehmer überraschend. Denn die entscheidenden Konjunkturdaten der Woche – der nationale US-Einkaufsmanagerindex und der US-Arbeitsmarktbericht stehen erst heute beziehungsweise morgen an.

Außerdem scheiterte der Bund-Future in den vergangenen Tagen aus technischer Sicht stets am Widerstand von 123,76 Prozent. Diese Marke nahm er schon am frühen Nachmittag – erneut beflügelt durch den nach wie vor hohen Ölpreis und weitere Renditerückgänge der US-Staatsanleihen – scheinbar mühelos.

Später bekam der Bund-Future dann noch einen kräftigen Schub nach oben durch den schwachen Einkaufsmanagerindex der Region Chicago. Dieser brach auf 49,5 von 63,5 Punkten ein. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf nur 61 Punkte gerechnet. „Der Index aus Chicago war ein regelrechter Schock“, sagte Bob Maes, Anleihe-stratege der bei der belgischen KBC der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Index unter 50 steht für einen Rückgang des Wirtschaftswachstums. Dies zusammen mit dem anhaltend hohen Ölpreis, der ebenfalls als Gefahr für die Konjunktur gesehen wird, stützte die Rentenmärkte enorm. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe sank nach den Daten besonders deutlich auf 4,03 Prozent. Anders als ihre deutschen Pendants sind US-Staatsanleihen aber noch weit von ihrem Rekordtief – 3,07 Prozent im Juni 2003 – entfernt.

Am Markt für Jumbo-Pfandbriefe bzw. Covered Bonds wie die großvolumigen mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckten Bankenanleihen international heißen, beendete Banesto die Sommerpause. Die spanische Bank begab einen siebenjährigen mit Hypotheken gedeckten Jumbo über zwei Mrd. Euro.

Dafür bekamen die Konsortialführer Barclays Capital, HSBC, Morgan Stanley und Banesto dem Vernehmen nach Kaufaufträge über gut 2,3 Mrd. Euro. Spanische Jumbos mit mittlerer Laufzeit seien eher selten und die Emission sei für Investoren recht attraktiv gepreist, hieß es. Banesto habe sich – im Gegensatz zu einigen anderen spanischen Pfandbriefhäusern – schon länger als fairer Emittent einen Namen gemacht. So begibt sie ihre Jumbos schon länger im so genannten Pot-Verfahren. Dabei sammeln die Konsortialführer zunächst Kaufaufträge und setzen erst dann – ähnlich wie bei einer Auktion – Zins- und Ausgabekurs fest. Der Banesto-Jumbos rentierte mit einem Aufschlag von 0,151 Prozentpunkten über der entsprechenden Bundesanleihe.

Extrem große Nachfrage gab es für die variabel verzinste siebenjährige Anleihe der italienischen Großbank Unicredito. Mit einer Mrd. Euro fiel der Bond doppelt so groß aus wie zunächst angekündigt und war laut Bankern dennoch zweifach überzeichnet. Mit der Emission wird Unicredito einen kleinen Teil der geplanten Übernahme der Hypo-Vereinsbank refinanzieren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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