Renditeabstände zwischen kurz- und langlaufenden Staatsanleihen schwinden
Zinskurve in den USA gibt Rätsel auf

Die Renditeabstände zwischen kurz- und langlaufenden Staatsanleihen in den USA sind so gering wie schon seit fünf Jahren nicht mehr. Für zehnjährige US-Staatsanleihen bekommen Anleger nur noch 0,20 Prozentpunkte mehr Rendite als für Zweijährige.

HB FRANKFURT/M. Banken wie Barclays Capital, Bank of America und Merrill Lynch gehen sogar davon aus, dass die so genannte Zinskurve bis zum nächsten Frühjahr invers werden könnte, also die Effektivverzinsung von langlaufenden unter die von kurzlaufenden Staatsbonds in den USA fällt.

Ein solcher Zustand ist durchaus ungewöhnlich an den Finanzmärkten. Denn je länger ein Gläubiger sein Kapital zur Verfügung stellt, desto sicherer erwartet er eine höhere Rendite. Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank (Fed), wunderte sich bereits im Februar über das „Rätsel“, dass die langfristigen Zinsen sanken, obwohl die Notenbank längst begonnen hatte, den Leitzins zu erhöhen.

Für Anleger bedeutet eine inverse Zinskurve, dass sie kurzlaufende Dollar-Anleihen in ihrem Rentenportfolio übergewichten sollten, weil diese attraktiver sind. Die immer flacher werdende Zinskurve wirkt sich auch auf die US-Banken aus: Das beliebte Spiel, längerfristige Anlagen kurzfristig zu refinanzieren, wirft kaum noch Gewinn ab.

Gefahren für die Konjunktur droht durch diese anormale Entwicklung nach Ansicht von Experten allerdings nicht. Anders als früher werten die meisten Volkswirte diese Situation nicht als Zeichen für eine bevorstehende Rezession. In den vergangenen 52 Jahren gab es nach Berechnungen von Goldman Sachs insgesamt 121 Monate inverse Kurven in den USA, die stets einer Rezession vorausgingen. „Diesmal dürfte eine inverse Kurve aber kein Frühindikator einer Rezession sein“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America in London.

Unter dem Einfluss höherer Notenbankzinsen könnte die US-Konjunktur zwar an Schwung verlieren. Aber die Fed habe keinen Anlass, ihre Zinsen so aggressiv anzuheben, dass dies eine Rezession auslösen könnte. Gleichwohl stützt die Sorge, die Fed könne die Konjunktur abwürgen, die langlaufenden Anleihen, meint Schmieding. Die Kurse kurzlaufender Bonds würden dagegen durch die Erwartungen noch höherer Leitzinsen gedrückt. Sinkende Anleihekurse gehen mit steigenden Renditen einher.

Auch Michael Pond, Zinsstratege bei Barclays Capital in New York, glaubt nicht an eine Rezession. „Das Wachstum der US-Wirtschaft könnte sich bis zum dritten Quartal nächsten Jahres zwar etwas abschwächen, aber danach sollte die US-Wirtschaft wieder über Trend wachsen.“

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