Renditeanstieg erwartet
Zinsangst dominiert Anleihemärkte

Die Ängste vor weiteren Zinserhöhungen der Notenbanken haben die globalen Anleihemärkte fest im Griff. In den USA ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den vergangenen Tagen zum ersten Mal seit fast vier Jahren wieder über die Marke von fünf Prozent gestiegen, in Japan erreichte die Rendite zehnjähriger Bonds gestern zum ersten Mal seit August 1999 die Marke von zwei Prozent und im Euro-Raum kämpft die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe mit der Marke von vier Prozent.

FRANKFURT. Experten rechnen damit, dass die Anleihekurse zunächst noch weiter fallen und die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Gegenzug steigen. In den USA kam der Renditeanstieg – anders als im Euro-Raum und Japan – nicht unerwartet. „Die robuste Entwicklung der US-Konjunktur und die anhaltenden Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed belasten die Anleihen“, sagt Ulrich von Auer, Fondsmanager bei JP Morgan Asset Management. Bisher zeige die US-Wirtschaft keine Zeichen eines Abschwungs, deshalb könne die Fed unter ihrem neuen Präsidenten Ben Bernanke den Leitzins noch bis auf 5,25 Prozent anheben, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Die Märkte rechnen damit, dass die Fed den Leitzins im Mai auf fünf Prozent anhebt.

Historisch gesehen, sind die langfristigen Kapitalmarktzinsen weltweit indes nach wie vor niedrig. In den USA liegen sie nur rund 0,40 Prozentpunkte über dem Niveau von Juni 2004, also dem Zeitpunkt, an dem die Fed damit begann, die Leitzinsen von damals einem Prozent anzuheben. Wesentlich deutlicher – von 2,7 auf knapp 4,9 Prozent – stiegen die Renditen von zweijährigen US-Anleihen. In den vergangenen Monaten warfen zweijährige US-Anleihen zeitweise sogar mehr Rendite ab als zehnjährige Bonds.

„Solange die Fed die Leitzinsen weiter anhebt, dürften auch die US-Renditen weiter steigen“, sagt Jürgen Michels, Volkswirt bei der Citigroup. Der Anstieg wird sich seiner Meinung nach jedoch nicht ungebremst fortsetzen: „Sobald ein Ende des Leitzinserhöhungszyklus abzusehen ist, sollten die Renditen wieder etwas zurückkommen.“ Dafür spreche auch, dass sich die US-Konjunktur im zweiten Halbjahr durch einen schwächeren Immobilienmarkt und eine geringere Konsumnachfrage wohl etwas abschwächen werde. Erst am Dienstag signalisierte das Fed-Protokoll der Sitzung vom 28. März ein baldiges Ende der Zinserhöhung. „Die meisten Mitglieder meinten, dass ein Ende der Straffung wahrscheinlich nahe ist“, heißt es dort.

Eine schwächere US-Konjunktur würde auch den Renditeanstieg im Euro-Raum bremsen, glaubt Michels. Ohnehin ist nach Auffassung der Strategen der Fondsgesellschaft DWS hier die konjunkturelle Stimmung besser als die Lage.

Optimistisch für die Konjunktur und entsprechend pessimistisch für die Anleihemärkte ist Gernot Griebling, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Die Abschwächung der US-Wirtschaft wird seit Jahren prognostiziert, bewahrheitet sich aber nicht.“ Er geht davon aus, dass die zehnjährige US-Rendite in zwölf Monaten bei 5,35 Prozent liegen wird, und liegt damit über den Konsensschätzungen. Die vom Forschungsinstitut Consensus Economics befragten Analysten rechnen im Schnitt damit, dass zehnjährige US-Staatsanleihen in zwölf Monaten mit 5,10 Prozent rentieren werden. Für zehnjährige Bundesanleihen prognostizieren sie eine Rendite von 3,80, für zehnjährige japanische Staatsbonds 2,10 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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