Renditechancen
Der Anleihemarkt – eine begehrte Geldquelle

Unternehmen haben derzeit die Möglichkeit sich am Anleihemarkt günstig Geld zu beschaffen - unter anderem wegen des niedrigen Leitzinses der EZB. Vor allem für kleinere und mittelgroße Firmen eine interessante Alternative.
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FRANKFURT. Historisch betrachtet können sich Unternehmen nach wie vor sehr günstig über Anleihen refinanzieren. Das ist so, obwohl in den vergangenen Monaten die Kurse von Firmenbonds wegen der Schuldenkrise in Europa gefallen und die Renditen gestiegen sind. Im Schnitt rentieren auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität aktuell mit 3,4 Prozent - und damit gut einen Prozentpunkt niedriger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Noch besser sieht es für Unternehmen mit schlechterer Bonität aus: Ihre Anleihen werfen aktuell 9,3 Prozent ab; im Zehnjahresdurchschnitt sind es immerhin elf.

Die Suche nach sicheren Anlageformen hat die Renditen für Firmenbonds gedrückt

Einer der Gründe, dass sich die Unternehmen am Anleihemarkt so günstig Geld beschaffen können, ist der nach wie vor niedrige Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Er liegt bei einem Prozent. Hinzu kommt, dass bei Investoren in diesem Jahr vor allem sichere Geldanlagen gefragt waren. Die Rendite von Bundesanleihen beispielsweise ist auf knapp drei Prozent gesunken. "Das hat auch die Renditen von Unternehmensanleihen deutlicher nach unten gedrückt, als man vor ein paar Jahren angenommen hätte", sagt Matthew Leeming, Analyst für Unternehmensanleihen bei Barclays Capital.

Der Bondmarkt ist nicht zuletzt deshalb für Unternehmen zur begehrten Geldquelle geworden. Nach Berechnungen der DZ Bank haben europäische Unternehmen in diesem Jahr neue Anleihen im Volumen von 170 Milliarden Euro auf den Markt geworfen. Das ist zwar deutlich weniger als im Rekordjahr 2009, in dem neue Firmenbonds über mehr als 300 Milliarden Euro begeben wurden. Trotzdem: Auch 2010 kamen überdurchschnittlich viele neue Anleihen auf den Markt.

Allerdings seien nicht die üblichen Dauerschuldner verantwortlich für das relativ hohe Emissionsvolumen, sagt Monika Fernandez, Leiterin des Researchs für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. "Auf der Suche nach Alternativen zu traditionellen Krediten haben vielmehr Unternehmen mit schlechterer Bonität und Unternehmen ohne ein Rating der großen Agenturen den Weg zum Kapitalmarkt gefunden." Laut DZ Bank hatten 20 Prozent aller Unternehmensanleihen, die in diesem Jahr platziert wurden, ein Rating, das schlechter war als der sogenannte Investmentgrade. 30 Prozent der neuen Anleihen kamen gleich ganz ohne Rating auf den Markt. Für das kommende Jahr rechnen die meisten Banker mit ähnlich vielen neuen Anleihen wie 2010.

Vor allem für kleinere und mittelgroße Unternehmen wird der Bondmarkt zunehmend interessanter. "Während in den vergangenen Jahren nur große Industriekonzerne den direkten Finanzierungsweg über Anleihen gehen konnten, werden künftig auch mittelständische Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf zunehmend durch die Emission von Anleihen decken", sagt Johannes Führ, Gründer der Johannes Führ Asset Management. Im Herbst hat der Vermögensverwalter den ersten europäischen Fonds aufgelegt, der ausschließlich in Zinspapiere mittelständischer Unternehmen investiert.

Lukrativ ist das Geschäft auch für die Börsenbetreiber. Seit Mai dieses Jahres etwa bietet die Stuttgarter Börse ein Handelssegment nur für Mittelständler an. Bondm heißt die Plattform, kleine und mittelgroße Firmen können darüber Anleihen begeben. Das Interesse der Unternehmen ist groß. Bislang sind Bonds im Volumen von rund 800 Millionen Euro gelistet. Die Milliardenmarke soll im ersten Quartal 2011 fallen, heißt es in Stuttgart. Bislang haben Unternehmen wie Air Berlin, Dürr, KTG Agrar oder 3W Power Holdings über Bondm den Anleihemarkt angezapft.

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