Renditejagd
Italien kommt günstiger an Geld

Die Investoren sind hungrig nach Rendite, sagen Analysten. Deshalb griffen Anleger bei Italiens Anleiheauktion zu. Ertränkt Japans Notenbank Italiens Probleme mit seiner Geldflut?
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FrankfurtItalien kommt trotz der anhaltenden Regierungskrise deutlich günstiger an frisches Geld. Die Auktion von neuen dreijährigen Staatsanleihen spülte am Donnerstag vier Milliarden Euro in die Staatskasse, wie das Finanzministerium mitteilte. Investoren begnügten sich mit einem durchschnittlichen Zins von 2,29 Prozent, dem niedrigsten seit Januar. Mitte März hatte er noch bei 2,48 Prozent gelegen. Weitere Milliarden nahm die Regierung mit einer fünf- und einer 15-jährigen Anleihe ein.

„Trotz der politischen Unsicherheit ist die Nachfrage recht ordentlich“, sagte Analyst Nick Stamenkovic von RIA Capital. Investoren gingen davon aus, dass die mit Notenbankgeld gefütterten japanischen Anleger zunehmend Anleihen von Euro-Krisenländern wie Italien nachfragten. „Investoren sind hungrig auf Rendite“, sagte Christian Lenk von der DZ Bank. „Im Markt spielt noch immer die Geschichte eine Rolle, dass japanisches Geld nach Europa fließt.“

Italien steht auch gut sechs Wochen nach der Wahl noch immer ohne neue Regierung da. Das politische Patt hatte zunächst aus Furcht vor einer Verschärfung der Schuldenkrise die Zinsen nach oben getrieben.

Die Kurse von Bundesanleihen sind am Donnerstag leicht gefallen, US-Treasuries zogen geringfügig an.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 1,31 Prozent einen Basispunkt höher. Am Terminmarkt fiel der Bund-Future um 16 Basispunkte auf 145,20 Prozent. Die Rendite von zehnjährigen US-Bonds war bei 1,79 Prozent einen Basispunkt niedriger.

Zehnjährige italienische Papiere rentierten zuletzt bei 4,30 Prozent minimal niedriger. Damit lagen sie nur fünf Basispunkte vom tiefsten Niveau in sechs Wochen entfernt. „Die Renditen in Italien bewegen sich weiter in Richtung vernünftiger Fundamentalwerte”, sagte Michael Markovich, Leiter weltweite Zinsstrategie-Analyse bei Credit Suisse Group in Zürich. „Die Ergebnisse der Auktion zeigen, dass es immer noch gewisse heimische Nachfrage gibt, insbesondere im Drei-Jahres-Bereich“, sagte Annalisa Piazza, Analystin für Festverzinsliche bei Newedge Group in London. “Bei den restlichen Euroraum-Ländern ist nicht mehr sehr viel Wert übrig. Investoren halten Ausschau nach höheren Renditen oder Renditepotenzial.”

Insgesamt haben europäische Regierungen und der EFSF in dieser Woche für 31,7 Mrd. Euro Anleihen und Schatzwechsel begeben, was das höchste Volumen bisher in diesem Jahr ist, so Alexander Aldinger, Zinsstratege bei der Commerzbank in Frankfurt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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