Renditen langlaufender Anleihen sinken
Märkte sehen Greenspans Kurs skeptisch

Die Reaktion der Anleihemärkte auf die Leitzinserhöhung der US-Notenbank ruft bei Volkswirten Besorgnis hervor. Die Federal Reserve (Fed) hatte den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 3,75 Prozent angehoben. In ihrem anschließenden Kommuniqué war sie jeden Hinweis schuldig geblieben, dass sie in absehbarer Zeit ihren Zinserhöhungskurs beenden oder zumindest eine Pause einlegen könnte. Stattdessen wies sie auf erhöhte Inflationsgefahr durch die gestiegenen Ölpreise hin. Ökonomen befürchten nun eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Bondinvestoren sahen das ähnlich und kauften Anleihen, was die Zinsen am Kapitalmarkt drückte.

FRANKFURT/M. Eine Zinspause der Fed war vor allem wegen der noch schwer abschätzbaren Belastungen für die Konjunktur durch die vom Wirbelsturm „Katrina“ hinterlassenen Verwüstungen erwartet worden. Auch die stark gestiegenen Ölpreise gelten als großes Konjunkturrisiko.

Obwohl viele Analysten nach der Fed-Entscheidung ihre Leitzinsprognosen nach oben anpassten, entwickelten sich die Langfristzinsen in die Gegenrichtung. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg nach der Veröffentlichung der Fed- Entscheidung nur kurz an, drehte danach aber bald und lag am Mittwochvormittag bereits um vier Hundertstel niedriger bei 4,20 Prozent. Die Rendite zweijähriger Papiere, die stärker von der aktuellen und unmittelbar absehbaren Geldpolitik beeinflusst wird, stieg dagegen bis Mittwoch um vier Hundertstel auf 3,96 Prozent an. Damit schrumpfte der Abstand zwischen den beiden Sätzen auf nur noch knapp einen Viertelprozentpunkt. Im weiteren Tagesverlauf gaben die Langfristzinsen noch weiter nach, was Analysten vor allem als Reaktion auf einen neuen bedrohlichen Wirbelsturm vor der US-Küste werteten.

„Uns macht die Reaktion der Finanzmärkte auf die gestrige Fed-Entscheidung Sorge“, sagte Michael Dicks, leitender Volkswirt der Investmentbank Lehman Brothers. Er schließt daraus, dass die Märkte vor allem eines aus dem Statement der Notenbank gelesen hätten: Die Fed sei bereit, Wachstumseinbußen in Kauf zu nehmen, um einen Inflationsanstieg zu verhindern.

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