Renditen runter

Trichet setzt die „Bazooka“ ein

Die EZB greift zu außergewöhnlichen Maßnahmen: Sie kauft nun auch Anleihen aus Italien und Spanien. Die Renditen der Schuldenstaaten sinken deutlich. An den Börsen in Mailand und Madrid ging es zunächst steil nach oben.
Update: 08.08.2011 - 13:23 Uhr 48 Kommentare
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Quelle: Reuters

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

(Foto: Reuters)

Paris/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will spanische und italienische Staatsanleihen kaufen. Das teilte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen mit. Die EZB hatte am Sonntag angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, ohne die Länder zu nennen.

Zuvor hatte die Zentralbank im Kampf gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise die Hoffnungen auf ein Eingreifen zugunsten Italiens aufrecht erhalten. Die Notenbank sei bereit, ihr Anleihekaufprogramm „aktiv umzusetzen“, erklärte das oberste Entscheidungsgremium der EZB, der 23-köpfige Rat, in der Nacht zum Montag nach mehrstündigen Krisenberatungen. Weitere Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht.

Händlern zufolge hat die EZB bereits mit Ankäufen von italienischen und spanischen Anleihen begonnen. Demnach konzentrierte sich die EZB am Montag auf Käufe von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit. Die Renditen entsprechender italienischer Bonds fielen um 65 Basispunkte auf 4,85 Prozent. Spanischer Papiere rentierten mit 4,734 Prozent 69 Basispunkte tiefer. Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Bonds fielen auf 296 Basispunkte, nachdem sie am Freitag auf 375 gestiegen waren. Auch die Aufschläge für spanische Papiere fielen - und zwar auf 288 Basispunkte von 372 am Freitag.

Die Volumina seien aber nicht sehr hoch. „Allein die Ankündigung der EZB hat offenbar schon eine starke Wirkung auf die Märkte gehabt“, sagte Rainer Guntermann, Anleihenexperte von der Commerzbank. Die EZB werde wahrscheinlich auch künftig nur sporadisch an den Märkten aktiv werden.

Die Aktienmärkte in Italien und Spanien reagieren zunächst mit kräftigen Aufschlägen: in der Spitze stieg der MIB-Index in Mailand um 4,5 Prozent auf 16.740 Punkte, der Ibex in Madrid legte um vier Prozent auf 9.010 Zähler zu. Im Laufe des Vormittags sackten die Kurse jedoch ab.

EZB als letzte Verteidigungslinie
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48 Kommentare zu "Renditen runter: Trichet setzt die „Bazooka“ ein"

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  • Versicherungen, Banken, Fonds, alle die 8% Griechenland-Anleihen in Ihrem Portfolio haben.

    Man leihe sich $100 Milliarden für 0,25% Zins in den USA und legt sie für 8% in griechische Anleihen an. Macht $8 Milliarden Gewinn für ein paar Mausklicks. Schiefgehen kann nix, denn falls Griechenland "fällt", wird in Hintertürzimmergesprächen in obersten Politetagen solange die Welt schwarz gemalt, bis der Deutsche Steuerzahler einspringt.

    Ist keine Theorie, sondern passiert jeden Tag.

  • Durch den Aufkauf spanischer und italienischer Staatsanleihen
    durch die EZB am 08.08.2011 wurde der Druck auf die Zinssätze dieser
    Anleihen genommen.
    Im Gegenzug stiegen jedoch die Zinssätze für die "Geberländer"
    weil die Haftung dieser Schrottpapiere damit auf die Steuerzahler
    von Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland und Frankreich überging.
    Ob "Verschuldung" der EZB, Eurobonds, EFSF, ESM .. alles der selbe Effekt.
    Egal was jetzt noch gemacht wird, die Zeche zahlen wir durch Kaufkraftentzug.
    ( Steuererhöhung, Inflation, Sparmaßnahmen )
    Rudolph Rene

  • Mir gefällt das Wort Soros' sehr: "Die Politiker wollen Zeit kaufen, aber die Zeit arbeitet gegen sie." Hätte man klare Schritte unternommen, d.h., Griechenland pleite und aus dem Euro gehen lassen, dann wären eindeutige Verhältnisse geschaffen worden und jegliche Form von Spekulation gegen Staaten hätte ein Ende gehabt. So aber laufen die Politiker den Spekulanten hinterher und versuchen mit unseren Steuergeldern jedes neu aufgerissene Loch zu stopfen! Das wird nicht lange gut gehen und die Politik wird erhebliche Erklärungsschwierigkeiten bekommen beim Anblick des hinterlassenen Scherbenhaufens unermesslichen Ausmaßes!

  • Nicht zu vergessen, dass man sein Auto im Golf von Mexico immer noch direkt volltanken kann. Deshalb kauft der alte Schlauberger das Mississippi-Delta auf .......

  • So ist es, allen gegenteiligen Schwafelanten zum Trotz !!

  • MacWoiferl, des gfallt mir !!!!

  • Geldentwerter Trichet

    Trichet ist ein Gangster. Das war er schon immer. Finanzfaschismus pur. Man muss sich nur mal diese lächerlichen Pressekonferenzen der EZB anschauen. Da sitzt er da vorne der Trichet, und beantwortet keine Fragen, und kanzelt ab,und laviert und fühlt sich enorm wichtig und die Weichei Schreiberlinge machen sich in die Hose, und traun sich nix und beschönschreibigen brav die völlige Entwertung des Euros, und den Zusammenbruch des Rentensystems, und aller Sozialleistungen. Essensmärkchen sind bald angesagt. Aber vorher muss das Grosskapital noch ein wenig umschichten. Man ist noch nicht ganz fertig mit der Aneignung der Realgüter. Es gibt noch Agrarland in Ostdeutschland usw...
    Unsere Politiker haben gnadenlos versagt. CDUCSUFDPSPDGRÜNE haben das Land gegen den Willen der Bevölkerung in den Abgrund geführt. Die Menschen wollten weder den Euro, noch den Vertrag von Lissabon.
    Das Märchen von der Einführung des Euros als Bedingung für den Einigungsvertrag ist nichts als ein dümlicher Taschenspielertrick für Gutgläubige.
    Jetzt wird sowohl das Grundgesetz, als auch der Vertrag von Lissabon ausser Kraft gesetzt um die Bankster zu retten.Schrottanleihen bei der Zentralbank. Der Weg Amerikas in den Abgrund wird kopiert.
    Schon bald wird der AAA Status Deutschlands angezweifelt werden. Das ist alles fest geplant. Nicht umsonst hat ja der Grossgangster und Rothschildvertraute George Soros seinen Quantum Fund kurz vor der Herabstufung des USD geschlossen. Und ein paar Wochen vorher hat er Farmland in grossem Stil im Mississippi delta aufgekauft.Da war mir schon klar, dass bald was Dickes aus der Leitung kommt.
    In den USA stehen übrigens seit Monaten zwei Kernkraftwerke unter Wasser (Fort Calhoun und Fort Cooper). Aber darüber wird in Deutschland auch nicht berichtet. Das ist nicht mal eine Meldung wert


  • Prima, Europa-Bayer, wir werden die Rechnungen an Dich schicken! Du kannst Dir da mal schon einen größeren Briefkasten zulegen! Mal ganz ehrlich: Freunde wie Du sind mit 250 Prozent Steuererhöhungen noch gut bedient; würde ich Dich regieren, dann käme ich persönlich bei Dir zum Abkassieren & Kuckuck-Kleben vorbei!

    Dass sich irgendwo immer ein "Dummer Mach-Alles-Mit" findet begrüßen 41 Foristen ausdrücklich sowie

    Macwoiferl

  • Das ist eine Art Staatsstreich, den Zauberlehrlinge hier im Hintergrund auf Weisung von Finanzoligarchen und Euro-Ideologen verüben! Die EZB, die eben noch geschworen hatte, nicht noch einmal Schrottanleihen aufkaufen zu wollen; die EZB, die neues Vertrauen in der Geldwertstabilität zurückgewinnen wollte. Jetzt kauft sie Anleihen von Italien und Spanien. Die Deutschen und Nordeuropäer werden schlicht von den nutznießenden Krisenländern überstimmt. Im Kern ist das die Plünderung von Volksvermögen, denn nun steht uns Inflation und Geldentwertung bevor. Schon bald wird die EZB die Inflationszielmarke auf ca. 4 Prozent hochsetzen. Das klingt nicht nach viel, bedeutet aber, dass nach 10 Jahren 45 Prozent unseres Vermögens entwertet ist. Und alles ohne Sinn und Verstand, denn am Ende helfen diese gigantischen Unterstützungsmaßnahmen dem Süden gar nichts.

  • Schön ist ja, dass wir nicht an Griechenland verdienen wollen. Ich finde auch, die sollten ihre Probleme selbst lösen.
    Und in Bezug auf Spanien haben Sie natürlich auch vollkommen recht: Die Spanier haben so eine geringe Verschuldung, die können - koste es, was es wolle - ihre Bonds am Finanzmarkt plazieren.
    Wir Deutschen sollten uns dringend da raus halten. Am besten wäre natürlich, Deutschland verlässt endlich die Eurozone. Denn schließlich ist der Euro doch nur zum großen Vorteil der Deutschen, und das ist doch einfach völlig ungerecht. Also, Deutschland verlässt die Eurozone und alle sind glücklich. Wer jetzt Böses denkt, ist nicht ernstzunehmen!

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