Renditen runter
Trichet setzt die „Bazooka“ ein

Die EZB greift zu außergewöhnlichen Maßnahmen: Sie kauft nun auch Anleihen aus Italien und Spanien. Die Renditen der Schuldenstaaten sinken deutlich. An den Börsen in Mailand und Madrid ging es zunächst steil nach oben.
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Paris/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will spanische und italienische Staatsanleihen kaufen. Das teilte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen mit. Die EZB hatte am Sonntag angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, ohne die Länder zu nennen.

Zuvor hatte die Zentralbank im Kampf gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise die Hoffnungen auf ein Eingreifen zugunsten Italiens aufrecht erhalten. Die Notenbank sei bereit, ihr Anleihekaufprogramm „aktiv umzusetzen“, erklärte das oberste Entscheidungsgremium der EZB, der 23-köpfige Rat, in der Nacht zum Montag nach mehrstündigen Krisenberatungen. Weitere Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht.

Händlern zufolge hat die EZB bereits mit Ankäufen von italienischen und spanischen Anleihen begonnen. Demnach konzentrierte sich die EZB am Montag auf Käufe von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit. Die Renditen entsprechender italienischer Bonds fielen um 65 Basispunkte auf 4,85 Prozent. Spanischer Papiere rentierten mit 4,734 Prozent 69 Basispunkte tiefer. Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Bonds fielen auf 296 Basispunkte, nachdem sie am Freitag auf 375 gestiegen waren. Auch die Aufschläge für spanische Papiere fielen - und zwar auf 288 Basispunkte von 372 am Freitag.

Die Volumina seien aber nicht sehr hoch. „Allein die Ankündigung der EZB hat offenbar schon eine starke Wirkung auf die Märkte gehabt“, sagte Rainer Guntermann, Anleihenexperte von der Commerzbank. Die EZB werde wahrscheinlich auch künftig nur sporadisch an den Märkten aktiv werden.

Die Aktienmärkte in Italien und Spanien reagieren zunächst mit kräftigen Aufschlägen: in der Spitze stieg der MIB-Index in Mailand um 4,5 Prozent auf 16.740 Punkte, der Ibex in Madrid legte um vier Prozent auf 9.010 Zähler zu. Im Laufe des Vormittags sackten die Kurse jedoch ab.

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  • Versicherungen, Banken, Fonds, alle die 8% Griechenland-Anleihen in Ihrem Portfolio haben.

    Man leihe sich $100 Milliarden für 0,25% Zins in den USA und legt sie für 8% in griechische Anleihen an. Macht $8 Milliarden Gewinn für ein paar Mausklicks. Schiefgehen kann nix, denn falls Griechenland "fällt", wird in Hintertürzimmergesprächen in obersten Politetagen solange die Welt schwarz gemalt, bis der Deutsche Steuerzahler einspringt.

    Ist keine Theorie, sondern passiert jeden Tag.

  • Durch den Aufkauf spanischer und italienischer Staatsanleihen
    durch die EZB am 08.08.2011 wurde der Druck auf die Zinssätze dieser
    Anleihen genommen.
    Im Gegenzug stiegen jedoch die Zinssätze für die "Geberländer"
    weil die Haftung dieser Schrottpapiere damit auf die Steuerzahler
    von Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland und Frankreich überging.
    Ob "Verschuldung" der EZB, Eurobonds, EFSF, ESM .. alles der selbe Effekt.
    Egal was jetzt noch gemacht wird, die Zeche zahlen wir durch Kaufkraftentzug.
    ( Steuererhöhung, Inflation, Sparmaßnahmen )
    Rudolph Rene

  • Mir gefällt das Wort Soros' sehr: "Die Politiker wollen Zeit kaufen, aber die Zeit arbeitet gegen sie." Hätte man klare Schritte unternommen, d.h., Griechenland pleite und aus dem Euro gehen lassen, dann wären eindeutige Verhältnisse geschaffen worden und jegliche Form von Spekulation gegen Staaten hätte ein Ende gehabt. So aber laufen die Politiker den Spekulanten hinterher und versuchen mit unseren Steuergeldern jedes neu aufgerissene Loch zu stopfen! Das wird nicht lange gut gehen und die Politik wird erhebliche Erklärungsschwierigkeiten bekommen beim Anblick des hinterlassenen Scherbenhaufens unermesslichen Ausmaßes!

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