Renditen spiegeln übertriebenen Konjunkturpessimismus wider
Selbst Optimisten finden Bonds zu teuer

Anleihebesitzern drohen nach Einschätzung von Analysten Kursverluste. Die Fachleute halten Bonds nach dem Ansturm der Anleger seit Mitte des Jahres für überteuert. Neue Konjunkturdaten könnten die Stimmung zu Lasten der Anleihen drehen.

FRANKFURT/M. Seit Mitte Juni herrscht an den Anleihemärkten eine fast ungetrübte Rally: Die Kurse der Anleihen stiegen, und im Gegenzug sanken die Renditen. Erstaunlich daran ist, dass die Kapitalmarktzinsen sich ermäßigten, obwohl die US-Notenbank die Leitzinsen erhöhte. Als Auslöser für die Kurssteigerungen der Staatsanleihen gelten schwache US-Arbeitsmarktdaten und der hohe Ölpreis. Beides rückte die Furcht vor einem schwachen Wirtschaftswachstum in den Vordergrund, die Anleger mehr zu stabileren Anleihen als zu schwankungsanfälligeren Aktien greifen ließ.

Doch inzwischen sind die Renditen selbst den Bond-Bullen – also denjenigen, die Anleihen schon lange als lukrative Anlage sehen – zu niedrig. Gestern stiegen die Renditen zwar leicht, liegen aber bei einer Laufzeit von zehn Jahren in Deutschland immer noch deutlich unter vier Prozent und in den USA nicht erheblich über dieser Marke.

Jetzt sind die Anleihen aber zu teuer, wie die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein, HSBC Trinkaus & Burkhardt und Helaba Trust einhellig urteilen. Dabei gehören die drei Häuser zu den Bond-Bullen, die schon Anfang des Jahres (Dresdner Kleinwort Wasserstein und HSBC) beziehungsweise Mitte des Jahres (Helaba Trust) gegen die herrschende Meinung auf sinkende Renditen gesetzt hatten.

„Inzwischen preist der Markt aber nur noch ein ganz schwaches Wirtschaftswachstum und Inflationsraten in Richtung null Prozent ein“, sagt Rainer Sartoris, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Beides sei aber zu niedrig kalkuliert, und daher seien Rückschläge bei den Bonds zu erwarten.

Zudem wetteten mittlerweile viele spekulative Marktteilnehmer wie Hedge-Fonds an den Terminmärkten auf weiter steigende Kurse, vor allem in den USA, meint Richard Zellmann, Leiter Märkte und Strategien bei Helaba Trust. Deshalb habe der Markt Schlagseite; ein negatives Konjunkturdatum könne Kursverluste auslösen. Ein solches Datum könnte schon der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht sein. Im Schnitt rechnen Volkswirte damit, dass in den USA im Oktober 175 000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen wurden. Das wären deutlich mehr als in den vergangenen vier Monaten. Sollten es aber viel weniger sein, hält es Zellmann für möglich, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,70 Prozent fällt.

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