Renditetief
Boom bei Firmenanleihen droht schnelles Ende

Seit Herbst vergangenen Jahres ist das Interesse an Firmenanleihen kräftig gestiegen. Weil Staatsanleihen kaum noch Rendite abwarfen, stürzten sich die Anleger auf Bonds solider Unternehmen. Die Folge: Auch hier sind attraktive Einstiegschancen rar. Trotz Rezession rentieren viele Firmenanleihen niedriger als vor zwei Jahren.

FRANKFURT. Fondsgesellschaften und Banken sehen Chancen bei "attraktiven Unternehmensanleihen" und rühren kräftig die Werbetrommel für die Papiere - gerade im Privatkundengeschäft. Anleger sollten aber genau hinsehen. Attraktiv sind viele Firmenbonds inzwischen nur noch im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen, die noch weniger Rendite als die Zinspapiere von Unternehmen abwerfen.

Die Kurse von Unternehmensanleihen sind seit dem vergangenen Oktober - also kurz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers - extrem stark gestiegen. Entsprechend sind die Renditen von Firmenbonds mit dem Gütesiegel Investment-Grade von den Ratingagenturen mit durchschnittlich 4,9 Prozent schon wieder so niedrig wie im November 2007 (siehe "Stark gefallen"). Bei Anleihen von nicht-zyklischen Unternehmen wie Telekom, Pharma-, Ölkonzernen und Versorgern müssen sich Anleger bei mittleren Laufzeiten sogar mit Renditen deutlich unter vier Prozent zufriedengeben (siehe "Unternehmensanleihen im Vergleich").

So niedrige Renditen sind erstaunlich, weil die Wirtschaft mittlerweile tief in der Rezession steckt. Damit sind auch große Konzerne vielen Unsicherheiten ausgesetzt. Ihre Kreditwürdigkeit verschlechtert sich schon jetzt, und eine Ende dieses Trends ist noch nicht abzusehen. So ist laut Moody's der Ratingausblick bei mehr als einem Drittel aller europäischen Unternehmen negativ.

Experten raten deshalb zur Vorsicht: "Die Renditen sind teils schon wieder so niedrig, dass Anleger kritisch hinterfragen sollten, ob sich ein Investment lohnt", sagt Gunnar Stangl, leitender Portfoliostratege bei der Commerzbank. Auch Jochen Felsenheimer, Kreditstratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Assenagon warnt: "Die Kreditmärkte spiegeln jetzt sozusagen beste Nachkrisenwelt wider. Das halte ich für gefährlich."

Rolf Schäffer, leitender Kreditmarktstratege bei der Landesbank-Württemberg (LBBW), erwartet eine mögliche Korrektur - sprich steigende Renditen der Firmenbonds - innerhalb der nächsten Wochen und Monate. Mit Blick auf die absoluten Renditen hält er viele Anleihen von Unternehmen aus der Telekom - und Versorgerbranche für vergleichsweise teuer. Allerdings dürften die Anleihen aus diesen Sektoren wegen ihres defensiven Charakters auch weniger von potenziellen Kursverlusten getroffen werden, so Schäffer.

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