Rentenmarkt
Anleihekurse springen nach Zinsbeschlüssen an

Am Anleihemarkt werten die Händler die zum Teil drastischen Zinsschritte der Notenbanken als Krisensignale. Die Sorgen vor einer tieferen Wirtschaftskrise verstärken sich, das fördert den Run auf sichere Staatsanleihen.

HB FRANKFURT. In Reaktion auf teilweise unerwartet drastische Zinssenkungen europäischer Notenbanken sind die Kurse der europäischen Staatsanleihen am Donnerstag nach oben geschnellt. Der richtungsweisende Bund-Future kletterte in der Spitze um 94 Ticks auf 118,01 Zähler. Am Morgen hatte der Kontrakt noch 31 Ticks im Minus notiert. Die zehnjährige Bundesanleihe lag 70 Ticks im Plus bei 104,55 Zählern und rentierte mit 3,678 Prozent.

"Es hat sehr den Anschein, als wollten die Zentralbanken keine Zeit verlieren", kommentierte UniCredit-Analyst Kornelius Purps die Zinssenkungen von Europäischer Zentralbank (EZB), Bank of England (BoE) und Schweizerischer Nationalbank (SNB). Derart aggressive Zinssenkungen signalisierten, dass die Zentralbanken äußerst besorgt über die konjunkturellen Aussichten seien. "Insofern scheint es weiterhin viel zu früh zu sein, um auf eine breite Stabilisierung oder gar Erholung der Finanzmärkte zu setzen."

Die EZB senkte den Leitzins zwar erwartungsgemäß um 50 Basispunkte auf nunmehr 3,25 Prozent. Kurz zuvor hatte allerdings die Bank of England die Finanzmärkte mit einer drastischen Zinssenkung um 150 Basispunkte auf nun drei Prozent überrascht. Zuletzt hatte es einen solchen Schritt zu Zeiten der britischen Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre gegeben. Die Schweizer Nationalbank SNB senkte vollkommen unerwartet zum zweiten Mal in vier Wochen den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent.

Nun warteten Marktteilnehmer auf die Erläuterungen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet. "Die sich rasch und rapide eintrübenden Wachstumsperspektiven für die Euro-Zone und die sehr viel freundlicheren Aussichten in Bezug auf die Inflationsentwicklung sollten EZB-Präsident Trichet dazu veranlassen, die Tür für weitere Zinssenkungen in den kommenden Monaten sehr weit offen zu lassen", sagte Analyst Peter Müller von der Commerzbank voraus.

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