Rentenmarkt
Staatsbonds stabilisieren sich

Der deutliche Anstieg der Staatsanleihe-Renditen wird sich nach Meinung der Volkswirte öffentlicher Banken nicht fortsetzen. Ein Grund dafür sind auch die schlechten Aussichten für US-Staatsanleihen. Die Investoren an den Rentenmärkten sind pessimistischer geworden.

FRANKFURT. Vier der sieben vom Bundesverband öffentlich-rechtlicher Banken (VÖB) regelmäßig befragten Institute rechnen damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in sechs Monaten bei 3,5 Prozent und damit nur leicht über dem aktuellen Niveau liegen wird. Die DZ Bank erwartet mit 3,3 Prozent sogar eine leicht fallende Rendite. Seit Ende März ist die zehnjährige Bund-Rendite von unter drei auf 3,4 Prozent geklettert.

Auslöser für den Renditeanstieg waren unter anderem positive Stimmungsindikatoren von konjunktureller Seite und die anziehenden Aktienmärkte. "Das Licht am Ende des Tunnels hat eine Sogwirkung auf den Rentenmarkt", sagt Ulf Krauss vom volkswirtschaftlichen Research der Helaba. Mit einer Renditeprognose von 3,7 Prozent für November ist Krauss skeptischer für Anleihen als andere Volkwirte. Weil die Investoren an den Rentenmärkten jetzt aber schon sehr pessimistisch seien, könne es zwischenzeitlich auch Gegenbewegungen - also sinkende Renditen - geben, sagt Krauss.

Das meint auch Dirk Gojny, Leiter der Marktanalyse bei der HSH Nordbank. Er erwartet auf Sicht von sechs Monaten indes einen Renditeanstieg auf sogar 3,9 Prozent. Ein Grund dafür sind für ihn auch die schlechten Aussichten für US-Staatsanleihen. Für die Rendite zehnjähriger US-Bonds prognostiziert Gojny einen Renditeanstieg von über einem auf 4,4 Prozent. Dies begründet er unter anderem mit dem massiven Angebot an neuen Bonds, die die USA begeben, um ihre Konjunktur- und Bankenrettungspakete zu finanzieren.

Die DZ Bank erwartet dagegen für die USA konstante Renditen. Im Euro-Raum sieht der leitende Rentenmarktanalyst Thomas Meißner kurzfristig Chancen für fallende Kapitalmarktzinsen. Ein Grund dafür ist, dass Meißner - im Gegensatz zu den anderen vom VÖB befragten Volkswirten - davon ausgeht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen von derzeit einem Prozent noch weiter senken wird.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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