Rettungspaket treibt Investoren aus Staatsanleihen
Flucht in Anleihen dauert nur kurz

Die extreme Rally der Rentenpapiere der vergangenen Woche ist am Freitag abrupt zu Ende gegangen. Auslöser war der Plan der US-Regierung für eine staatliche Auffanggesellschaft, die den Banken illiquide Wertpapiere aus der Subprime-Krise abkaufen soll.

FRANKFURT.Die Aussicht auf ein Rettungspaket für die taumelnde Finanzindustrie trieb die Investoren aus den sicheren Staatsanleihen. Entsprechend stieg die Rendite zweijähriger US-Staatsbonds am Freitag um 0,43 Prozentpunkte auf 2,16 Prozent. Einen so deutlichen Renditesprung gab es seit 23 Jahren nicht.

Auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen und deutscher Bundesanleihen schnellten am Freitag kräftig nach oben. Dabei waren die Effektivverzinsungen diesseits und jenseits des Atlantiks in den Tagen zuvor deutlich abgesackt. Die dramatische Zuspitzung der Finanzmarktkrise und die historischen Umwälzungen in der bedrohten Bankenlandschaft ließen Investoren rund um den Globus verstärkt zu Staatspapieren greifen. Zehnjährige US-Anleihen markierten zeitweise mit 3,25 Prozent ein neues Jahrestief, am Freitag lagen die Renditen aber wieder bei 3,80 Prozent.

Die angekündigten Hilfen für den Finanzsektor dürften US-Staatsanleihen in den kommenden Wochen weiter belasten. Das gilt vor allem dann, wenn die USA den Ankauf der toxischen Wertpapiere über die Ausgabe neuer Staatspapiere finanzieren werden. Außerdem könnten die zusätzlichen Ausgaben das Spitzen-Rating Dreifach-A der USA unter Druck bringen. „Negative Ratingimplikationen sind nicht auszuschließen“, heißt es bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Die Investoren sehen das ähnlich. So sind die Risikoprämien der Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall der USA absichern können, am Freitag auf ein Allzeithoch von 30 Basispunkten gegenüber den Interbankensätzen gestiegen. Damit lagen die Prämien dreimal so hoch wie für eine Absicherung eines Zahlungsausfalls deutscher Bundesanleihen.

Allzu dramatisch dürften die Renditen von US-Bonds aber dennoch nicht steigen. Die Ankündigung des Rettungsplans für die Finanzindustrie hält nach Ansicht der Strategen von Unicredit nicht unmittelbar die globale Wachstumsabschwächung auf. Vor allem die Hauptprobleme der US-Wirtschaft – der Häuser- und der Arbeitsmarkt – seien nur langfristig lösbar. Bei Euro-Staatsbonds rechnen viele Strategen angesichts der Unsicherheit über die globale Konjunkturentwicklung sogar mit neuerlichen Renditerückgängen. Am Freitag rentierten zehnjährige Bundesanleihen mit 4,23 Prozent, nachdem die Rendite Anfang der Woche zum ersten Mal seit Mitte März unter die Marke von vier Prozent gefallen war.

Im Umkehrschluss bleiben mit Blick auf die Konjunktur die Zeiten für Anleihen von Banken und anderen Unternehmen hart. Willem Sels, leitender Kreditstratege bei Dresdner Kleinwort, erwartet deshalb, dass auch die Risikoprämien der i-Traxx-Indizes neue Hochs erreichen. Über diese Indizes sichern sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen europäischer Unternehmen ab. Die Risikoprämien der i-Traxx-Indizes sind in der vergangenen Woche stark gestiegen, sanken aber am Freitag.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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