Rettungspaket
US-Derivateverband hält Umschuldung Griechenlands für möglich

Standard + Poor's hat eine Umschuldung Griechenlands nach französischem Plan als begrenzten Zahlungsausfall interpretiert. Nun scheint der noch mächtigere US-Derivateverband zu widersprechen.
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London, WienDer US-Derivateverband bewertet den französischen Vorschlag für eine Beteiligung der privaten Gläubiger am zweiten Rettungspaket für Griechenland nicht als Kreditereignis.

„So wie ich Frankreichs Plan verstehe, handelt es sich gewissermaßen um einen freiwilligen Roll-Over und im Allgemeinen werden durch einen freiwilligen Roll-Over keine Kreditausfall-Versicherungen (CDS) fällig“, teilte der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) am Montag mit.

Der französische Plan sieht vor, dass Gläubiger mindestens 70 Prozent der bis 2014 auslaufenden Anleihen wieder investieren. Die weltgrößte Rating-Agentur Standard + Poor's (S+P) erklärte am Montag, dies sei als begrenzter Zahlungsausfall (selective default) zu bewerten.

Die ISDA hat das letzte Wort, wenn es darum geht, ein Kreditereignis festzustellen. Ein solches Ereignis tritt bei Zahlungsunfähigkeit oder Umschuldung ein und dabei werden CDS fällig.

Unterdessen hat EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny die Ratingagenturen für ihre Haltung in der Griechenland-Krise kritisiert. Es sei ihm aufgefallen, dass die Agenturen in der Eurokrise „viel strikter“ seien, als in vergleichbaren Situationen - etwa in Südamerika.

„Das ist schon etwas, worüber man nachdenken muss“, sagte Nowotny am Montagabend dem ORF. Die Ratingagenturen spielen eine maßgebliche Rolle bei der Bewertung der Gläubiger-Beteiligung an einem weiterem Hilfspaket für das angeschlagene Griechenland. Nur wenn sie die Hilfen als freiwillig einstufen, kommen sie nicht einem Staatsbankrott gleich, der mit dem Paket vermieden werden soll. Nowotny sagte, derzeit gebe es „schwierige Diskussionen“ mit den Agenturen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rettungspaket: US-Derivateverband hält Umschuldung Griechenlands für möglich"

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  • ISt doch klar, was hier abläuft. Die Mitglieder des Derivateverbandes als Sicherungsgeber der CDS müßten bei einem Default zahlen, was sie natürlich nicht wollen. Und die Klientel der Ratingagenturen als Gläubiger der CDS möchte natürlich bei einem Default kassieren. Es müßte einen Ausschlusstatbestand (Befangenheit, Offenlegung von Verflechtungen) für Ratingagenturen geben. Ebenso müßte die EZB über eigene Sachkunde verfügen, um zumindest die Papiere raten zu können, die grundsätzlich als Sicherheit hinterlegt werden können. Jede kleine Volksbank muß das können.

  • Nicht daß ich missverstanden werde,
    wirklich helfen kann euch KEINER !!!

    Aus dem Tal der Tränen werdet ihr nicht so schnell nicht raus kommen. 100 Blinde kriegen keinen einzigen Einäugigen Zustande.
    .

  • Scheinbar haben US-Banken doch mehr griechische Anleihen im Portfolio als angenommen und behauptet. Und die wollen sich ihre Anlagen durch die Ratingagenturen nicht noch schlechter schwätzen lassen - schließlich geht es um viel Geld.

    Was nicht sein darf....

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