Revidierte Wachstumsprognose der EZB löst Rutsch der Kapitalmarktzinsen aus - Geringere Ausschläge am US-Bondmarkt
Euro-Renditen fallen auf neues Rekordtief

Die Bondmärkte waren auch am Donnerstag weiterhin damit beschäftigt, die konkreten Folgen der Hurrikan-Schäden für das Wachstum der Weltwirtschaft zu analysieren. In den vergangenen Tagen waren die Kapitalmarktzinsen sowohl im Euro- als auch im Dollar-Raum bereits kräftig gefallen, da die Märkte negative Folgen für das Wachstum in den Industrieländern erwarten.

HB FRANKFURT/M.In Europa gingen die Kapitalmarktzinsen gestern dann verstärkt auf Talfahrt. Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer Sitzung zwar ihre Leitzinsen unverändert bei 2,0 Prozent belassen, jedoch gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für die Länder der Euro-Zone für das laufende Jahr nach unten revidiert. Analysten zeigten sich von diesem Schritt überrascht.

Die Kurse des Bund-Futures, der als Messlatte für die Rentenmärkte der Euro-Zone gilt, kletterten daraufhin über die Anfang Juli erreichten Rekordstände. Der September-Kontrakt stieg in der Spitze auf 124,35 Prozent, und schloss nur leicht darunter auf 124,34 Prozent, so dass sich letztlich gegenüber dem Schlussstand des Vortages ein Plus von 39 Basispunkten errechnete. Die Rendite zehnjähriger Euro-Staatsanleihen, die sich gegenläufig zu den Kursen der Anleihen entwickelt, sackte auf das neue historische Schlusstief von 3,06 Prozent, nachdem sie zuvor mit 3,05 Prozent auch ein Allzeit-Tief erreicht hatte.

Am US-Bondmarkt bot sich ein anderes Bild. Hier pendelten die Renditen nahezu konstant um 4,03 Prozent, nachdem sie in den Vortagen stark gefallen waren. Der mit 53,6 Punkten schwächer als erwartet (57 Punkte) nationale US-Einkaufsmanagerindex stützte die US-Treasuries nicht. Die Diskussionen der Experten an den Bondmärkten drehten sich zudem weiterhin unter anderem auch um die Frage, ob die Notenbanken in den USA und in Europa als Folge der Hurrikan-Schäden in der größten Volkswirtschaft der Welt möglicherweise einen Anlass für Veränderungen in ihrer Geldpolitik sehen könnten.

Allgemein wird auf Seiten der Analysten nicht damit gerechnet, dass die US-Notenbank ihre Politik der schrittweisen Leitzinserhöhungen unterbrechen oder gar beenden wird. Anthony Santomero, Chef der Federal Reserve Bank von Philadelphia, hatte zuvor bereits erklärt, der Hurrikan werde „den US-Konjunkturzug nicht zum Entgleisen bringen“. Die Fed werde, so Santomero, wegen der bestehenden Inflationsgefahren an ihrer Politik der Zinserhöhungen festhalten müssen.

Im Hinblick auf die von der EZB in den kommenden Wochen und Monaten zu erwartende Geldpolitik hält Ralf Umlauf vom Helaba Trust an „der Erwartung konstanter Leitzinsen für das Gesamtjahr 2005 fest“. Erwartungsgemäß ließ die EZB ihren Leitzins unverändert auf dem Stand von 2,0 Prozent.

Im Markthintergrund stand am Donnerstag der Rückgang des europäischen Einkaufsmanagerindex. Im August ist dieses Konjunkturbarometer von 50,8 auf 50,4 gefallen. Analysten hatten zuvor mit einem Anstieg auf 51,0 gerechnet. „Dies zeigt, dass es noch keine deutlichen Anzeichen für einen konjunkturellen Aufwärtstrend in Europa gibt“, kommentierte Rainer Sartoris, Experte von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Am Markt für neue Bonds kündigte die Eurohypo für Mitte Oktober einen mit Hypotheken gedeckten zehnjährigen Jumbo-Pfandbrief an. Konsortialführer sind Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank und UBS. Die Eurohypo ist der größte Emittent von Jumbo-Pfandbriefen.

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