Richard Woolnough
„Griechenland braucht eine neue Währung“

Griechenland sollte den Euro-Raum verlassen und die EZB sollte Geld drucken. Warum, das erklärt Richard Woolnough, Fondsmanager bei der britischen M&G Investments, im Interview.
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Handelsblatt: Herr Woolnough, in Griechenland wird es im Februar Neuwahlen geben. Wird Griechenland die Euro-Zone verlassen?
Ich weiß es nicht, aber wirtschaftlich sinnvoll wäre es, und auch rechtlich würde sich dafür ein Weg finden lassen. Natürlich würde die neu eingeführte Drachme dramatisch abwerten, und die Verluste für Besitzer griechischer Staatsanleihen wären enorm. Aber gerade Letzteres würde Griechenland ja nicht schaden, im Gegenteil: Seine Schulden wäre das Land ja dann los, und das ist gut für die dortige Wirtschaft.

Aber die Abwertung der neuen Drachme wäre für Griechenland doch schlecht: Griechenland ist keine Exportnation, Einfuhren könnten sich die Griechen kaum noch leisten, die Inflation würde in die Höhe schießen, die Wirtschaft  kollabieren und deshalb breite Bevölkerungsschichten verarmen ...
Ich glaube nicht, dass es so schlimm kommt. Und vor allem wäre Griechenland dann ein interessantes Investitionsland für ausländischer Anleger: Firmen könnten übernommen werden, Immobilien würden von Ausländern gekauft, der Tourismus würde boomen. Das würde das Land wieder nach vorne bringen. Kurzfristig wäre das Ganze natürlich ein Schock, auch für die weltweiten Finanzmärkte. Aber ich gehe davon aus, dass eine neue Währung in Griechenland funktionieren könnte.

Und wie ist es mit der Ansteckungsgefahr, dann würde doch sofort darauf spekuliert, dass auch andere Länder die Euro-Zone verlassen?
Die Herausforderungen für auch große Länder wie Italien und Spanien und natürlich auch für Irland und Portugal wären in diesem Fall natürlich groß. Verhindern könnte einen Flächenbrand aber die EZB, indem sie Geld druckt und sagen wir zum Beispiel 20 Prozent der Anleihen aller anderer Länder kauft. Lassen Sie mich bildlich werden: In Griechenland brennt es, das lässt sich kaum noch löschen. Aber es ist möglich eine Feuerschneise zu schlagen und so die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Das hätte man im Übrigen schon viel früher machen sollen. Griechenland galt vor der Einführung des Euros als Schwellenland und war einfach nicht reif für die Währungsunion.

Geld drucken? Das würde uns doch eine enorme Inflation bescheren...
Das sehe ich nicht so. Die Wirtschaft wäre dann immer noch schwach und schon das begrenzt den Preisauftrieb.

Kommentare zu " Richard Woolnough: „Griechenland braucht eine neue Währung“"

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  • Richard Woolnough ist ein Brite.

  • Noch so ein Klugsche....

  • Fragen Sie nie einen amerikanischen Fondsmanager zu einem europäischen Problem!

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