Richard Woolnough

„Griechenland braucht eine neue Währung“

Griechenland sollte den Euro-Raum verlassen und die EZB sollte Geld drucken. Warum, das erklärt Richard Woolnough, Fondsmanager bei der britischen M&G Investments, im Interview.
14 Kommentare
Richard Woolnough verwaltet als Fondsmanager bei der britischen M&G Investments in drei Anleihefonds 16 Milliarden Euro.

Richard Woolnough verwaltet als Fondsmanager bei der britischen M&G Investments in drei Anleihefonds 16 Milliarden Euro.

Handelsblatt: Herr Woolnough, in Griechenland wird es im Februar Neuwahlen geben. Wird Griechenland die Euro-Zone verlassen?
Ich weiß es nicht, aber wirtschaftlich sinnvoll wäre es, und auch rechtlich würde sich dafür ein Weg finden lassen. Natürlich würde die neu eingeführte Drachme dramatisch abwerten, und die Verluste für Besitzer griechischer Staatsanleihen wären enorm. Aber gerade Letzteres würde Griechenland ja nicht schaden, im Gegenteil: Seine Schulden wäre das Land ja dann los, und das ist gut für die dortige Wirtschaft.

Aber die Abwertung der neuen Drachme wäre für Griechenland doch schlecht: Griechenland ist keine Exportnation, Einfuhren könnten sich die Griechen kaum noch leisten, die Inflation würde in die Höhe schießen, die Wirtschaft  kollabieren und deshalb breite Bevölkerungsschichten verarmen ...
Ich glaube nicht, dass es so schlimm kommt. Und vor allem wäre Griechenland dann ein interessantes Investitionsland für ausländischer Anleger: Firmen könnten übernommen werden, Immobilien würden von Ausländern gekauft, der Tourismus würde boomen. Das würde das Land wieder nach vorne bringen. Kurzfristig wäre das Ganze natürlich ein Schock, auch für die weltweiten Finanzmärkte. Aber ich gehe davon aus, dass eine neue Währung in Griechenland funktionieren könnte.

Und wie ist es mit der Ansteckungsgefahr, dann würde doch sofort darauf spekuliert, dass auch andere Länder die Euro-Zone verlassen?
Die Herausforderungen für auch große Länder wie Italien und Spanien und natürlich auch für Irland und Portugal wären in diesem Fall natürlich groß. Verhindern könnte einen Flächenbrand aber die EZB, indem sie Geld druckt und sagen wir zum Beispiel 20 Prozent der Anleihen aller anderer Länder kauft. Lassen Sie mich bildlich werden: In Griechenland brennt es, das lässt sich kaum noch löschen. Aber es ist möglich eine Feuerschneise zu schlagen und so die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Das hätte man im Übrigen schon viel früher machen sollen. Griechenland galt vor der Einführung des Euros als Schwellenland und war einfach nicht reif für die Währungsunion.

Geld drucken? Das würde uns doch eine enorme Inflation bescheren...
Das sehe ich nicht so. Die Wirtschaft wäre dann immer noch schwach und schon das begrenzt den Preisauftrieb.

Niedrige Zinsen lösen die Probleme nicht
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Richard Woolnough - „Griechenland braucht eine neue Währung“

14 Kommentare zu "Richard Woolnough: „Griechenland braucht eine neue Währung“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Richard Woolnough ist ein Brite.

  • Noch so ein Klugsche....

  • Fragen Sie nie einen amerikanischen Fondsmanager zu einem europäischen Problem!

  • Genau...Frankreich hat uns den Euro eingebrockt und den deutschen Steuerzahler gerne für dessen Visionen eines Europas benutzt...nicht Deutschland ist das Problem für ein gemeinsames Europa , sondern die Rückständigkeit vieler Euroländer, die sich Ihren Sozialstaat auf Kosten der Deutschen aufrecht zu erhalten versuchten...die Zinsen waren ja günstig...wer konnte da schon nein sagen....Frankreich? Ist für mich zu wenig flexibel, um in Europa noch den Takt vorgeben zu können. Und manchmal ist ein Schritt zurück auch besser, als halsüberkopf ins unüberlegte Verderben zu rennen...eins, zwei, drei hat es Deutschland dann auch geschafft, seine bürger den anderen Ländern resteuropas gleichzusetzen...Mit allen bösen Konsequenzen.

  • Es kann einfach nicht sein, dass diese Politwitzfiguren Ihre Streitigkeiten auf Kosten der Anleger am Finanzmarkt auskaspern.....

    Eigentlich gehören denen Konditionalstrafen aufgebrummt...

  • Und davor schön PUTs auf den DAX gekauft warscheinlich... haha

  • Wie soll sich eine Volkswirtschaft entwickeln, wenn Herr Wucherzins ständig den Mehrwert abschöpft? Das Interview war überflüssig.

  • Griechenland soll doch gar nicht gerettet werden. Griechenland ist nur Mittel zum Zweck um europa- und weltweit die Schuldenbremse, Lohnverzicht, Volksverdummung und Entdemokratisierung durchzusetzen. Frei nach dem Motto: Tut schön was wir sagen und spart schön, damit unsere Politikerpensionen weiter sicher sind, denn sonst gehts Euch wie den Griechen. Und die Amis haben am Beispiel Irak gezeigt, dass man ein Land, dwelches man in die Knie zwingen will, erst mal anhand vorhandener Schwächen (Saddam) durch gezielt gestreute Gerüchte diffamieren muss (Massenvernichtungswaffen), um ihm dann den Todesstoss zu versetzen. Die Griechen können machen was sie wollen, die kommen nach der Rufmordkampagne nur noch schwer auf die Beine, selbst wenn jetzt alles vorbildlich laufen würde.Ich habe Anhänger von Verschwörungstheorien lange für bekloppt gehalten, aber mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass Amis und Briten hier im Hintergrund die Fäden ziehen.

    Zu den griechischen (dh bald amerikanischen) Erdölvorkommen siehe Handelsblatt von heute: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/griechenland-will-oel-foerderung-ausbauen/5788310.html

  • Bitte endlich mal diese eiskalten, verlogenen Lobbyisten aussschalten und kompetente, unabhängige und Bürger-orientierte Fachleute zu Wort kommen lassen.
    Das ist ja unerträglich, was - nicht nur hier im Handelsblatt - wir hier ständig für frechste, verlogendste Forderungen aufgetischt erhaltenvon eigensüchtigen Lobbyisten oder Hörigen der Parteifunktionärskader.

  • Ich verstehe die Kurzsichtigkeit/Dummheit der sogenannten Fachleute nicht, die immer immer wieder zügellose Gelddruckerei/Staatsanleihenkäufe als Ersatz für ein Wachstumsmodell empfehlen und für kein Problem halten. Das ist doch völlig absurd. Spätestens wenn alle Marktteilnehmer den Glauben an einen Rest-Stabilitätswillen bei den Nietenbanken (Notenbank möchte ich die Falschgelddrucker nicht nennen) verlieren, wird die Inflation bei den Endverbrauchern ankommen. Davor wird alles mögliche anderes inflationiert (Assets, Derivate, Bilanzen usw.) was aber auch schon höchst ungesund ist, weil es Preise verzerrt und damit Kapital fehllleitet und den Innovationsdruck aus Wirtschaft und Politik mit der Droge ungedeckten Geldes unterdrückt. Fatale Folge: der im Untergrund schwelende Reformstau wird immer größer und sich irgendwann in einer unkontrollierbaren Explosion Bahn brechen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%