Risikoaufschläge steigen
Ringen um Hilfen für Irland belastet die Märkte

Vor der Tagung der europäischen Finanzminister heute in Brüssel zeigen sich die Finanzmärkte nervös. Unklar ist, wie Irland sein Bankensystem stabilisieren kann. Die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen steigen wieder an.
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BRÜSSEL/FRANKFURT. Die anhaltende Unsicherheit über die Zahlungsfähigkeit Irlands belastet zunehmend die Märkte. Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, sagte am Rande einer Finanzkonferenz in Frankfurt, dass die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern wie Irland und Portugal die Anleger verunsichere und zu hohen Kursschwankungen an den Märkten führe. Potenzielle Zahlungsprobleme einzelner Staaten blieben ein Risiko für den Marktausblick, warnte Jain, der als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt wird.

Auch die Tagung der europäischen Finanzminister in Brüssel heute dürfte keinen Durchbruch bei der Frage geben, ob Irland Hilfen der EU-Partner in Anspruch nehmen wird. So sagte Irlands Premierminister Brian Cowen, er rechne nicht damit, dass auf der Tagung eine konkrete Vereinbarung erreicht werde, um die Fiskalkrise zu lösen. Irland erörtere mit seinen Partnern, wie das Bankensystem des Landes am besten stabilisiert werden könne, sagte Cowen am dem staatlichen Fernsehsender RTE. Irland habe jedoch nicht um eine Stützungsaktion gebeten, betonte er.

Die Reaktion der Märkte ist eindeutig. Der Risikoaufschlag (Spread) der zehnjährigen irischen Bonds zur Bundesanleihe stieg am Dienstag um 13 auf 575 Basispunkte. Auch die Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren irischen Kredites gegen Zahlungsausfall mittels Credit Default Swaps (CDS) mit fünf Jahren Laufzeit stieg auf 507 000 Euro. Griechische und portugiesische CDS legten ebenfalls zu.

Im Vorfeld des Treffens der Finanzminister treibe Ungewissheit die Anleger, sagte ein Händler. Viele Investoren rechnen damit, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Irland den EU-Rettungstopf anzapfen wird. In der vergangenen Woche hatten die irischen Spreads mit 680 Basispunkten neue Rekordwerte erreicht. Die CDS-Versicherung gegen den Zahlungsausfall eines zehn Millionen Euro Kredits kostete 625 000 Euro. Die anhaltenden Sorgen um die irischen Staatsfinanzen waren neben der möglichen Zinserhöhung in China auch einer der Gründe dafür, dass der deutsche Aktienmarkt am Dienstag wieder unter Druck stand. Für den Dax ging es am Mittag um 0,56 Prozent auf 6752 Punkte nach unten. Der MDax verlor 0,77 Prozent auf 9352 Punkte, der TecDax büßte gar 1,19 Prozent auf 779 Punkte ein.

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  • @ halloaberauch
    Wahrscheinlich ist aber dass dies mit Absicht geschieht, wenn die Kreditwürdigkeit anderer Euro-Länder schlecht ist werden die Zinsen für deutsche Anleihen niedriger. Auch eine niedrigere bewertung des Euro wird dadurch erreicht, was für den Export von Vorteil ist. Manche gehen eben über Leichen...!

  • Ein Austritt Deutschland aus der Eurozone ist die einzige Lösung. Zur Zeit verhält sich Deutschland sehr anti-europäisch. Deutschland profitiert, durch den Export in die andere Euro-Länder, am meisten von der Eurozone. Es ist doch klar dass man nicht beides, die Milch und den Erlös aus dem Milchverkauf, haben kann. Das scheint man in Deutschland aber nicht verstehen zu können oder zu wollen. Durch den Austritt Deutschland aus der Eurozone wären die andere EU-Länder, was den Export betrifft, mit einem niedriger bewerteten Euro, wieder wettbewerbsfähig. Solange Deutschland als Exportweltmeister zur Eurozone gehört wird der Euro aber überbewertet bleiben. Der realistische Wechselkurs des Euro liegt bei 1,20 zum US-Dollar. Die USA werden eine niedrigere bewertung des Euro nicht zulassen solange Deutschland zur Eurozone gehört.

  • Wenn man so durch den deutschen blätterwald wandert, kommt man sehr schnell zu der Ansicht, dass Kiesen zum großen Teil sensationslüstern von den Medien herbei geredet werden. Da geht es um Ausfallkredite für Portugal und irland. Da sieht man am Horizont schon wie Spanien und italien in die Knie geht von Griechenland ganz zu schweigen. Krisen sollte man lösen und nicht kriminell erzeugen bzw. heimtückisch nach dem St. Floriansprinzip herbeireden und inszenieren. Wer da einfach mitmacht ist letztendlich am Untergang ganzer Nationen mitschuldig.

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