Risikobewusste Privatanleger haben mehrere Möglichkeiten
Wette auf Wende bei Anleihen kann sich lohnen

Dass Anleihen keineswegs langweilige Kapitalanlagen sind, hat die jüngste Zeit bewiesen. Die Kurse stiegen und stiegen. Der Nimbus vom soliden Investment trug sicherlich dazu bei. Allerdings schlugen vielleicht auch deshalb viele Anleger Warnungen vor einer Kursblase in den Wind – und machten die Erfahrung, dass man auch mit Top-Staatsanleihen nicht immer auf der sicheren Seite ist.

FRANKFURT/M. Denn jetzt ist zumindest sehr viel Luft aus der Blase entwichen, vor allem in Japan. Zur Überraschung des japanischen Notenbankchefs Toshihiko Fukui übrigens. Denn der hatte noch Mitte Juni angekündigt, die Anleihezinsen dürften stabil auf niedrigem Niveau verharren. Fukui irrte sich: Die Rendite 10-jähriger Yen-Staatsbonds schnellte vom Mitte Juni erreichten Rekordtief bei 0,43 % in nur einem Monat auf zeitweise 1,4 % in die Höhe. Doch auch im Euro- und im Dollar-Raum schossen die Renditen von ihren 50-Jahrestiefs kräftig in die Höhe. Der 10-jährige Eurozins stieg in nur vier Wochen von 3,43 % auf fast 4 % und der Dollarzins mit gleicher Laufzeit vom historischen Tief bei 3,09 % auf etwa 3,80 %. Dieser Zinsanstieg ging mit kräftigen Kursverlusten für Anleihekäufer einher.

Hohe Buchverluste erlitten vor allem jene Anleger, die auf dem steilen Zinsweg nach unten bei einem Renditeniveau von 0,5 % in Japan, 3,5 % in der Euro-Zone und 3,10 % in den USA noch auf den Zug aufsprangen und sich - wie von einigen Finanzhäusern empfohlen - massiv in Anleihen engagierten. Die Verluste schlagen jedoch nur dann direkt durch, wenn der Anleger seine Anleihe-Positionen verkauft. Hält er seine Position bis zur Endfälligkeit so erhält er eine 100 %ige Rückzahlung. Sollte der Euro-Zins inzwischen auf angenommen 4,5 % steigen, hat der Anleger gleichwohl kein gutes Geschäft gemacht. Denn er hätte sein Geld ja gewinnbringender investieren können.

An einer Trendwende können Anleger aber durchaus auch verdienen, müssen dafür aber risikobereit sein. Wenn geschulte Investoren auf exorbitante Veränderungen in der Zinsrichtung setzen, engagieren sie sich in Optionen, Optionsscheinen (Warrants) und anderen Hebelprodukten. So hat zum Beispiel der Anleger mehr als 300 % Gewinn in drei Wochen verbucht, der im Juni einen Put-Optionsschein auf den Kurs 10-jähriger US-Staatsanleihen gekauft und vor einigen Tagen wieder veräußert hat. Die Rendite der Anleihe, auf dem der Schein basierte, stieg in diesem Zeitraum von 3,09 auf 3,80 %.

Wer mit steigenden oder fallenden Renditen der Staatsanleihen großes Geld verdienen will, muss sich also auf den Derivatemarkt wagen. In der möglicherweise bevorstehenden länger anhaltenden Phase steigender Kapitalmarktzinsen bleibt Anlegern keine Alternative zu Derivaten, wenn sie an sinkenden Kursen verdienen wollen. Denn steigen die Anleiherenditen, so sinken die Kurse der Anleihen. Auf direktem Weg, über den Kauf von Anleihen, lassen sich für private Anleger bei steigenden Zinsen mithin keine Kursgewinne erzielen.

Risikobewusste Privatanleger haben mehrere Möglichkeiten. Banken wie UBS und Dresdner Bank bieten neben Call-(Kauf-) auch Put-Warrants auf Anleihen und Anleihen-Futures. Dem Bund-Future liegen deutsche Bundesanleihen, dem T-Note-Future US-Staatsanleihen zugrunde. Put-Optionsscheine steigen im Kurs, wenn die Kurse der Anleihen oder aber der Anleihe-Futures sinken.

Optionsscheine haben einen Hebel, der dazu führt, dass sich Kursbewegungen der Anleihen überproportional im Optionsschein auswirken. Ein Nachteil von Optionsscheinen liegt in ihrer begrenzten Laufzeit. Verspekuliert sich der Anleger beim Einstiegszeitpunkt, nützt es ihm wenig, wenn die erwartete Bewegung etwa nach zwei Jahren eintritt. Denn dann ist der Schein bereits wertlos verfallen.

Hier liegt der Vorteil von Open-End-Zertifikaten, die keine Laufzeitbeschränkung aufweisen. Die auch als Mini-Futures bezeichneten Instrumente folgen – mit Hebel – den Futures-Kursen. ABN Amro gehört zu den größten Emittenten. Die Niederländer bieten Long- und Short- Produkte auf Euro-, US- und Yen-Futures. Hier müssen Anleger beachten, dass sie nicht ausgebremst werden. Bei Mini-Futures sind Stopp- Loss-Kurse eingebaut, die den automatischen Verkauf auslösen, wenn der Terminkontrakt einen bestimmten Kurs erreicht.

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