Riskantes Spiel
Ramschkredite mit Staatshilfe

In den USA kehren die berüchtigten, zweitklassigen Hypotheken zurück, die die Finanzkrise maßgeblich ausgelöst haben. Im Mittelpunkt stehen dabei ausgerechnet staatseigene Baufinanzierer. Offenbar ist politisch gewollt, dass die Federal Housing Association gemeinsam mit der staatlichen Finanzierungsagentur Ginnie Mae den Markt wieder ankurbelt.
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New York. Ausgerechnet staatseigene Baufinanzierer sind derzeit in den USA Steigbügelhalter für die Rückkehr der berüchtigten, zweitklassigen Hypotheken. Sie vergeben oder garantieren wieder genau die Kredite, die die Finanzkrise maßgeblich ausgelöst haben. "Die Federal Housing Association (FHA) hat dieses Segment wiederbelebt", heißt es in einer Studie der Niederlassung der US-Notenbank in San Francisco. Nach dem Zusammenbruch des Marktes im vergangenen Jahr sei der Anteil dieser Kredite bei der FHA nun wieder auf 20 Prozent gestiegen. Damit ist er sogar höher als während des Booms der Subprime-Kredite, schreibt Fed-Volkswirt John Krainer.

Bei Subprime-Krediten handelt es sich um Darlehen an Kunden niedriger Bonität. In den Boomzeiten des US-Immobilienmarktes wurden sie in Anleihen verpackt und an Investoren verkauft. Als die Blase am Immobilienmarkt platzte, brach der Markt für die Verbriefung von Hypotheken durch Privatinstitute zusammen. Offenbar versucht nun die FHA gemeinsam mit der staatlichen Finanzierungsagentur Ginnie Mae, in die Bresche zu springen und den Markt wieder anzukurbeln.

Das ist politisch gewollt. Weil die Banken mit sich selbst zu kämpfen haben, ist es vor allem für Hauseigentümer mit schwacher Bonität fast unmöglich geworden, Darlehen zu bekommen. In den USA gibt es daher eine Vielzahl staatlicher Förderprogramme, die versuchen, die Lücken zu füllen. Die Kredite landen dann meist in Form von Anleihen bei den staatlichen Finanzierern Ginnie Mae, Freddie Mac oder Fannie Mae. Diese Agenturen "stellen oder garantieren auf bislang nie da gewesene Weise 95 Prozent der neu ausgegebenen Hypotheken", so Krainer. Die Politiker wollen damit nicht nur sozialpolitische Ziele erreichen. Sie hoffen auch, den Wohnungsmarkt zu stabilisieren. Denn selbst Bürger mit höheren Einkommen können angesichts der massiv gesunkenen Immobilienpreise kaum nötige Anschlussfinanzierungen für auslaufende Kredite bekommen. Der Wert der Gebäude bietet nicht mehr genug Sicherheit. Die Hoffnung der Regierung: Stellt sie Kredite zur Verfügung, könnten die Häuserpreise wieder steigen. Die Strategie ist aber riskant. Einige Experten befürchten, die Regierung finanziere sogar die nächste Blase.

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