Rohstoffboom beschert Region Konjunkturerholung
Südamerika-Anleihen locken zum Einstieg

Südamerikas Anleihemärkte sind bekannt für ihre hohen Renditen. Bislang war allerdings auch das Risiko von Zahlungsausfällen entsprechend hoch. Doch nun sorgen in den meisten Ländern der Region der anhaltende Rohstoffboom und eine konservative Haushaltspolitik dafür, dass erneute Schuldenkrisen wie die vor drei Jahren in Argentinien, Uruguay und Brasilien kaum zu befürchten sind.

BUENOS AIRES. Die wichtigsten Volkwirtschaften der Region haben sich ökonomisch soweit stabilisiert, dass selbst politische Skandale und die Aussicht auf baldige Präsidentschafts- und Kongresswahlen in nicht weniger als 21 lateinamerikanischen Ländern den Anlegern keine Sorgen mehr machen müssen.

Selbst Argentinien ist, nachdem das Land seine radikale Umschuldung beendet hat, in deren Rahmen die Gläubiger auf 75 Prozent ihrer Forderungen verzichten mussten, auf dem Weg in die finanzpolitische Normalität. Jetzt erklärten die Kreditratingagenturen die Zahlungsunfähigkeit des Landes offiziell für beendet, und prompt sanken die Risikospreads der umgeschuldeten Anleihen von 64 Prozent auf nur noch knapp 9 Prozent. Damit steht der internationale Kapitalmarkt wieder offen für Argentinien.

Zwar liegt das Verhältnis Gesamtschulden zu Bruttoinlandsprodukt noch immer bei 72 Prozent. Auch gelang es Argentinien noch nicht, ein neues Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds abzuschließen. Doch eine rasante Konjunkturerholung sorgt dafür, dass die Staatskassen und auch die Devisenreserven der Zentralbank (22 Mrd. Dollar) wohlgefüllt sind. Obwohl im Oktober Kongresswahlen anstehen und der Druck auf die Regierung groß ist, ihre Ausgaben zu steigern, erwirtschaftet die Zentralregierung weiterhin einen primären Haushaltsüberschuss von etwa 4 Prozent. Die Gefahr eines neuen Zahlungsausfalls scheint daher vorerst gebannt.

Vor diesem Szenario sind die argentinischen Titel mit ihren hohen Renditen sehr attraktiv. „Wir stocken unser Kontingent an Argentinien-Bonds auf“, schreiben die Analysten von Merrill Lynch.

Auch in Südamerikas größtem Schuldnerland, Brasilien, können politische Wirren die Anleger heute nicht mehr aus der Ruhe bringen – auch wenn im Zuge eines sich ausweitenden Korruptionsskandals in der vergangenen Woche der Kabinettschef zurücktrat. Fast täglich muss Präsident Lula da Silva nun neue Vorwürfe gegen seine Regierung zurückweisen, was seine Wiederwahl bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gefährdet.

Doch die Risikoaufschläge auf brasilianische Bonds blieben über die letzten Wochen praktisch auf dem Normalniveau von etwas über 4 Prozent. „Wir sind überzeugt, dass zumindest ein Teil von Brasiliens gegenwärtig starker Finanzposition auch über die gegenwärtige Regierung hinaus bestehen bleibt, das gilt auch für die institutionelle Struktur der Wirtschaftspolitik und einen öffentlichen Konsens für makroökonomische Stabilität“, heißt es bei der Bank Merrill Lynch, die Brasilienanleihen weiter übergewichtet.

Grund für den Optimismus der Anleger ist die strikte Haushaltsdisziplin der Regierung. Angesichts der überraschend niedrigen Inflationszahlen im Juni sind Analysten nun optimistisch. „Die Zentralbank wird die Zinsen schneller und aggressiver senken als die meisten Brasilien-Beobachter derzeit erwarten“, sagt Gray Newman von Morgan Stanley.

Am erfolgreichsten im bisherigen Jahresverlauf waren jedoch kolumbianische Anleihen. Die verbesserte Sicherheitslage kurbelt die Wirtschaft an, außerdem gelang es der Regierung kürzlich, eine Rentenreform durch den Kongress zu bringen, die ab 2010 Einsparungen von etwa 15 Prozent für den Fiskus bringt. Die Anleihekurse spiegelten diese Nachricht mit einem deutlichen Plus wieder.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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