Rubel-Anleihen
Angst vor Kapitalkontrollen treibt Renditen

Am russischen Anleihemarkt zeigt sich die Furcht der Anleger vor möglichen Kapitalkontrollen. Die Regierung von Präsident Wladimir Putin könnte so versuchen, den galoppierenden Wertverlust des Rubels zu stoppen.
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MoskauInvestoren fordern für in Rubel denominierte Anleihen, die in Moskau gehandelt werden, derzeit einen deutlich höheren Aufschlag gegenüber Rubel-Bonds, die in London oder an anderen internationalen Handelsplätzen notiert werden. Der Renditeabstand ist laut Bloomberg-Daten auf 0,66 Prozentpunkte geklettert und damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2013. Noch im September lag er bei 0,03 Prozentpunkten.

Unter Wechselkursschwankungen des Rubels leiden die Renditen beider Anleihe-Kategorien. Investoren, die die in Moskau gehandelten Papiere halten, tragen jedoch das zusätzliche Risiko, dass sie nicht an ihr Geld herankommen – wenn Russland Beschränkungen für Kapitaltransaktionen einführen würde. Spekulationen auf eine solche Maßnahme haben sich verstärkt, nachdem der Preis für Russlands wichtigstes Exportgut, Öl, eingebrochen ist. Der Rubel befindet sich seit Beginn des Konfliktes mit der Ukraine auf Talfahrt.

Solche Maßnahmen sind „wahrscheinlich und werden immer wahrscheinlicher, da die Währung fällt und die Märkte im Lande immer weniger funktionieren”, sagte Paul McNamara, Vermögensverwalter bei GAM UK. Er macht nach eigenen Angaben einen Bogen um den lokalen Bondmarkt, weil er Kapitalkontrollen befürchtet. „Schaut man sich die Logik der russischen Regierung an, ist es wahrscheinlich, dass der Staat seine Macht nutzt.”

Die Rendite dreijähriger in Russland gehandelter Rubel-Bonds ist in der vergangenen Woche um 1,9 Prozentpunkte auf ein Rekordhoch von 12,9 Prozent gestiegen. Eine vergleichbare Rubelanleihe, die außerhalb Russlands gehandelt wird, rentiert mit 12,24 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen. Der Abstand von 66 Basispunkten ist der höchste seit Januar 2013. Damals öffnete Russland seinen Anleihemarkt für ausländische Investoren. Zum Vergleich: über die vergangenen zwei Jahre lag der Renditeabstand bei durchschnittlich zehn Basispunkten.

Obwohl Russland die Leitzinsen in diesem Jahr viermal angehoben und mehr als 90 Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt geworfen hat, konnte der Rubel bis jetzt nicht stabilisiert werden. Am Dienstag fiel die russische Währung in Moskau 0,9 Prozent auf 54,2285 je Dollar, nachdem sie am Vortag bereits um 2,4 Prozent eingebrochen war.

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„Harte“ Maßnahmen gegen Spekulanten

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