Sanierungsplan
Dubai will Gläubiger bei der Stange halten

Die hochverschuldete Investment-Gesellschaft Dubai World will Gläubiger mit einem umfassenden Sanierungsplan besänftigen. Das Emirat plant eine Umschuldung, Investoren müssen auf einen Teil ihrer Forderung verzichten. Auch wenn die Schuldenlast weniger groß ist als zunächst befürchtet, wird der Schuldendruck Dubai zu außergewöhnlichen Schritten zwingen.
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DUBAI. Der Konzern führe mit Banken "konstruktive Gespräche" über die Umschuldung von 26 Mrd. Dollar, teilte Dubai World mit. Darunter seien auch die Außenstände der Immobilien-Töchter Nakheel und Limitless. Nicht betroffen seien aber profitable Unternehmen wie der Hafenbetreiber Dubai Ports World oder die steuerfreie Sonderzone Jebel Ali. Das Restrukturierungs-Konzept laufe allerdings darauf hinaus, dass Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten, betonte das Finanzministerium in Dubai.

Dubai hatte in der vergangenen Woche wegen einer nötigen Umstrukturierung des Staatsfonds Dubai World Gläubiger um einen Zahlungsaufschub von einem halben Jahr gebeten. Das Emirat hat insgesamt Schulden in Höhe von 80 Mrd. Dollar angehäuft, davon hat 59 Mrd. Dollar das Konglomerat zu verantworten. Der Staatsfonds ist mit der Baufirma Nakheel unter anderem für den Bau der künstlichen Luxus-Palmeninseln vor der Küste des Wüstenstaats zuständig.

Die Panik ist gewichen

Die Finanz-Branche am Persischen Golf geht davon aus, dass der Verzicht auf Forderungen auch für die islamische Nakheel-Anleihe über 3,5 Mrd. Dollar gilt, die am 14. Dezember fällig wird. Da aber nach Ansicht von Fachleuten der Großteil der Gläubiger aus lokalen Geldgebern besteht, wird dies als weniger problematisch angesehen.

Der Sanierungsplan sorgte an den Märkten weltweit für Erleichterung. "Jetzt, da sie die 26 Mrd. Dollar genannt haben, verringert das ein bisschen die Panik, die sich in den vergangenen Tagen aufgebaut hat", kommentierte Nick Chamie vom Finanzhaus RBC Capital in Toronto. "Die Dubai-Sorgen scheinen sich zu verflüchtigen", sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Die Finanz-Experten reagierten damit auf die verringerte Gesamtschuldenlast von Dubai World. Bislang war von 59 Mrd. Dollar die Rede. Nach Angaben von Dubai World betragen die Kern-Verbindlichkeiten jedoch eben nur 26 Mrd. Dollar. Die Ratingagentur Moody's schätzt, dass mit acht Mrd. Dollar der größte Brocken davon auf das Konto der Entwicklungs-Gesellschaft Nakheel geht, die die weltweit vermarktete, künstlichen Insel Palm Jumeirah angelegt hatte.

In Dubaier Finanzkreisen wurde der Schuldenbetrag als realistisch bezeichnet. Die ursprünglich angegebenen 59 Mrd. Dollar sei eine Brutto-Summe, die auch Verbindlichkeiten von Dubai World gegenüber anderen staatlichen Einheiten beinhalte, hieß es. So sei etwa der Entwicklungsgesellschaft Nakheel von der Regierung in großem Umfang kostenlos Land zugewiesen worden. Nach der Erschließung und Bebauung von Grundstücken hätten die Behörden später einen fiktiven Wert festgesetzt. Dieser sei wegen der rasanten Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt zum Teil sehr hoch taxiert worden. "Die Regierung von Dubai wird trotz der Zahlungsschwierigkeiten kaum die Daumenschrauben gegenüber ihren eigenen Unternehmen anziehen", meinte aber ein Banker.

Dubai hat Kredit verspielt

Die Geldhäuser der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai und Abu Dhabi gehören, sind offenbar weniger in die Schuldenkrise Dubais verwickelt als zunächst befürchtet. Nach einem Bericht von Moody's sitzen die Institute auf 15 bis 20 Prozent der Außenstände von Dubai World. Bei einem Gesamtvolumen von 26 Mrd. Dollar wären dies etwa fünf Mrd. Dollar. Von diesem Betrag müssten die Banken der Emirate 15 bis 30 Prozent abschreiben, was auf eine Brutto-Belastung von maximal 1,6 Mrd. Dollar hinauslaufe, so Moody's. Am Dienstag verminderten sich auch die Sätze für die Kreditausfallversicherungen (CDS) Dubais.

Dennoch rechnen Experten damit, dass der Schulden-Druck Dubai zu außergewöhnlichen Schritten zwingt. "An den Kapitalmärkten bekommt das Emirat auf absehbare Zeit keinen Cent", betonte ein Bankchef. Um den Schuldenberg zu vermindern, müsse Dubai einige seiner internationalen Assets wie zum Beispiel Grundstücke verkaufen oder Beteiligungen zulassen, heißt es.

ACI-Fonds

Schließung: Rund 5 000 Anleger lockte die Alternative Capital Investment (ACI) aus Gütersloh in geschlossene Immobilienfonds, sammelte nach eigenen Angaben 120 Mio. Euro ein. Fließen sollte das Geld in Grundstücke und Büros in Dubai, die Anleger sollten vom Verkauf profitieren. Doch im Dezember 2008 wurden die Fonds geschlossen, weil sich das Steuerrecht änderte.

Angst vor Verlusten: Ein Käufer sollte die Objekte übernehmen, musste aber wegen der Finanzkrise passen. Jetzt zittern die Anleger um ihr Geld und vermuten ein Schneeballsystem. ACI wies die Vorwürfe zurück. sos

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Sanierungsplan: Dubai will Gläubiger bei der Stange halten"

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  • Herr Josef Kleindienst hat angeblich mehrere Inseln auf der World gekauft und wollte diese bebauen und vermarkten. Können die Investoren-Käufer mit dem Bau noch rechnen oder haben diese Hoffnung auf die Rückzahlung der bereits getätigten Investitionen?

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