Scharia-gerechte Anlagen
Islamische Bankprodukte mit schwerem Stand

Das Potential von zinsfreien Anlagen nach islamischem Recht scheint groß. Trotzdem haben die Anbieter Schwierigkeiten, die Produkte gut zu bewerben.
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FrankfurtHoch oben, im 26. Stock des Frankfurter Opernturms, lassen sich schöne Geschichten erzählen. Die Sonne scheint in den Konferenzraum, die Luft über der Finanzmetropole ist klar. Ein Ort der Zuversicht, wie geschaffen für die Tagung, zu der die Beratungsgesellschaft Ashurst geladen hat. Sie trägt den Namen „Arabien erwacht“. Zwei Tage wird geredet über historische Momente, etwa darüber, dass Hosni Mubarak, der entmachtete ägyptische Despot, in U-Haft sitzt; vor allem aber geht es ums Geld.

Der Markt für Islamic Banking, also das Geschäft mit zinsfreien Bankprodukten nach islamischem Recht (Scharia) sei riesig, sagt Moderator Zaid Al-Mogaddedi. Al-Mogaddedi ist Chef des Institute for Islamic Banking and Finance und damit oberster Werber für das Thema. Er sagt, was er immer sagt, seit Jahren schon: „Das Potenzial wird unterschätzt.“ Mit dieser Meinung, wen wundert’s, ist Al-Mogaddedi nicht allein. Ein Viertel der Weltbevölkerung sei muslimisch, die meisten davon lebten in Entwicklungsländern und hätten noch kein Bankkonto, ergänzt Neil Miller, Vorsitzender für Islamic Finance bei der Unternehmensberatung KPMG. „Hier gibt es Chancen auf Wachstum.“

Dummerweise gibt es ein Problem: die Realität. Islamic Banking ist noch nicht angekommen in der Welt. Nicht in den Schwellenländern, auch nicht in Deutschland, dem Land der unzählbaren Finanzprodukte. Dabei leben hier um die vier Millionen Moslems. Ein riesiger Markt – theoretisch. Doch die hiesigen Kreditinstitute sind vorsichtig. Die Commerzbank mischt ein bisschen mit, die Deutsche auch. Hausieren geht mit dem Thema aber niemand. Scharia und Finanzen – irgendwie passt das nur schwer zusammen. „Zu kompliziert, schlecht für den Ruf, außerdem nicht lukrativ“, sagt ein Banker. Die Islamic Bank of Britain ist seit ihrer Gründung vor sieben Jahren noch nicht profitabel.

Die Islamic-Finance-Fraktion startet trotzdem einen neuen Anlauf: Neben dem Privatkundengeschäft soll nun das Investment-Banking beworben werden. Man kann sogar auf Erfahrungen zurückgreifen, allerdings auf schlechte. Sachsen-Anhalt hat 2004 einen Sukuk, eine Scharia-konforme Anleihe, begeben. Doch Investment-Banking auf islamisch ist kompliziert. Die Sukuks müssen immer so strukturiert werden, dass die Anleihekäufer direkt an dem Geschäft beteiligt sind, für das das Geld aufgenommen wird. Sachsen-Anhalt hatte für seinen Sukuk die Immobilien seiner Finanzämter nach Holland verkauft und zurückgemietet. Trotzdem wurde die Anleihe nicht von einem Scharia-Gelehrten abgesegnet – und so landete sie am Ende nicht in den Depots arabischer Investoren, sondern bei deutschen Landesbanken.

Damit sich solche Fehler nicht wiederholen, ist eine Delegation aus Dubai eingeflogen; im Gepäck hat sie ein fast 200 Seiten starkes Adressbuch mit Ansprechpartnern aus der islamischen Finanzwelt, inklusive der Kontaktdaten von Scharia-Gelehrten, die Bankprodukte zertifizieren. Doch das Interesse der deutschen Geldhäuser ist nicht besonders groß. Viele Stühle sind unbesetzt. Wenige Banker sind gekommen, mancher schnell wieder verschwunden. Immerhin: Gerüchten zufolge spricht die Commerzbank mit VW und BMW über ein Sukuk, HSBC mit der Deutschen Bahn.

Es ist eine mühsame Mission für die Islamic Banker. In den Pausen stehen sie bei Baklawa und Mangolassi zusammen, schauen hinüber zu den Bankentürmen. Sie geben nicht auf: Ihre Produkte sind gut, das wird die westliche Welt irgendwann verstehen; man muss es ihr nur oft genug erzählen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

Kommentare zu " Scharia-gerechte Anlagen: Islamische Bankprodukte mit schwerem Stand"

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  • Gibt es Quellen dazu, welcher Gelehrte den Sukuk von Sachsen-Anhalt nicht akzeptiert habe und welche Landesbanken den Sukuk gehalten haben sollen? Das ist mir neu und meine Informationen (vom arabischen Käufer) decken sich damit nicht.

    Mit freundlichen Grüssen

    Michael Gassner
    http://www.islamicfinance.de

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