Schatzanweisungen
Deutschland sammelt Milliarden fast zum Nulltarif ein

Deutschland hat am Montag Milliarden zu rekordniedrigen Zinsen eingesammelt. Die zu zahlende Rendite lag mit 0,0264 Prozent erneut nahe null. Grund ist die Schuldenkrise - Investoren suchen nach sicheren Häfen.
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FrankfurtDeutschland hat sich am Montag abermals fast zum Nulltarif frisches Geld besorgt. Mit unverzinslichen Schatzanweisungen über zwölf Monate sammelte der Bund drei Milliarden Euro ein, wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Die zu zahlende Rendite lag mit 0,0264 Prozent erneut nahe null. Zudem ist es die niedrigste jemals erzielte Rendite in dieser Laufzeit. Die Nachfrage hätte ausgereicht, um mehr als das Doppelte des Angebots zu bedienen.

Grund ist die Schuldenkrise, die Investoren händeringend nach sicheren Anlagen suchen lässt. Die zeigt auch die Entwicklung am Markt, wo bestehende Anleihen gehandelt werden. Dort sinken die Renditen deutscher Anleihen nahezu täglich auf neue Tiefstände.

Zuletzt hatte sich Deutschland im April frisches Geld für 12 Monate besorgt. Seinerzeit hatte die Rendite mit 0,0743 Prozent noch etwas höher gelegen.

Am Anleihemarkt Spaniens hat sich die Lage zu Wochenbeginn trotz abermals ungünstiger Haushaltszahlen entspannt. Die Regierung hatte das Staatsdefizit für 2011 zum dritten Mal angehoben. Es beläuft sich nunmehr auf 8,9 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) nach zuvor vorhergesagten 8,5 Prozent. In allen Laufzeiten gingen die Renditen für spanische Staatsanleihen leicht zurück. In der vergangenen Woche hatte sich die Lage noch stark verschlechtert, die Risikoaufschläge spanischer gegenüber deutschen Staatsanleihen waren auf neue Rekordstände gestiegen.

Im richtungsweisenden Zehnjahresbereich sank die Rendite am spanischen Rentenmarkt am Montag leicht um zwei Stellen auf rund 6,2 Prozent. Das Renditeniveau ist aber immer noch bedenklich: Höher hatte es nach der Euro-Einführung nur im Herbst 2011 gelegen, als die Rendite deutlich über 6,5 Prozent gestiegen war. Seinerzeit hatte sich die Europäische Zentralbank (EZB) dazu gezwungen gesehen, die Lage mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine Billion Euro zu beruhigen. Die Wirkung dieser Liquiditätsflut hat zuletzt aber nachgelassen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schatzanweisungen: Deutschland sammelt Milliarden fast zum Nulltarif ein"

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  • Folgerichtig darf man bald Schatzanweisungen und andere Staatstitel erwarten, bei denen der Gläubiger die Zinsen anden Schuldner zahlt und dann mit einem Forderungsausfall rechnen muß (siehe Griechenland) ...

  • Das geht solange gut, solang sich Deutschland nicht in die Eurobonds-Haftung begibt.

    Als das Gespenst Eurobonds letzten Herbst sehr präsent war, konnte noch nicht einmal alle Anleihen platziert werden. Ein falsches Wort von Merkel und im Handumdrehen sind die Konditionen dahin...

  • Wann wird jemand ein Käuferstreik gegen D organisieren. Wenn die Zinsen weiter bei 1.5% liegen, wird weder Schäuble, noch die nach ihm kommen werden, nie mit dem Sparen anfangen. Bei 1.5% für 10 Jahre ist es klar dass die FDP die Steuersenkung auf Pump finanzieren kann-rein mathematisch wird das aufgehen, danach kommt aber die Rechnung und sie werden nicht mehr am Steuer sitzen.

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