Schnäppchenjäger stützen Kurse der US-Bonds
Devisenmarkt bremst Talfahrt der Anleihen

Positive Wirtschaftsdaten auf beiden Seiten des Atlantiks hätten gestern die Kurse auf den Anleihemärkten eigentlich weiter unter Druck setzen müssen. Doch verhinderte in Europa der Auftrieb des Euros nach den vergangenen schwachen Tagen ein weiteres Absacken der Festverzinslichen.

DÜSSELDORF. Ein starker Euro sorgt für preisgünstige Importe aus Ländern, die in Dollar abrechnen, und dämpft damit Sorgen vor Inflation und steigenden Zinsen. In den USA kam es nach den Kursverlusten der vergangenen Tage zu einer technischen Gegenreaktion. Schnäppchenjäger griffen zu. Im Übrigen hielten sich die US-Investoren vor Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten am Freitag zurück.

Die Einkaufsmanagerindizes in Deutschland, Frankreich und Italien hatten am Morgen auf einen Anstieg der Wirtschaftstätigkeit hingedeutet. Sie waren allesamt etwas besser ausgefallen als erwartet. Auch der europäische Geschäftsklimaindex von NTC deutete auf eine Verbesserung der Konjunktur in Europa hin. Gute Wirtschaftsdaten sind schlecht für Anleihekurse, weil sie einen Anstieg der Zinsen erwarten lassen. Die Kurse entwickeln sich entgegengesetzt zu den Zinsen. Zumindest wird es immer weniger wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik bald lockert. So hat die Investmentbank Goldman Sachs gestern ihre Prognose zurückgenommen, dass die EZB noch in diesem Jahr die Leitzinsen senkt.

Am Kassamarkt lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Ende etwas niedriger als am Vortag bei 3,32 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future, die Messlatte für die Stimmung an den europäischen Anleihemärkten, stieg zum Handelsende um 0,13 Prozentpunkten auf 121,79 Prozent, nachdem er vorher praktisch unverändert tendierte. Nachdem er die Unterstützungsmarken von 122 und 121,80 unterschritten hat, hielt er sich damit über der nächsten Marke von 121,63 Punkten.

In den USA spielte das geplante Angebot neuer Staatspapiere mit 30-jähriger Laufzeit offenbar die entscheidende Rolle. In der Erwartung, dass die 30-jährigen Bundesanleihen jetzt wieder zur allgemeinen Messlatte für die Bondmärkte avancieren könnten, stiegen die Kurse der Langläufer an (siehe Bericht auf Seite 25). Nachdem die Renditen in den vergangenen Wochen kräftig gezogen hatten, interessierten sich Anleger auch für die kürzenen Laufzeiten. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ging leicht auf 4,30 Prozent zurück, entsprechend verbesserte sich der Kurs. Damit besteht aber zwischen europäischen und US-Anleihen immer noch ein Renditeunterschied von nahezu 100 Basispunkten. Die Konjunktur in Europa zeigt zwar erste Zeichen einer Verbesserung, aber die Märkte billigen der US-Wirtschaft mehr Dynamik zu. Der Index des Institute for Supply Management (ISM) ist im Juli auf 60,5 Punkte gesunken, doch der Korrektur nach den starken Vormonaten wurde nicht allzu viel Bedeutung beigemessen. Ein Indexstand von mehr als 50 Punkten weist auf eine Expansion im Dienstleistungsgewerbe hin. In diesem sind etwa 80 Prozent der Arbeitnehmer in den USA beschäftigt.

Bei Neuemissionen ist eine Sommerflaute eingetreten. Als größter – und vielleicht letzter – Deal gilt eine 1,1 Mrd. Euro schwere, in zwei Tranchen geplante Emission des Plastikherstellers Basell, die von Credit Suisse First Boston und Merrill Lynch betreut wird. Der Preis für die Anleihe soll Ende der Woche festgesetzt werden. Es wird eine Rendite zwischen 8,5 und 8,75 Prozent erwartet.

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