Schrottanleihen
Junkbonds senden Warnsignale

Die Sorgen vor einer Rezession und vor Unternehmenspleiten haben in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Das zeigt sich besonders am Preisverfall für auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen mit wackliger Kreditwürdigkeit. Das Schlimme daran: Der Anteil solcher „Junkbonds“ mit dramatisch hohen Risikoaufschlägen steigt bedrohlich an.

HB LONDON/FRANKFURT. Die Kurse dieser auch Junkbonds (Schrottanleihen) genannten Papiere sind seit dem Ausbruch der Subprime-Krise im vergangenen Sommer im Schnitt um 30 Prozent auf knapp 81 Prozent des Nennwerts eingebrochen. Damit bieten die Papiere – gemessen am High Yield Constraint Index von Merrill Lynch – einen durchschnittlichen Renditeaufschlag von 8,4 Prozentpunkten über sicheren Euro-Staatsanleihen.

Das Dramatische daran: Über 30 Prozent der im Index gelisteten Junk-Bonds bieten einen Risikoaufschlag von mindestens zehn Prozent. Damit werden sie auf dem Niveau von „Distressed Debt“ gehandelt, also so, als ob sie bereits notleidend, also in Zahlungsverzug wären. So hoch wie heute lag der Anteil an „Distressed Debt“ im Index zuletzt im März 2003.

Zu den Bonds mit extrem hohen Risikoaufschlägen zählen die des größten europäischen Mietwagenanbieters Europcar, des deutschen Holzspezialisten Pfleiderer und des niederländischen Chemieunternehmens Basell.

„Ein solcher Anteil an notleidenden Anleihen zeigt normalerweise an, dass es zu höheren Ausfällen kommen wird“, erklärt Karl Bergqwist, Fondsmanager bei Gartmore Investment Management in London. „Wir denken, dass es noch schlimmer kommen wird. Die Renditeaufschläge könnten noch wesentlich größer werden, und die Ausfälle werden zweifellos zunehmen.“

Auch die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die Ausfälle bei europäischen Hochzinsanleihen von Unternehmen in zwölf Monaten auf 2,3 Prozent steigen werden. Der hohe Anteil an „Distressed Debt“ deutet aber auf noch höhere potenzielle Zahlungsausfälle hin. Aktuell liegt die Ausfallquote mit nur 0,7 Prozent nahe einem Rekordtief. Die höchsten Ausfallraten erwartet Moody's bei Herstellern langlebiger Konsumgüter wie Möbel, Bodenbeläge und Kühlschränken. Weltweit sieht Moody’s einen Anstieg der Ausfallrate von 2,7 Prozent auf 7,4 Prozent.

In die Höhe getrieben wurden die Renditeprämien bei den Junkbonds durch die Risikofurcht der Investoren im Zuge der Subprime-Krise. Seither ist auch der Markt für Emissionen neuer Papiere laut Bankern regelrecht verschlossen. Seit Juli 2007 hat kein Unternehmen mehr einen größeren Junkbond in Euro begeben. In der ersten Jahreshälfte 2007 hatten Unternehmen in diesem Bereich noch rund 23 Mrd. Euro aufgenommen. Dieses Volumen brach im ersten Halbjahr 2008 auf nur noch fünf Mrd. Dollar ein.

Verschärft wird die Lage für die Unternehmen dadurch, dass die Banken die Richtlinien für die Kreditvergabe verschärft haben. „Wenn Unternehmen Schwierigkeiten haben, Geld am Anleihemarkt zu beschaffen und die Banken gleichzeitig die Kreditstandards verschärfen, steigt die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen“, warnt Guy Stear, Stratege bei Société Générale in Paris. „Das passiert auch dann, wenn das eigentliche Geschäft der Unternehmen gut läuft.“

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